Fahrbericht Ducati Hypermotard mit Fliehkraftkupplung

Unter Offroadern sind Fliehkraftkupplungen zum Nachrüsten schon lange geschätzte Helfer. Im Straßenbereich dagegen sind sie immer noch Exoten. Das soll sich, geht es nach Ducati-Händler Ronald März, ändern. Er bietet für alle Bologna-Twins mit Trockenkupplung die Fliehkraftkupplungen des australischen Ducati-Spezialisten VeeTwo.

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Die Hypermotard wirkt auf den ersten Blick völlig normal. Nichts weist auf die Besonderheit hinter ihrem Kupplungsdeckel hin. Auch der Kupplungshebel ist da, wo er immer sitzt, denn zum Wechseln der Gänge ist das manuelle Kuppeln nach wie vor nötig. Unter dem Deckel aber ist bis auf das Lamellenpaket nichts mehr wie es war. Kupplungskorb und nabe kommen von VeeTwo. Und der Fliehkraftmechanismus ersetzt die Druckplatte. Wer im Stand die Kupplung zieht, staunt nicht schlecht, scheint sich die be-nötigte Handkraft doch glatt verdoppelt zu haben.

Und das soll funktionieren? Der Start. Zum Anlassen empfiehlt es sich, die Bremse zu ziehen. Die Kupplung rückt unter etwa 1700 Umdrehungen zwar selbsttätig aus, gibt man beim Anlassen aber zu viel Gas, rückt sie automatisch wieder ein und man erntet einen Satz nach vorn. Standgas, erster Gang ohne Kupplung und ohne Geräusche eingelegt  dann sachte das Gas geöffnet. Und sanft und ohne Ruckeln nimmt die Duc Fahrt auf. Kurz Gas geben, zweiter Gang und holla. Fast widerstandslos lässt sich die Kupplung ziehen.

Wird unterhalb von etwa 4000/min also jenem in der Stadt oft genutzten Bereich  geschaltet, unterstützt der Fliehkraftmechanismus das Ausrücken. Die benötigte Handkraft schmilzt bis auf einen minimalen Rest. Perfekt auch das Manövrieren durch Staus, Fußgängerzonen oder das Zirkeln um enge Ecken. Im zweiten oder dritten Gang einfach heran rollen und die Drehzahl bis in Regionen sinken lassen, wo sonst die Duc-Twins ungehobelt zu poltern und ruckeln beginnen.

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Dort rückt die Kupplung sanft aus und beim Gas anlegen ebenso sanft wieder ein. An der Ampel genügt es, einfach aus-zurollen und dann im Stand ohne Kupplungshand  den Ersten einzulegen. Heftige Ampelstarts sollte man sich allerdings verkneifen, denn schnappt beim Anfahren die Drehzahl zu schnell in die Höhe, rückt die Kupplung blitzartig ein und eine Rolle rückwärts in greifbare Nähe. Außerdem sollte beim Parken die Straße nicht allzu abschüssig sein, weil die Kupplung im Still-stand auch bei eingelegtem Gang trennt. Außerhalb von Ortschaften konzentriert sich der Komfortgewinn auf verwinkelte, serpentinenreiche Strecken. Dort entfällt in Kehren das Zaubern mit der Kupplung. Einfach den eingelegten Gang drin lassen, den Rest erledigt die Mechanik. In einem zu hohen Gang sollte man das natürlich nicht versuchen, sonst leiden die Reibbeläge der Kupplung zu sehr.

Mit steigender Drehzahl wächst allerdings die benötigte Handkraft  sogar über das serienmäßige Maß hinaus. Und: Beim Herunterschalten fällt logischerweise die Drehzahl ab, die Kupplung rückt aus und beim Einkuppeln nach dem Schalten geschieht nichts. Keine Motorbremse, denn der Fliehkraftmechanismus hat ja seine Arbeit getan und man rollt ohne Kraftschluss dahin. Erst beim Gas geben rückt die Kupplung wieder ein. Deshalb empfiehlt sich sehr zügig oder mit einem Stoß Zwischengas herunterzuschalten, um die Drehzahl oben zu halten. Wem der rappelige Rundlauf seiner Duc bei niedrigen Drehzahlen und das Hantieren mit der Kupplung zu nervig ist, findet hier durchaus mehr Komfort. Der mit stolzen 1200 Euro allerdings nicht für ein Butterbrot zu haben ist.

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