Fahrbericht Ducati Multistrada 1000 S Goldfeder

Langsam aber sicher gelangt das Konzept der Ducati Multistrada zur Reife. Im dritten Jahr ihres Bestehens haben alle Multistrada-1000-Modelle eine Reihe von Modifikationen erfahren, welche die Kritik an der ursprünglichen Ausführung ausräumen. Eine Sitzbank mit geänderter Form verhilft zu mehr Bewegungsfreiheit und besserem Sitzkomfort, eine breitere Verkleidungsscheibe schafft besseren Windschutz, weiter auslegende Spiegel sorgen für genügend Sicht nach hinten. Was die hochwertig ausgestattete Multistrada 1000 S vom Standardmodell unterscheidet, sind insbesondere Federelemente vom Allerfeinsten. Edel in Gold mit gefräster Achs- und Bremszangen-Aufnahme prangt vorn eine Öhlins-Gabel, die als Zubehörteil allein schon rund 2600 Euro kosten würde. Eine Summe, die sich schwer nach Luxusartikel und Berühmtheitsaufpreis anhört, tatsächlich jedoch durch überaus exakte und aufwendige Fertigung zu begründen ist. So wird die Titan-Nitrid-Beschichtung in drei Schichten mit Poliergängen dazwischen aufgebracht, um durch möglichst geringe Rautiefe die Losbrechkräfte der Gabel zu minimieren. Das ist als feines Ansprechverhalten beim Fahren mit der Edel-Multistrada sogar tatsächlich zu spüren. Allerdings eher als Sahnehäubchen in Sachen Komfort denn als pure Notwendigkeit. Doch wie das eben so ist, wenn jemand die fast vollkommenen Dinge einmal erlebt hat: Das ordentliche Normalmaß hat danach einen schweren Stand, man mag sich ungern zurückfinden.
Hinten schleicht sich ein kleines Abstimmungsmanko in die hochwertige Umgebung. Trotz geringster Federvorspannung – komfortabel am Handrad zu justieren – ist der nötige Negativfederweg denkbar knapp, Ducati hat die Feder also für den Solobetrieb etwas zu hart oder lang gewählt. Das fällt besonders bei sportlichem Fahren mit knackigem Anbremsen von Kurven auf, eine Übung, welche die Multistrada gut beherrscht. Da schlingert es hinten etwas zu rasch, weil das Rad kaum mehr Bodenkontakt hat. Auch das in Resten noch spürbare Rühren in lang gezogenen Kurven könnte mit einer weiter eingefederten Hinterhand wahrscheinlich abgestellt werden. Dank des Öhlins-Federbeins ist Abhilfe nicht besonders schwierig zu finden – es gibt dafür ein großes Angebot an Austauschfedern zur individuellen Anpassung.
Die übrigen Unterschiede zwischen S- und Standardmodell sind schnell beschrieben; die S trägt einen leichten Alu-Lenker von Renthal, Karbonabdeckungen der Zahnriemen und einen Vorderrad-Kotflügel aus Karbon. Die 1500 Euro Aufpreis der S rechtfertigen sich also hauptsächlich durch die Gabel; die Freunde feiner Fahrwerkstechnik kommen damit voll auf ihre Kosten. Wer in dieser Hinsicht nicht die ganz hohen Ansprüche hat, genießt in der normalen Mulitstrada den gleichen spurtstarken, luftgekühlten Zweiventil-Motor. Nach guter, jetzt schon langjähriger Ducati-Tradition drückt er sogar meist etwas mehr PS als angegeben. ras

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