Fahrbericht E.V.A. Track T-800 CDI

Bislang steckten Dieselmotorräder immer in der Schublade für Schrulliges. Nun aber wagt ein Holländer mit einer Reiseenduro für Weltenbummler den Brückenschlag zwischen automobiler, ausgereifter Großserientechnik und modernem Zweiradbau.

Foto: Cathcart

Eric Vegt hält nichts von Tiefstapelei. „Die Track ist der ultimative BMW GS-Killer mit der Fahrbarkeit einer KTM LC8 und Hayabusa-Drehmoment“.

Seit 1991 versorgt der 44-jährige Holländer Fernreisende mit allem, was Long-distance-trips angenehmer oder erst möglich macht. Von Sturzbügeln über Gepäcksysteme bis hin zu größeren Tanks. Was zwangsläufig dazu führte, dass immer mehr Rallye-Teams anklopften, um ihre Maschinen Paris-Dakar- oder Nordarfrika-tauglich machen zu lassen. Ihr Ansinnen: längere Etappen mit höherem Speed zu bewältigen. Das hieß aber: Kräftigere Motoren, die mehr Sprit benötigten, was große Tanks und noch mehr Gewicht und damit wiederum Leistung erforderte. Ein Teufelskreis.

Vegt sah den Ausweg daraus nur in einer komplett neuen Konstruktion. Und das führte ihn ziemlich schnell zum Dieselmotor. Auf der Suche nach einem passenden Aggregat wurde er beim Autobauer Smart fündig. Dessen 800 cm3 großer Common-Rail-Dreizylinder soll sich mit rund 2,5 Litern Diesel auf 100 Kilometer begnügen. Er ist kompakt und mit 70 Kilogramm plus dem aus Schneemobilen stammenden kanadischen CVT-(Continuously Variable Transmission)-Getriebe noch leicht genug, um in ein Motorrad-Chassis zu passen. Und seine 48 PS bei 2750/min, vor allem aber die 120 Newtonmeter Drehmoment, die praktisch über das gesamte nutzbare Drehzahlband von 850 bis 4250/min bereit stehen sollen, prädestinieren ihn für eine Reisemaschine. Beim Fahrwerk, das gibt Vegt unumwunden zu, hat er sich von Ducatis Gitterrohrrahmen inspirieren lassen.
Zumindest was Erscheinung und Abmessungen der Track angeht, kann sie der BMW GS auf jeden Fall Paroli bieten. 880 Millimeter Sitzhöhe wollen erklommen sein, der Radstand von 1615 Millimetern übertrifft die Weiß-Blaue um zehn.
Aber die Sitzposition ist nicht minder relaxed und macht Lust auf einen langen Trip. Bei der Startprozedur entfällt der Griff zur Kupplung. Bremse ziehen, Startknopf drücken, und der Dreizylinder brabbelt sofort mit gemütlichen 850 Umdrehungen vor sich hin. Hierfür sollte man beim Starten aber tunlichst den Gasgriff in Ruhe lassen, denn sonst macht der Drehmoment-Bulle sofort einen gewaltigen Satz nach vorne.

Sein Klang ist etwas kerniger als der eines normalen Motorrads, aber deutlich weniger rumpelig als bei den meisten Selbstzünder-Blechdosen.
Und einmal in Fahrt überrascht der Klang, der selbst bei Volllast alles andere als laut wird und mehr einem unterschwelligen Knurren ähnelt. Völlig ohne ungebührliches Poltern. Das charakteristische Säuseln eines Dreizylinders bietet aber auch die Track, überlagert vom dezenten Pfeifen des Abgasturboladers, der mit 1,25 bar Ladedruck arbeitet. Beeindruckend ist der fast völlig lineare Drehmomentverlauf, das akkurate Umsetzen von Gasbe-fehlen, die per Ride-by-wire erfolgen. Das stufenlose Getriebe, das die Drehzahl beim Beschleunigen im optimalen Bereich hält, gaukelt in Verbindung mit dem sonoren Klang zunächst verhaltenes Temperament vor. Tatsächlich aber schiebt der Drei-zylinder mächtig an. Und weil Kupplungsakrobatik entfällt, macht es diese Konstel-lation in der Stadt oder auf rutschigem Untergrund leicht, die Track zu dirigieren. Zumal die Kardanbewegungen minimal ausfallen und die lange Schwinge für viel Traktion sorgt.
Unter dem Strich lässt sich die Track angesichts des langen Radstands, der auf Stabilität ausgerichteten Lenkgeometrie und des 21-Zoll-Vorderrads ausgesprochen leichtfüßig bewegen. Woran auch die sauber abgestimmten WP-Federelemente ihren Anteil haben. Beim Bremsen allerdings müssen die Brembo-Stopper schon energisch aktiviert werden, da aufgrund des CVT das Motorbremsmoment fast völlig fehlt.
Das Interesse an der Track ist schon jetzt so groß, dass für die Entwicklung eines weiteren, straßentauglicheren Modells die Zeit fehlt. Dennoch verhandelt Vegt bereits mit Mercedes über einen 1,5-Liter-Sechszylinder. Als Gegenspieler zur Honda Pan European, der in drei Jahren kommen soll. Der Diesel-Anfang jedenfalls ist gemacht. Und es ist ein vielversprechender.
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