Fahrbericht Fuchs-Honda F6C Badios Donnergroll: F6C

Foto: Künstle
Es gibt sie, diese »Draufsitzen-wohl-fühlen-Bikes«. Die Badios gehört nicht dazu. Will sie auch gar nicht. Schon im Stand scheint die 315-Kilo-Brumme zu sagen: »Schlender weiter, Weichei. Ich bin nur was für echte Männer.« Und tatsächlich: Die gierig in die Luft gereckten, offenen Ansaugtrichter (Attrappe), das massive Chrom-Aufgebot, der mächtige Lenker und die kurze Sechs-in-sechs-Anlage, die arg an abgesägte Schrotflinten erinnern, wirken Respekt einflößend. Das Gleiche gilt für den ersten Sitzkontakt. Zwar schwebt man in nur 720 Millimeter Höhe, doch das Polster ist hart. Und mit effektiv 360 Millimetern zu kurz, um einen Sozius zu transportieren. Die Knie werden im 90-Grad-Winkel geknickt, die Füße finden Halt auf verchromten Rasten mit Totenkopf-Emblem. Auch der Lenker mit dem treffendem Namen »widebar« passt wunderbar zum Ensemble, denn er zwingt die Arme in diese »Ich-will-die-ganze-Welt-umarmen«-Haltung. Kurzum: Die Badios ist ein Radikalumbau ohne ergonomisch hehre Ziele. Insofern funktioniert er perfekt. Initiator des Projekts ist Europas größter Gold-Wing-Händler, Detlef Fuchs aus Uslar/Niedersachsen (www.goldwing.de). Rund 100 Arbeitsstunden investierte die Mannschaft um Inhaber Fuchs in eine F6 C Valkyrie (siehe auch Internet-Seite www.custombikesales.de) und verwandelte das Biederbike in ein Showjuwel.
Anzeige
Foto: Künstle

Road-King

Die Badios-Show beginnt erst richtig mit dem ersten Atemzug des auf 1835 Kubik aufgebohrten 1520er-Triebwerks. Sechs Kolben exhalieren quasi in die Freiheit, drücken knapp zwei Wiesenmaß verbrannter Energie ins Nichts. Der Boxer grollt im Stand. Er zornt im niedertourigen Drehzahlbereich und gewittert oberhalb von 4500 Touren. Kein Motorrad für Leisetreter.

Doch die Cobra-Schalldämpfer sind lediglich für Show-Zwecke montiert, »eine TÜV-fähige Anlage wird mitgeliefert«, so Junior-Chef Tobias Fuchs. Ansonsten ist alles eingetragen. Ständer hochkicken, geräuschvoll fällt der Erste in seine Verzahnung. Kupplung raus und die 117 Pferde aus der Koppel treiben. Der getunte Boxer hängt etwas ruppig am Gas, setzt Befehle nicht so seidenweich um, wie man es von einer 1800er-Gold Wing gewohnt ist, hat aber fast denselben Punch. Für Cruiser-Verhältnisse geht es mächtig voran. Ab 2000 Touren zeigt der Motor Biss und verführt den Piloten förmlich dazu, den Gashahn immer weiter aufzudrehen, sich völlig dem Druck und Sound des Triebwerks hinzugeben. Die drehmomentale Macht des Fuchs-Umbaus wird in Breitreifen-Kreisen höchstens von einer Triumph Rocket mit ihrem 2,3­Liter-Monstermotor noch getoppt.

Gabel und Federbein sind sportlicher abgestimmt als die Serienteile, sie vermitteln ein relativ gutes Feedback und stabilisieren die Fuhre in zügig gefahrenen Kurven. Der Federweg hinten wurde auf 60 Millimeter reduziert, mittels Luftunterstützung können die Feder­beine anders abgestimmt werden. Durch die Verwendung einer Stahlflexleitung ist der Druckpunkt der Bremsanlage besser, und auch die wellenförmigen Bremsscheiben samt Belägen von Braking verrichten einen hervorragenden Job. Das Eigenlenkverhalten des breiten 240er-Metzeler Marathon und die Entfernung von Lenkerende zum Vorderreifen dämpfen die von Power, Bremsen und Fahrwerk geweckten sportlichen Ambitionen allerdings schnell. Kleine Menschen sollten unbedingt einen Kurs fürs Wenden absolvieren: Wer den Lenker voll einschlägt, braucht die Armspannweite eines Hünen. Das wiederum passt zur Badios – Stichwort Weichei. Interessierte sollten 28000 Euro übrig haben. Dafür erhalten sie dann wirklich ein zünftiges Big Toy for Bad Boys.
Anzeige

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel