Fahrbericht: Gas Gas Gas Gas EC 450 4T

Fertig zum Abheben: Der spanische Hersteller Gas Gas setzt mit hauseigenem Dohc-Viertaktmotor, Benzineinspritzung und Brückenrahmen auf Technik aus der eigenen Entwicklungsabteilung.

Foto: jkuenstle.de

Es gehört bekanntlich Mut dazu, technischer Vorreiter zu sein. Den hatten die Techniker und Produktplaner bei Gas Gas offensichtlich, als sie in der Saison 2002 den ersten sportlich ausgerichteten Viertakt-Einzylinder mit Benzineinspritzung präsentierten. Eine Pionierleistung, zu der die japanische Motorradindustrie im Offroad-Bereich übrigens mit den, erst jetzt allesamt mit Einspritzung ausgestatteten, 450er-Motocrossern des Modelljahres 2010 aufschloss.

Erfreulich: Wie besagte Crosser setzt auch die aktuelle Gas Gas EC 450 4T auf eine batterielose Einspritzung, der zum Start die mit dem ersten Tritt auf den Kickstarter erzeugte Spannung ausreicht. Selbst wenn es den in aller Regel nicht braucht. Denn ein Druck aufs Knöpfchen des Elektrostarters gehört, wie heute bei Sportenduros üblich, auch bei der Spanierin zum mühelosen Startprozedere.

Die stattliche Sitzhöhe (940 Millimeter), die straff gepolsterte Sitzbank oder der schmale Knieschluss entsprechen dem Klassenstandard, von dem nur der relativ hohe Lenkkopf mit dementsprechend hoch angebrachtem Lenker abweicht. Große Piloten werden das zusätzliche Raumangebot schätzen. Der vor der Sitzbanknase aufragende Tankstutzen sieht im Vergleich zu der in diesem Bereich meist flacher gebauten Konkurrenz etwas antiquiert aus. Aber selbst in engen Kurven stört der Höcker den nach vorn rutschenden Piloten nicht. Das tut eher das mit 121 Kilogramm im oberen Bereich (KTM 450 EXC: 114 kg, Husaberg FE 450: 116 kg, Husqvarna TE 450: 122 kg) angesiedelte Leergewicht.

Gegen die Masse stemmt sich allerdings ein sehr aufgeweckter Single. Ein Zug an der hydraulischen Kupplungsarmatur und der mit 60,8 Millimetern relativ kurzhubige Vierventiler tritt mit Macht an, schiebt im Stil eines Motocross-Aggregats druckvoll und aggressiv voran. Gut für die Rundenzeiten in Sonderprüfungen oder den Einsatz auf griffigem Untergrund. Über glitschiges Terrain will die Katalanin jedoch mit Feingefühl bewegt werden. Wer zu heftig am Gas dreht, wird schnell von einem durchdrehenden oder quer schlagenden Hinterrad zur Raison gerufen.

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Dafür trifft die Abstimmung der Feder-elemente das Anforderungsprofil eines Enduro-Sportbikes exakt. Federbein und Gabel, beides vom italienischen Zulieferer Sachs, sprechen auf kleine Unebenheiten sensibel an, filtern auch gröbere Schläge effizient und lassen sich erst auf derben Motocross-Pisten an ihre Grenzen bringen.

Was den Gas Gas-Treiber wohl aber nicht anficht. Denn mit Griffmulde, schnell zu wechselndem Luftfilter, Kühlwasser-Überlaufbehälter und ungewöhnlich informativem Cockpit signalisiert die EC 450 4T ihre eindeutig enduristische Ausrichtung. Übrigens: Die 450er preislich im Vergleich zum Vorgängermodell um 1000 Euro auf 7500 Euro zu reduzieren, dazu braucht es - auch oder gerade in Zeiten der Krise - gehörig Mut.

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Foto: jkuenstle.de

Die wichtigsten Änderungen

Fahrwerk:

  • Marzocchi-Gabel mit 50 Millimetern Gleitrohrdurchmesser und Closed-Cartridge-Dämpfung
  • Aus dem Vollen gefräste und eloxierte Gabelbrücken
  • 900 Gramm leichtere Räder
  • Breitere Fußrasten
  • Fünf Millimeter längerer Stoßdämpfer



Preis:

  • RR 450: 8252 Euro
  • RR 450 Racing Edition: 10319 Euro

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