Fahrbericht Gilera Nexus 250/500 Auf ein Nexus

Anno 2003 schickte sich der italienische Scooter-Grossist Piaggio an, den Markt der sportlich orientierten Rol-
ler aufzumischen und infolgedessen den Gilera Nexus 500 ins Rennen. Das Konzept des Einzylinder-Sport-Maxi-Scooters mit sehr eigenwilliger Sitzposition und, gemessen an den Abmessungen, dürftigem Platzangebot führte jedoch trotz Gags wie
der einstellbaren Fahrwerksgeometrie nicht gerade zum Sturm der Kund- auf die Händlerschaft.
Um dies zu ändern, hat Piaggio den Nexus überarbeitet. Am augenscheinlichs-
ten sind die Blinker, die jetzt an der Ka-
rosserie statt am Lenker Halt finden. Dort schützen nunmehr Windabweiser die Hände vor übertriebener Zugluft. Kaum sicht-, dafür deutlich spürbar sind die Ände-
rungen der Ergonomie. Die Sitzhöhe 25 Millimeter runter, den Lenker um fast denselben Betrag rauf und etwas nach vorne, schon passt es. Der knappe Fußraum wird dadurch allerdings nicht geräumiger; und auch in puncto Kofferraum ist üppig anders. Im Cockpit haben Tacho und Drehzahlmesser, der besseren Ablesbarkeit wegen, die Plätze getauscht. Die deutlich kürzere Verkleidungsscheibe vermindert die Windgeräusche und rundet die Änderungen an der Peripherie ab.
Unterm Kunststoff hat sich deutlich mehr getan. Der bislang einzigen Moto-
risierung mit dem 38 PS starken und 460 Kubikzentimeter großen Vierventil-Eintopf wurde ein lebendiger und hochmoderner Viertelliter-Triebsatz zur Seite gestellt. Wer sich mit der kleinen Version begnügt, spart zwar satte 2589 Euro, muss jedoch auf
einiges verzichten: auf 16 PS und 19 Newtonmeter zum Beispiel, was dem schweren Nexus doch deutlich Souveränität raubt.
Die fehlende zweite Bremsscheibe
vorne lässt sich hingegen verschmerzen. Set-up-Freaks vermissen am 250er das
via längenverstellbarer Schubstange in der Höhe einstellbare Heck des Halblitermodells. Dadurch kann der Lenkkopfwinkel bis zu einem Grad verändert werden, die Auswirkung auf die Fahreigenschaften lassen sich selbst von weniger sensibleren Naturen kaum ignorieren. In Handlingstufe eins mit ganz erhobenem Heck zieht der große Nexus ebenso gelassen und stoisch seine Bahnen.
Das gefahrene 250er-Exemplar legte indes eine Kippeligkeit mit gleichzeitig teigigem Einlenken an den Tag legte. Der kurze Fahrtermin ließ eine Ursachenforschung leider nicht zu. Allein durch unterschied-
liche Radgrößen und Bereifung – Pirelli beim 500er, Michelin beim 250er – ist diese Diskrepanz kaum erklären. Die Fahrwerksabstimmung wiederum ist bei beiden hart, aber herzlich. Letztlich bleibt abzuwarten, ob die Maßnahmen ausgereicht haben, die Anzahl derer, die bereit sind, einen Nexus zu kaufen, signifikant zu erhöhen. sgl

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