Fahrbericht Harley-Davidson Spätbremser: Road King Classic

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Keine Panik, die Road King wird sich auch in der 2008er-Version treu bleiben. Der Schlag des Twin Cam 96 wird im Standgas weiterhin Hände und Hintern wohlig massieren, um – zumindest für Neulinge völlig unerwartet – bereits ein paar Umdrehungen höher in ein kultiviertes, nur noch ganz schüchtern stampfendes Triebwerk überzugehen. Ebenso bemüht sich die Road King weiterhin, es ihrem Reiter mit der kommoden Sitzbank, dem locker in der Hand liegenden Lenker und den an­genehm positionierten Trittbrettern bequem zu machen. Auf dass er – nicht zuletzt dank der komfortabel abgestimmten Federung – sich entsprechend seinem Namen fühle: Road King, König der Straße. In der Tat lässt es sich auf dieser Harley – hier in der Classic-Ausgabe mit Lederpacktaschen, Weißwandreifen und Speichenrädern – nobel reisen. Und in Zukunft noch besser. Der fürstliche Führungsanspruch innerhalb der Harley-Dynastie dokumentiert sich ab der kommenden Saison neben weiteren Modifikationen (siehe oben »Wichtigste Änderungen«) vor allem in einem optional erhältlichen ABS, das außer bei der Tourer-Baureihe (Road King, Electra Glide, Street Glide) nur für die avantgardistische V-Rod angeboten wird.
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Bremskraft, Gas und ABS

Und so bremst es sich erstmals in der Harley-Historie blockadefrei. Natürlich, so vehement wie ABS-gebremste Allrounder lässt sich die 355 Kilogramm schwere Road King Classic nicht verzögern. Drei Finger braucht es schon, um die Front maximal einzubremsen. Zudem wird der Bremsdruck wird ziemlich früh gemindert, sodass der vordere Pneu kaum zum Wimmern ­gebracht werden kann. Dito im Hinterrad, das angesichts der hohen Hecklast deutlich mehr Verzögerungskräfte übertragen könnte. Wie viel genau, das verrät die Bremsmessung im Rahmen des Top-Tests der V-Rod in einer der nächsten MOTORRAD-Ausgaben. Dennoch, ein Plus an Sicherheit bietet das ABS auf alle Fälle. Mehr Komfort liefert der sogenannte Drive-by-wire-Gasgriff, dessen Befehle an die Drosselklappe über einen elektrischen Stellmotor weitergegeben werden. Das Gas lässt sich fast widerstandsfrei drehen. Einen Tempomaten gibt’s serienmäßig dazu. Wie auch die Aufstockung um vier auf 82 PS, die dem Harley-Owner genauso gefallen wird wie der um 500 Euro reduzierte Grundpreis – auch wenn der sich ­mit dem 990-Euro-Zuschlag für das ABS wieder relativiert.
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Daten Harley-Davidson Road King Classic

Motor:
luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-45-Grad-V-Mo­tor, zwei Ventile pro Zylinder, Einspritzung, Ø 46 mm, ungeregelter Katalysator, Sechsganggetriebe, Zahnriemen.
Bohrung x Hub 95,3 x 111,1 mm
Hubraum 1585 cm³
Nennleistung 60,0 kW (82 PS) bei 5200/min
Max. Drehmoment 129 Nm bei 3500/min

Fahrwerk:
Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 300 mm, Scheibenbremse hinten, Ø 300 mm.

Maße und Gewichte:
Radstand 1610 mm,
Lenkkopfwinkel 64,0 Grad,
Nachlauf 158 mm, Federweg v/h 117/76 mm, Gewicht vollgetankt 355 kg*.
Preis der Testmaschine 22865 Euro

Wichtige Änderungen

ABS mit größeren Bremsscheiben (300 Millimeter)
ist für 990 Euro Aufpreis erhältlich
Auf 82 PS erhöhte Motorleistung (bisher: 78 PS)
Drive-by-wire-Gasgriff. Drosselklappe wird über Stellmotor statt Seilzüge betätigt
Auf 22,7 Liter vergrößerter Tank (bisher: 18,9 Liter)
Ruckdämpfer an der hinteren Zahnriemenscheibe
Zündunterbrechung bei ausgeklapptem Seitenständer
Serienmäßiger Tempomat
Grundpreis auf 21285 Euro reduziert (bisher: 21750 Euro)

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