Fahrbericht: Hertrampf-Suzuki Tuning-Motorrad: Hertrampf-Suzuki GSX-R 1000

Die Hertrampfs aus Nordhorn stammen sicherlich vom Geschlecht des Wilhelm Tell ab. Jahr um Jahr bauen sie in ihrer norddeutschen Motorradschmiede treffsichere Pfeile für den PS-Tuner-GP. Auch die diesjährige Suzuki GSX-R 1000 gehört zur Gattung "Präzisionswaffe".

Foto: jkuenstle.de

Je sicherer man sich einer Sache ist, desto größer fällt die Überraschung aus, wenn die Erwartung nicht zutrifft. Egal, ob positiver oder negativer Art, das Aha-Erlebnis, wenn einen die Erkenntnis trifft, ist immer wieder lehrreich.

Es begab sich beim Tuner-GP 2010, dass der Autor dieser Zeilen von einem zum anderen Testmotorrad hastete. Mit Denis Hertrampf war ausgemacht, um Punkt 11 Uhr auf seine GSX-R 1000 K9 zu steigen und die ersten Testrunden auf dem wohlbekannten Hockenheimer Asphaltkringel zu drehen. Die Übergabe der blau-weißen Suzuki erfolgt schnell und präzise: "Stell dir den Bremshebel ein, Schaltschema ist umgekehrt, Reifen sind warm und angefahren. Ach ja, und Finger weg vom Mapping-Schalter!" Damit ist die kurze Einweisung vom Erbauer und Teamchef schon beendet. "Aye, aye, Sir, alles paletti", raus geht‘s aus der Box, hinein ins Paradies für leistungsstarke Tausender.

Mit breiter Brust und einem Gefühl der Unbesiegbarkeit fädele ich mich in den Verkehr ein, schieße mich langsam auf Hertrampfs Power-Bike ein. Wohl wissend, dass in seinen Gixxern immer reichlich Pferde beherbergt sind, gönne ich den Pirelli-Slicks aus der IDM zwei Akklimatisierungsrunden, bevor ich so richtig am Hahn ziehe. Dann, in der dritten Runde beim Anbremsen der Spitzkehre eine Überraschung. Während ich voll am Bremsen bin, schiebt sich innen rotzfrech eine Yamaha R6 zwischen mich und die Curbs, driftet quer in die Spitzkehre, zieht ab dem Scheitel, sich weit nach außen tragen lassend, aus der engen Ecke Richtung schnellem Rechtsknick davon. "Eine 600er", schießt es mir durch den Kopf. "Na warte, jetzt wollen wir mal sehen, wie lange du vor mir bleibst!" Ich spanne das Gas volle Kapelle, die 203 PS von Denis schieben die Gixxer nachdrücklichst Richtung Heck der R6. Junge, lässt es der Kerl in den Knick reinfliegen! Die gewonnenen Meter sind beim Anbremsen der Mercedes-Tribüne wieder dahin, aber egal, jetzt wird gefightet. Eingangs Motodrom bin ich wieder dran, die GSX-R ist handlich wie eine 600er, nur viel stärker. Mir war gar nicht aufgefallen, dass die Gixxer Carbonräder trägt... Weiter, dem kleinen Brenner hinterher. Eingangs Sachskurve wieder das gewohnte Bild: Die Yamaha bremst furchtbar spät, biegt quer ab und pfeilt mit abartigem Tempo davon. Selbst diese spielerisch einbiegende und sehr präzise fahrende GSX-R 1000 kommt da nicht hinter her.

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Foto: jkuenstle.de

Beim Einbiegen auf die Start-Ziel ist die Yam außerhalb der Schlagdistanz, die Hertrampf-Gixxer und ich sind nach Strich und Faden versägt worden. Doch es bleibt keine Zeit für Tränen. Unverdrossen folgen weitere Testrunden auf dieser makellos fahrenden und wirklich leichtfüßigen 1000er. Ihr Grip beim Herausfeuern aus den Ecken und Bögen ist sagenhaft, genauso ihre Bremsstabilität. Leider beginnt die Breme nach einigen Runden leicht nachzulassen, der einzige Kritikpunkt an dieser Suzuki. Trotz dieses kleinen Mankos bleiben mir ein weiteres Überholtwerden erspart.

Zurück in der Box dann große Augen. War ich während der Fahrt noch felsenfest davon überzeugt, dass die Gixxer auf Carbonrädern stünde, die maßgeblich für ihr formidables Handling und ihre Leichtfüßigkeit verantwortlich wären, steht sie auf ganz normalen Serienfelgen. Ein Blick in das unbestechliche Messprotokoll attestiert der Gixxer ganze 187 Kilogramm Kampfgewicht. Unglaublich, wo kommt nur dieses sagenhafte Handling her?

Auf diese Frage hat Denis Hertrampf nur eine Antwort: "Berufsgeheimnis", sagt er lächelnd. Nur ein ganz kleines bisschen lässt er sich in seine Setup-Karten schauen. Sein Gabelumbau basiert auf einem speziellen Dämpferkolben, der dieses schnelle Einlenken möglich machen soll, ohne ein Durchschlagen der Gabel zu riskieren. Und über das Öhlins-Federbein hat er das Niveau des Hecks um rund 1,5 Millimeter angehoben. Eine äußerst unbefriedigende, aber nachvollziehbare Geheimniskrämerei. Denn die Gixxer fährt wirklich so, als wäre sie 15 Kilogramm leichter.

Dass es mir trotz Rundenzeiten von 1:50 min, diesem Handling, der Stabilität und der 203 Pferde in der Gixxer nicht gelungen ist, die 600er-Yamaha zu halten, ist allerdings letzlich doch keine echte Überraschung. Es lag an den Fahrern, wie so oft. Während die Hertrampf-Suzuki von einem Piloten der Hobby-Racer-Liga gesteuert wurde, saß auf der R6 kein andere als IDM-Fahrer Damien Cudlin, der Supersport-Champ der Saison 2010. Hätte ich das mal schon vorher gewusst.

Gewissheit dagegen ist, dass Denis' Suzuki ein sehr leistungsstarkes, handliches und von jedem Hobbyracer gut zu beherrschendes Rennmotorrad ist und wahnsinnig viel Spaß bereitet.

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Zeichnung: Archiv

Daten

Gewicht: 187 kg
Vorn/hinten: 52,4/47,6 %
Leistung: 203 PS
Preis: 25 495 Euro

Die GSX-R 1000 schüttelt ihre 203 PS so locker und entspannt aus dem Hut, dass sie von jedem Fahrer angstfrei bedient werden kann. Einziges sich verspannendes Teil ist der Fahrernacken bei Vollgas.

Foto: Archiv

Denis Hertrampf
Motorrad Hertrampf Sachsen Straße 5, 48529 Nordhorn
Tel.: 0 59 21/3 77 78
www.suzukiplus.de

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