Fahrbericht Holzhauer-IDM-Honda Fireblade PS fuhr die jüngste Aufbaustufe der Race-Honda

Bisher muss sich die Fireblade vom Honda Holzhauer Racing Promotion-Team vor allem den starken BMW in der Superbike-IDM geschlagen geben. Mit Hochdruck entwickelt der Rennstall das Bike momentan weiter. PS fuhr die jüngste Ausbaustufe.

Foto: Zep Gori

Bleib unten, Biest! Bis zum vierten Gang macht die IDM-Honda Fireblade hartnäckig Männchen. Schon in der ersten Runde der Probefahrt steht fest: Das wird ein anstrengender Ritt. Aus den meisten Ecken heraus schießt das Vorderrad der Blade gen Himmel, der Pilot hat alle Hände voll zu tun, das Rad am Boden zu halten. „Du musst beim Beschleunigen hinten bremsen“, rät der Champion der IDM-Superbike von 2010, Karl „Muggas“ Muggeridge. „Aber wenn du zu stark bremst, verlierst du Zeit. Es dauert, bis man die richtige Dosis findet.“

Das gelingt in dem 20-Minuten-Turn auf dem Rundkurs von Oschersleben -leider nie so richtig. Dazu stehen auch andere Dinge zu sehr im Fokus. Wie beispielsweise das Anbremsen der fiesen Dreifach-Links nach der Hasseröder-Kurve, zweifellos eine der Schlüsselstellen des Kurses. Mist, schon wieder zu früh in den Eisen! Dabei wollte ich das Eck so nehmen, wie es Muggeridge bei den Einführungsrunden auf der Serien-Fireblade vorgemacht hat: Er bremst spät und steuert fast kerzengerade auf den Scheitelpunkt zu, winkelt dann zackig ab und trifft genau die Linie für die nächsten beiden Ecken. Wie das Meter bringt!

Noch besser als die Serie eignet sich für solche Manöver natürlich die IDM-Blade. Sie folgt dem angepeilten Kurs millimetergenau und lässt selbst in großer Schräglage beliebige Korrekturen zu. Dazu ist sie extrem handlich und kurvenwillig, wirkt dabei aber nie nervös. Ein Fahrwerk zum Genießen! Einziger Kritikpunkt: Das Feedback könnte vorn und hinten etwas transparenter ausfallen. „Für die Pressefahrten haben wir die Federelemente gesoftet“, verrät Techniker Gerhard Thiede. „Das wirkt sich auch etwas auf die Rückmeldung aus. Die eigentliche Rennabstimmung bringt nur ein Top-Fahrer richtig zum Arbeiten.“

Und jetzt Feuer! Dem Gasgriff ist dagegen völlig egal, wer ihn bewegt. Stehen die Drosselklappen auf Durchzug, gibt’s kein Halten. Ab zirka 8500/min erwacht das Tier und feuert seine Leistung erbarmungslos ab. Der Antrieb geht dabei so gierig zur Sache und dreht so herrlich frei hoch, dass das Belohnungszentrum im Hirn Tango tanzt. Das wilde Geschrei aus dem Rennauspuff macht das Spektakel perfekt. Scharfen Sound liefert die Honda auch beim Bremsen. Bei geschlossenem Gasgriff brabbelt und spotzt sie frech aus dem Endtopf. Verursacht wird das Geräusch von einem speziellen Ventil im Drosselklappenkörper, welches das Bremsmoment des Motors reduziert.

Bei aller Vehemenz entfaltet die Blade ihre Power überaus gleichmäßig und hervorragend dosierbar. Auch die Gasannahme aus den Ecken heraus ist sehr geschmeidig. „Bei der Motorabstimmung haben wir uns viel Mühe gegeben“, erklärt Teambesitzer Jens Holzhauer. „Unsere Motoren haben jetzt gut 200 PS am Hinterrad, der Abstand zu den BMW ist kleiner geworden.“ Das verdankt das Team auch dem für 2012 geänderten Reglement. Danach dürfen die Nockenwellen und die Ventilfedern modifiziert werden, auch die Kühler müssen nicht mehr der Serie entsprechen.

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Foto: Gori

Trotzdem scheint gegen die BMW-Armada in der IDM derzeit kein Kraut gewachsen. Daher wünscht sich das Holzhauer-Team an den Rennwochenenden sehnlichst Regen. „Dann spielt unser Bike die Vorteile des Racing-ABS aus“, meint Techniker Thiede.

Bereits seit 2008 entwickelt Honda zusammen mit Holzhauer das renntaugliche ABS. Seit den letzten beiden Rennen 2009 ist es ständig im Einsatz, japanische Ingenieure arbeiten permanent daran. „Bei Nässe kannst du damit unglaublich späte Bremspunkte setzen“, freut sich Thiede. „Im Trockenen bringt es dagegen nichts, hat aber selbst für Profis auch keine Nachteile.“ Stimmt das? Schwer zu sagen. Nur aufwendige Tests mit unterschiedlichen Messungen schaffen absolute Klarheit. Die waren aber in der Kürze der Zeit nicht zu stemmen. Auf den Proberunden waren allerdings selbst bei härtestem Ankern keine Regelintervalle festzustellen.

Auch Muggeridges Priorität liegt woanders. Auf die Frage, was er an seinem Einsatzgerät am liebsten geändert hätte, antwortet der smarte Australier: „Eine gut funktionierende Wheelie-Control und eine sensibel regelnde Traktionskontrolle wären super. Wenn die anderen Jungs aus der Kurve heraus relaxt Vollgas geben, muss ich schwer schuften, um das Bike zu kontrollieren.“ Gegenwärtig fährt in der Spitzengruppe nur die Holzhauer-Blade ohne solche elektronischen Hilfen. Wie durchsickerte, ist ein Zubehör-System aber bereits in Vorbereitung. Dennoch wird es wohl schwierig, gegen die dominierenden BMW zu bestehen. Sind die Fireblades also endgültig abgehängt? Distanziert vielleicht, aber abgehängt? Von wegen!

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