Fahrbericht Honda CBF 125 Hochgefühle zum kleinen Preis

Elf PS und 127 Kilogramm. Dazu die Warnung bei der Präsentation der Honda CBF 125: "Bitte aufpassen, zwei Kollegen wurden mit 135 geblitzt." 135 km/h? Yes, you can!

Foto: Honda
Ducken, es geht bergab! Geschätzte zehn Prozent Gefälle. Die Tachonadel zittert, kämpft sich unendlich langsam über die 130er-Marke, nähert sich der 140er, bleibt dann bei rund 135 km/h stehen. Hondas neue CBF 125 liegt erstaunlich ruhig. Verflixt, die Abfahrt ist schon zu Ende. Und die folgende Gerade nimmt den Schwung. 104 km/h soll die Höchstgeschwindigkeit betragen. Kommt hin, denn mehr als 110 vermeldet der voreilende Tacho nun nicht mehr.

Doch stopp! Eigentlich geht's überhaupt nicht um Speed. Es geht um Hondas Frischzellenkur fürs Achtelliter-Segment. Da XR 125 sowie Shadow 125 aus dem Programm genommen worden sind, soll das 2100 Euro günstige Allroundbike CBF 125 die Lücke schließen. Preislich rund 900 Euro unterhalb der CBR 125 angesiedelt und nur 250 Euro teurer als die ANF 125 Innova, das Sparmobil, das zwar reife Herrschaften anspricht, von der Jugend jedoch weniger angenommen wird. Da stehen die Chancen für die CBF ungleich besser. Sie ist ein genügsamer Lastesel mit Charme und kann sich sehen lassen. Gegenüber der zierlichen CBR wirkt sie erwachsener. Der Lenker ist breiter, die Verkleidung opulenter, der Windschutz besser, der Sattel gefühlsmäßig etwas höher. Und der Motor wirkt kräftig. Kerniger sogar als sein wassergekühlter, stärkerer Bruder in der CBR. Kein Wunder: Der luftgekühlte CBF-Antrieb entwickelt zwar drei PS weniger, stemmt aber ein höheres Drehmoment, das zudem viel früher anliegt. Zum Bäumeausreißen reicht’s nicht, doch zügiges Vorankommen ist stets gesichert.
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Foto: Honda

Fahrkultur

Sehr sauber hängt der Viertakter am Gas und überrascht mit seiner Kraft im unteren und mittleren Drehzahlbereich. Die Maximalleistung liegt bei 8000/min an. Bei hohen Drehzahlen kribbelts ein wenig in den Fußrasten und am Tank. Ansonsten gibt sich die CBF äußerst kultiviert. Präzise und sicher rasten die Gänge, der Gasgriff lässt sich quasi widerstandslos drehen, und die Kupplung arbeitet so weich, als würden die Lamellen von drei Kugelschreiberfedern zusammengedrückt. Weder Zweiventil-Motor noch Chassis der CBF sind Neuentwicklungen. Bewährt hat sich die Maschine seit Langem in Indien, wo sie auch produziert wird. Mit dem frischen, ansprechenden Designkleid aufgewertet, Dreiwege-Kat und Einspritzung sowie großzügigem Cockpit und Gussfelgen bestückt, läuft sie dort weiterhin vom Band – sogar in diversen Ausstattungsvarianten. Beeindruckend.

Beeindruckend auch, dass man der Kleinen kaum was vorwerfen kann. Auf die Bremsen ist trotz Trommel hinten Verlass, die Federung arbeitet kommod, und das Einlenken erfolgt extrem leichtfüßig. Man hat insgesamt ein gutes Gefühl. Bei den Reifen zählen sowohl der indische TVS ATT als auch der neu entwickelte Conti Go! zur Erstausrüstung. Glaubt man den Werksangaben mit 2,2 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer, ließe sich die Strecke München–Köln locker mit einer Tankfüllung zurücklegen: Bei 13 Liter Fassungsvermögen ergibt das 590 Kilometer Reichweite. Einzig die Qualität von Schweißnähten und Lack darf nicht mit der Lupe untersucht werden. Diesbezüglich war das gefahrene Vorserienexemplar weniger preisverdächtig. Ab Januar 2009 soll die CBF in deutschen Schaufenstern stehen. Ein Drosselkit auf 80 km/h ist ab Werk nicht geplant, darum wird sich die Zulieferindustrie kümmern. Honda ist zuversichtlich und möchte europaweit 12000 Exemplare verkaufen. 2000 sollen es in Deutschland werden. Ob’s klappt? Yes, they can!
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