Fahrbericht: Honda CBR 250 R Der Wille zum Viertelliter

Der Wille des Viertelliter-Sportlers ist vorhanden: Die CBR 250 R versucht, kostenbewussten Bikern ohne Hubraumkomplex den günstigen Einstieg in die Welt der Sportbikes zu ermöglichen.

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Nur Geld, Macht und Hubraum bestimmen die Welt? Nicht doch, bei Honda erwacht die Welt der kleinen, leichten und günstigen Sportler erneut zum Leben. Eine Welt der Schönen für die Reichen? Eben nicht. Die noble Erscheinung und der standesgemäße Auftritt müssen im Falle der CBR 250 R nicht teuer erkauft werden: Mit 4490 Euro beweist Honda bei der Preisgestaltung die gebotene Bescheidenheit, die es der 250er ermöglicht, künftig nicht nur in noblen Villenvierteln, sondern auch in Arbeitersiedlungen zu parken. Doch was steckt unter der schicken Schale, die sich im Design irgendwo zwischen Fireblade und VFR 1200 einreiht? Ein neu entwickelter Vierventileinzylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen, in einem Brückenrahmen aus Stahl montiert. Elektronische Benzineinspritzung plus moderne Katalysatortechnik sind hierbei selbstverständlich, in Sachen Leistung legte Honda vor allem Wert auf gleichmäßige Leistungsentfaltung und günstigen Spritverbrauch, weniger auf absolute Spitzenleistung. Aus 250 cm³ ließen sich sicher mehr als die 26 PS der CBR herauskitzeln, doch will die Neue ja auch keine Duelle auf der Rennstrecke gewinnen, sondern ein harmonischer, verlässlicher Begleiter im Alltag sein.

Also auf, Knöpfchen drücken und der Sache auf den Grund gehen. Einen Einzylinder zu akzeptabler Laufruhe zu erziehen, ist keine leichte Aufgabe, doch im Falle der 250er durchaus geglückt. Dezent tönend und kaum spürbar pröttelt der Vierventiler vor sich hin, reagiert spontan auf Gasbefehle. Kupplung? Leichtgängig und gut dosierbar. Schaltung? Knackig, präzise. Unspektakulär, dennoch erfreulich zügig setzt sich die Honda in Bewegung, bereits mit 2000 Touren ist die CBR fahrbar, ab 5000/min kommt Leben in die Bude, doch leider lässt der Nobel-Hobel in keinem Drehzahlbereich so richtig die Sau raus. Zwar riegelt der Begrenzer erst knapp nach Erreichen des roten Bereichs ab, der bei 10500/min beginnt, doch bereits ab 9000 Touren macht der auch bei hohen Drehzahlen angenehm vibrationsarm laufende Eintopf klar, dass Ausdrehen wenig bringt.

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Die angegebenen 166 Kilogramm (vollgetankt) stellen in Sportler-Hinsicht keinen Rekordwert dar, auch die Sitzhaltung fällt eher bequem-entspannt als racetauglich aus, doch genau dies beabsichtigten die Japaner. Bei allem Komfort und alltagstauglicher Unterbringung steht sportlicher Fahrweise dennoch kaum etwas im Weg. Gut, die nicht einstellbaren Federelemente stellen einen eher soften Kompromiss dar, es fehlt die letzte Straffheit, doch lässt sich das stabile Stahlchassis weder durch Bodenwellen noch Teeraufwürfe aus der Ruhe bringen. Auch bei nahezu Top-Speed (Honda verspricht 140 km/h im Fahrzeugschein) liegt die CBR stoisch, läuft unbeirrt geradeaus. Sogar der Windschutz der schnittigen Verkleidung geht angesichts der erreichbaren Geschwindigkeiten durchaus in Ordnung.

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Je verwinkelter die Strecke, je enger die Kurven, desto mehr kann die CBR ihre Stärken, also geringes Gewicht und tolle Handlichkeit, ausspielen und ihr Leistungsmanko kaschieren. Präzise lässt sich die kleine Honda einlenken, klappt wie von selbst in Schräglage, stellt sich weder beim Bremsen noch auf Bodenwellen auf und macht vor allem hier so richtig Spaß. Sicher profitiert sie dabei auch von der Wahl der moderaten Reifendimensionen: Der 110er vorn und ein 140er hinten stellen einen glänzenden Kompromiss dar. Doch können sie auch genügend Bremskräfte übertragen? Schließlich packt die Honda-Kombibremse deftig zu - gut, dass sich ABS serienmäßig an Bord befindet. Beim Zug am Hebel beißen zwei Kolben des Dreikolbensattels vorn in die 296-Millimeter-Scheibe, beim Tritt aufs Bremspedal wird stets der dritte Kolben vorn zusammen mit der Hinterbremse aktiviert. Das ABS hat die Lage stets unter Kontrolle, es regelt feinfühlig, nur dezent spürbar, aber verlässlich an der Blockiergrenze entlang. Hier wurde nicht gespart, während man sich die restliche Ausstattung durchaus etwas opulenter, die Serienbereifung etwas hochwertiger wünschen würde - vor allem bei Nässe sind die IRC-Gummis nicht der Hit. Hebel, Cockpit, breite Spiegelausleger - wie alles an der 250er Honda-typisch funktionell und durchdacht, doch ohne Luxus oder gar den Hauch des Besonderen. Aber vielleicht macht gerade dieser Touch von Bescheidenheit zusammen mit dem stilvollen Auftritt die CBR 250 R so sympathisch: Glänzen (mit echten Qualitäten) ohne zu protzen.

 

Aufgefallen

Positiv

  • Laufkultur erfreulich vibrationsarm
  • Bremse mit prima Biss, tolles ABS
  • Ergonomie passt auch für Große


Negativ

  • Bereifung haftet vor allem bei Nässe mäßig
  • Drehfreude könnte noch besser sein

Technische Daten

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Motor:
Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, zwei obenliegende Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Einspritzung Ø 38 mm, Batterie 12 V, 6 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, Kette.
Bohrung x Hub 76 x 55 mm
Hubraum 249 cm³
Nennleistung 19 kW (26 PS) bei 8500/min
Max. Drehmoment 23 Nm bei 7000/min

Fahrwerk:
Brückenrahmen aus Stahl, Telegabel, Ø 37 mm, Zweiarmschwinge aus Stahl, Zentralfederbein, Scheibenbremse vorn, Ø 296 mm, Dreikolbensattel, Scheibenbremse hinten, Ø 220 mm, Einkolbensattel, Kombibremse mit ABS.
Leichtmetall-Gussräder 2.75 x 17; 4.00 x 17
Reifen 110/70-17; 140/70-17

Maße und Gewichte:
Radstand 1369 mm, Sitzhöhe 784 mm, Gewicht vollgetankt 166 kg, Tankinhalt 13 Liter.
Farben Schwarz, Weiß/Blau/Rot
Garantie zwei Jahre
Preis ohne Nebenkosten 4490 Euro

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