Fahrbericht: Husqvarna SMS 630 Baller Mann

Mehr Hubraum, mehr Leistung - mit der SMS 630 legt Husqvarna den dicken Supermoto-Single neu auf.

Foto: Gori
BMW Xmoto, Honda FMX 650, Suzuki DRZ 400 SM - sie alle weilen nicht mehr unter uns, bestätigen damit eine ernüchternde Erkenntnis: Supermoto-Singles liegen nicht unbedingt im Trend. Der Grund: Die direkte zweizylindrige Verwandtschaft gewinnt mit höherer Leistung, besserer Laufkultur und größerer Vielseitigkeit. Und doch: Geht es um ultimative Handlichkeit, um aufs Nötige reduzierte Technik und das damit verbundene hochkonzentrierte Fahrerlebnis, dann brilliert er immer noch, der hubraumstarke Supermoto-Single.

Genau diese Flamme will Husqvarna mit der SMS 630 weitertragen. Deren technische Basis bleibt freilich die im Jahr 2005 vorgestellte SM 610. Eine um zwei Millimeter vergrößerte Bohrung und vor allem ein Ventiltrieb mit zwei obenliegenden Nockenwellen peppen die Italienerin neben einigen anderen Modifikationen auf. Was durchaus wörtlich zu nehmen ist: Konnte bereits die 610er optisch überzeugen, wirken die neu gestylten Kunststoffteile der SMS noch harmonischer und sportlicher.

Apropos Sportlichkeit. Sportiv wie eh und je sitzt es sich auf der Husky. Schmales Polster, 91 Zentimeter Sitzhöhe - so müssen sich Supermoto-Racer hinter der Startampel fühlen. Ein Eindruck, der sich in den ersten Kurven bestätigt. Wie das sprichwörtliche Fahrrad lässt sich der Supermoto-Brenner durch die Kehren wedeln, animiert durch die aktive Sitzposition zur ständigen Gewichtsverlagerung. Das angegebene Trockengewicht von nur 151 Kilogramm - mit vollem Zwölf-Liter-Tank dürften es etwa 160 Kilogramm sein - fühlt sich kein Pfund schwerer an. Die exzellente Brembo-Bremsanlage mit riesiger 320er-Einzelscheibe im Vorderrad könnte jedenfalls mit deutlich mehr Ballast fertig werden.

Auf den der Motor aber gern verzichtet. Denn auch nach der Hubraumerhöhung auf 600 cm3 drückt der Einzylinder zwar kultiviert, gut beherrschbar, aber eben nicht mit der Vehemenz eines serienmäßig 65 PS starken KTM 690er-Aggregats voran. Zumal die theoretisch größere Drehfreude durch den neuen Dohc-Ventiltrieb wegen starker Vibrationen ab 7000/min meist ungenutzt bleibt. Dennoch ist der kräftigere Punch der SMS 630 im Vergleich zur SM 610 deutlich spürbar. Die erhöhte proklamierte Spitzenleistung von 57 PS reicht locker, um dort, wo man Supermoto-Bikes bewegt, nämlich auf verschlungenen Landsträßchen, vor allem eins bestätigt zu bekommen: Es gibt Gründe, weshalb Supermoto-Singles doch nicht ausgestorben sind.

 

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Was ist neu?

Motor

  • Hubraum auf 600 cm3 vergrößert (2009: 576 cm3)
  • Zylinderkopf mit zwei obenliegenden Nockenwellen (2009: ohc)
  • Spitzenleistung erhöht auf 57 PS (2009: 49 PS)
  • Wasserpumpe leistungsfähiger
  • Kupplungsbetätigung hydraulisch (2009: Seilzug)


Fahrwerk

  • Kunststoffteile neu gezeichnet und mit eingegossenem Dekor
  • Lenkwinkel ein Grad flacher
  • Konifizierter Lenker
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Foto: Gori

Technische Daten

Motor:
Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, zwei obenliegende, zahnrad-/kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile, Schlepphebel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, Ø 45 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine 340 W, Batterie 12 V/12 Ah, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub 100,0 x 76,4 mm
Hubraum 600 cm3
Verdichtungsverhältnis 12,4:1
Nennleistung 42,0 kW (57 PS) bei 7500/min
Max. Drehmoment k. A.

Fahrwerk:
Einschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel, Ø 45 mm, verstellbare Zugstufendämpfung, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Scheibenbremse vorn, Ø 320 mm, Vierkolben-Festsattel, Scheibenbremse hinten, Ø 220 mm, Einkolben-Schwimmsattel.
Speichenräder mit Alu-Felgen
3.50 x 17; 4.25 x 17
Reifen 120/70 ZR 17; 150/60 ZR 17

Maße und Gewichte:
Radstand 1495 mm, Lenkkopfwinkel 63 Grad, Nachlauf 83 mm, Federweg v/h 250/290 mm, Sitzhöhe 910 mm, Leergewicht 151 kg, Tankinhalt/Reserve 12,8/1,8 Liter.
Garantie zwei Jahre
Farben Weiß, Rot/Weiß/Schwarz
Preis 7799 Euro
Nebenkosten 200 Euro

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