Fahrbericht: Husqvarna TE 310, Modell 2009 Kleine Überraschung

Mit einer 310-cm³-Variante bietet Husqvarna eine Motoren-
Alternative in der 450er-Sportenduro-Klasse an. So viel vorab:
Die neue Kleine überrascht.

Downsizing, die Minimierung der Dimensionen bei gleichzeitig steigender Effizienz, ist derzeit in den Entwicklungsabteilungen der Automobilindustrie angesagt. Und offensichtlich nicht nur dort. Denn parallel zum für die Saison 2009 avisierten Revival der 400-cm³-Version in der Sportenduro-Modellpalette von KTM (MOTORRAD 16/ 2008) präsentiert nun auch Husqvarna für die bis 450 cm³ offene, sogenannte E2-Klasse ein hubraumreduziertes Modell: die TE 310. Technisch unterscheidet sich die neue Kleine nur durch eine vergrößerte Bohrung (83 statt 76 Millimeter) vom Schwestermodell TE 250. Der Sinn der Übung: Geringere oszillierende Massen gegenüber der 450er sollen neben der Laufruhe des Motors auch das Handling verbessern. Grundsätzlich ist dies kein neues Rezept. Allerdings erstaunen die Dimensionen der Charakteränderung im Fall der TE 310. Im Vergleich mit der TE 450 – die sich das Motorgehäuse, die Einspritzung von Mikuni sowie das Fahrwerk mit allen TE-Modellen teilt – erscheint die 310er um gefühlte zehn Kilogramm leichter, lässt sich deutlich müheloser in enge Kehren abwinkeln. Ein Übriges zum eindeutig flinkeren Handling tragen die geringeren Motorreaktionen bei. Vor allem Beschleunigungswellen bügelt die unter dem schwächeren Kettenzug der TE 310 freier agierende Federung fühlbar sensibler glatt als die Fullsize-450er. Eines der wichtigsten Kriterien einer Wettbewerbsenduro, den gut kontrollierbaren und doch kraftvollen Antritt aus dem Drehzahlkeller, beherrscht das 310er-Aggregat trotz des Hubraum-Mankos mit Bravour. Entschieden durchzugsstärker als die TE 250, baut der Kurzhuber gerade auf glitschigem und fahrtechnisch anspruchsvollem Terrain satten Grip auf, macht es dadurch kinderleicht, die geschätzt etwa 42 PS – Husqvarna verzichtet traditionell auf Leistungsangaben – einzusetzen.

Obendrein lässt sich die Kleine im Vergleich zu ihrer 450er-Schwester höher drehen und erspart ihrem Piloten die beim großen Motor deutlich spürbaren Vibrationen im oberen Drehzahlbereich. Zum Thema Drehzahlen: Während die wichtigsten Konkurrenten auf leichte Titan-Ventile setzen, rüstet Husqvarna bei den 2009er-Modellen auslassseitig auf Ventile aus Stahl zurück. Diese reagieren auf angesaugten Schmutz unempfindlicher als die weicheren Titan-Pendants. Der Drehfreude der 310er tun die schwereren Stahlteile keinen spürbaren Abbruch. Natürlich, die perfekte Lösung für alle hat Husqvarna mit dem 310er-Modell nicht gefunden. Versierte Piloten wissen in schwierigem Gelände den traktorähnlichen Grip der 450er bei niedrigsten Drehzahlen genauso zu schätzen wie die sechs bis acht zusätzlichen PS auf der Motocross-Piste. Doch auf Amateurebene stellt die TE 310 (Listenpreis inklusive Nebenkosten: 8899 Euro) in dieser Klasse aber eindeutig die handlichere, kultiviertere, konditionsschonendere und damit für die meisten Piloten bessere Sportenduro dar.

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