Fahrbericht Kawasaki 1400 GTR

Mit vielen Detailänderungen, einer Kombibremse und sogar einer Traktionskontrolle soll die 1400 GTR die Tourer-Fraktion überzeugen.

Foto: Kawasaki
Dass Tourenmaschinen nur gemütlich können, gilt bekanntlich schon lange nicht mehr. Große Tourer reißen mittlerweile nicht nur weite Distanzen im Eiltempo ab, sondern ziehen mit gut abgestimmten Fahrwerken auch auf Landstraßen oder Alpenpässen durchaus sportlich ihre Bahn. Unter diesem Aspekt passt die zur Saison 2007 vorgestellte Kawasaki 1400 GTR in die Zeit. Der Motor stammt aus dem 182 PS starken Speedbike ZZR 1400 - auch wenn er für die Touristenklasse auf 155 PS gezähmt wurde und eine aufwändige variable Ventilsteuerung mehr Druck im Drehzahlkeller brachte. Das Fahrwerk zeigt sich sportlich straff und mit großen Reserven abgestimmt, der Kardanantrieb dank komplexer Tetra-Lever-Schwinge von Reaktionskräften weitestgehend befreit. Dazu passend die Sitzposition: Der leicht nach vorn gebeugte Oberkörper und die relativ hohen Fußrasten sorgen für Lastenverteilung auf der Langstrecke und für eine aktive Fahrhaltung auf der Landstraße. Dieser durchaus gelungene Mix ändert sich auch an der neuen GTR nicht. Dafür jede Menge Details (siehe „Was ist neu"), interessante obendrein. Optisch fallen zuerst die deutlich vergrößerten Finnen in der Verkleidungsseite auf. Sie sollen die Motorwärme künftig besser abführen. Geräuscharm klickt der erste Gang ein. Abfahrt. Auch in Bewegung sind die voll-getankt rund 313 Kilogramm zu spüren. Die Touren-Kawa war auch subjektiv noch nie ein Leichtgewicht. Nach wie vor braucht die Lenkung auch mit den überarbeiteten Bridgestone BT 021-Reifen in engen Kehren einen - im Vergleich zum bisherigen Modell immerhin verringerten - Gegendruck.
Anzeige
Foto: Hersteller
Zwischen den kurzen trockenen Schaltvorgängen lässt sich nebenbei das Windschild elektrisch hoch fahren. Dessen größere Ausmaße (sieben Zentimeter höher) sind deutlich zu spüren. Fahrern bis 1,85 Meter bleibt der Kopf vollständig vom Orkan verschont, auch die Schultern liegen nun komplett im Windschatten. Gut so, zumal die verbesserte Hinterlüftung laute Turbulenzen auch bei höherem Tempo in erträglichen Grenzen hält. Ein Blick zurück in die im Vergleich zum Vorjahr zwar vier Zentimeter höher, aber dennoch relativ tief angebrachten Rückspiegel. Noch immer füllen die Koffer und die Fahrerhand etwa ein Viertel der Spiegelfläche aus. Damit kann man zwar leben, ideal ist es aber nicht.
Anzeige
Foto: Hersteller

Im Gegensatz zur neuen Kombibremse. Diese bei Tourern mittlerweile verbreitete Bremskonzeption vereinfacht das Leben nun auch auf der Kawa. So aktivieren sowohl der Handhebel als auch das Brems-pedal grundsätzlich beide Bremsen. Vor allem beim Tritt auf den Fußbremshebel ist die Unterstützung durch die Vorderradbremse deutlich spürbar. Ein klarer Sicherheits- und Komfortgewinn. Vom Lenker aus lassen sich zwei Modi mit unterschiedlicher Bremskraftverteilung wählen. Wobei auch weniger Geübte dank ABS getrost zur „schärferen" Variante mit mehr Bremskraft vorn greifen können. Weiteres Goodie: die neue Traktionskontrolle, die in Spritzufuhr, Zündzeitpunkt und Drosselklappenöffnung eingreift. Auf nassem Kopfsteinpflaster beispielsweise funktioniert die Schlupfregelung jedenfalls brillant. Statt mit harten Regelintervallen - wie etwa bei der Schlupfkontrolle von BMW - drosselt die Steuerung der GTR die Motorkraft nach einem kurzen anfänglichen Anreißen mit einer hochsensiblen Schubregelung, verhindert damit ein durchdrehendes Hinterrad.

Foto: Hersteller
Laut Kawasaki soll die Regelgeschwindigkeit ausreichen, um auch in der Beschleunigungsphase in Schräglage ungewollte Rutscher zu vermeiden. MOTORRAD wird es zu gegebener Zeit ausprobieren. Wie auch die Auswirkungen des ebenfalls vom Lenker aus wählbaren so genannten Eco-Modus. Subjektiv nimmt das Benzinspar-Mapping, das für zehn Prozent weniger Verbrauch sorgen soll, der GTR nämlich nichts von ihrer Spritzigkeit und Faszination.

Was übrigens für alle Modifikationen an der gelifteten GTR gilt. Plus:
  • Kombibremse arbeitet effektiv
  • Ausstattung umfangreich
  • Windschutz sehr gut
  • Motor drehfreudig und kultiviert

 

 

Minus:

  • Durchzug für die Hubraumklasse mäßig
  • Handling etwas träge
  • Sicht im Rückspiegel eingeschränkt

Technische Daten

Motor:
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei Ausgleichswellen, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, ø 40 mm, geregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem, Lichtmaschine 490 W, Batterie 12 V/14 Ah, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, Kardan, Sekundärübersetzung 2,036.
Bohrung x Hub84,0 x 61,0 mm
Hubraum 1352 cm3
Verdichtungsverhältnis 10,7:1
Nennleistung 114,0 kW (155 PS) bei 8800/min Max.
Drehmoment 136 Nm bei 6200/min

Fahrwerk:
Brückenrahmen aus Aluminium, Upside-down-Gabel, ø 43 mm, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Zweigelenk-Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, ø 310 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, ø 270 mm, Zweikolben-Festsattel, Verbundbremse, ABS, elektronische Schlupfkontrolle.
Alu-Gussräder 3.50 x 17; 6.00 x 17
Reifen 120/70 ZR 17; 190/50 ZR 17

Maße und Gewichte:
Radstand 1520 mm, Lenkkopfwinkel 63,9 Grad, Nachlauf 112 mm, Federweg v/h 113/136 mm, Sitzhöhe 815 mm, Leergewicht 304 kg, Tankinhalt 22,0 Liter.
Garantie zwei Jahre
Farben Grau/Schwarz, Braun/Schwarz
Preis k. A.
Foto: Hersteller

Was ist neu?

Motor:
Traktionskontrolle; Benzinspar-Modus


Fahrwerk:
Kombibremse; Windschild um sieben Zentimeter höher; Lüftungsschlitze im Cockpit-Bereich für verringerte Turbulenzen hinter dem Windschild; Heizgriffe serienmäßig; Verkleidung mit vergrößerten Luftauslassschlitzen; Rückspiegel vier Zentimeter höher angebracht; neu platziertes Ablagefach (links statt mittig); Haken für Tankrucksack-Befestigung; Anzeige der Außentemperatur; Auspuff um vier Zentimeter verkürzt; Vorderradreifen (Bridgestone BT 021, Sonderkennung „U“) mit dickerer Gummischicht und tieferer Profilierung; Zuladung von 200 auf 228 Kilogramm erhöht.

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote