Breiter Tank, kommoder Kommandostand dank schlanker Taille, spartanischer Soziusplatz - die neue Zett.

Sportliches Naked Bike von Kawasaki Fahrbericht: Kawasaki Z 750 R

Grün, was sonst? So gehört es sich für eine sportliche Kawasaki. Aber ob Grün oder Schwarz, ein Evergreen ist die Z 750 ohnehin. Und mit dem aktuellen Update in Form des aufgewerteten R-Modells läutet Kawasaki eine weitere Evolutionsstufe ein.

Foto: Kawasaki
Breiter Tank, kommoder Kommandostand dank schlanker Taille, spartanischer Soziusplatz - die neue Zett.
Breiter Tank, kommoder Kommandostand dank schlanker Taille, spartanischer Soziusplatz - die neue Zett.

Die Wurzeln der Kawasaki Z 750 reichen bis in die 1970er-Jahre zurück, der Dreiviertelliter-Vierzylinder trug damals selbstverständlich noch Kühlrippen und wurde durch Vergaser und zwei Ventile beatmet. Dieses luftgekühlte Triebwerk hatte seinen letzten Auftritt von 2001 bis 2003 in der ZR-7. 2004 betrat dann die erste moderne Z 750 die Bühne, angetrieben von einem wassergekühlten Vierventiler. 2007 wurde der Straßenkämpfer neu eingekleidet. Von 2004 bis heute fanden allein in Europa rund 125000 Exemplare ihre Fans, knapp 11200 davon in Deutschland.

Eine Erfolgsstory also, die Kawasaki gern fortsetzen möchte. So ist denn die Z 750 R keine Neuentwicklung, sondern eine Evolutionsstufe der bisherigen Maschine, die bis auf Weiteres als Einsteigermodell parallel im Programm bleibt. Neu und Alt zu identifizieren erinnert ein wenig an die Bilderrätsel aus der Hörzu: Finden Sie die zehn Unterschiede. Beginnen wir von vorn: Neu sind Kotflügel und die nunmehr radial angeschraubten Bremssättel, die von einer Radialpumpe betätigt werden. Der Unterkiefer der Darth-Vader-Lenkermaske ist deutlich ausgeprägter, die Instrumente dahinter zeigen Weiß auf Schwarz statt Schwarz auf Weiß die Drehzahl an. Gabel und Federbein wurden der Z 1000 Baujahr 2009 entnommen, ebenso die filigrane Alu-Schwinge, die das rustikale Vierkant-Stahlrohrwerk ersetzt.

Der unveränderte Motor hüllt sich nunmehr in Schwarz, und die Umlenkhebelei wurde für besseres Ansprechverhalten modifiziert. Zu guter Letzt schrumpften die Blinker und bekamen modisches Klarglas. Außerdem wurde noch die Serienbereifung verändert, nämlich Dunlop D 210 anstelle der Qualifier.

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Foto: Kawasaki

Hände und Füße finden auf Anhieb die ihnen zugedachten Gegenstücke. Die Sitzhöhe stieg um zwei auf 83,5 Zentimeter, die Sitzposition ist aktiv, aber nicht zu vorderradorientiert. Beim Kaltstart lässt sich der Vierer ein wenig bitten, bevor er dann mit diesem kawatypischen, leicht rotzigen Sound seine Arbeit aufnimmt. Auf den ersten Metern fährt die R etwas hölzern und kippelig. Aber das legt sich schnell, wenn etwas Temperatur in die Gummis kommt. Leichtfüßig und präzise folgt sie dann dem vorgegebenen Kurs und legt sich beschwingt von einer Schräglage in die andere. Was sich nicht legt, ist das Aufstellmoment beim Bremsen in Kurven. Und das, obwohl die Stopper der ABS-Version ziemlich zahm zur Sache gehen.

Ein zum Vergleich gefahrenes Exemplar ohne ABS zeigte sich in dieser Disziplin deutlich bissiger. Das ABS selbst regelt im Ernstfall feinfühlig und ohne großes Pulsieren im Handhebel. Motorisch gesehen, hat sich nichts geändert. Im untersten Drehzahlbereich gibt sich der Reihenvierer kultiviert, allerdings ziemlich kraftlos. Zum Cruisen sollte die Drehzahl 4000/min übertreffen. Der eigentliche Spaßbereich beginnt ab 6000 Umdrehungen, dann beißt der Vierzylinder richtig zu. Mit der Leistung kommen dann auch die typischen feinen Vierzylinder-Vibrationen, die sich vor allem in Fußrasten und Lenker bemerkbar machen. Der Klang wechselt von kehligem Brabbeln zu zornigem Gebrüll, dem bei rund 12500 Umdrehungen ein Drehzahlbegrenzer resolut Einhalt gebietet. Die sechs Zahnradpaarungen lassen sich exakt schalten, gebärden sich lediglich beim Runterschalten mitunter etwas knochig.

Das vorn wie hinten in Federvorspannung und Zugdämpfung einstellbare Fahrwerk wird durchaus sportlichen Ansprüchen gerecht. Federung und Dämpfung bieten mehr Reserven als bisher, ohne es am nötigen Komfort fehlen zu lassen. Da auch der Preis mit 8995 Euro im Rahmen bleibt, sollte einer Fortsetzung der Erfolgsgeschichte also nichts im Wege stehen.


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Foto: Kawasaki

Technische Daten

Motor:
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, Ø 32 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine 336 W, Batterie 12 V/8 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette, Sekundärübersetzung 43:15.
Bohrung x Hub 68,4 x 50,9 mm
Hubraum 748 cm³
Nennleistung 77,7 kW (106 PS) bei 10500/min
Max. Drehmoment 78 Nm bei 8300/min

Fahrwerk:
Brückenrahmen aus Stahl, Upsidedown-Gabel, Ø 41 mm, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 300 mm, Doppelkolben-Schwimmsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 250 mm, Einkolben-Schwimmsattel, ABS.
Alu-Gussräder 3.50 x 17; 5.50 x 17
Reifen 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17

Maße und Gewichte:

Radstand 1440 mm, Lenkkopfwinkel 65,5 Grad, Nachlauf 103 mm, Federweg v/h 120/134 mm, Sitzhöhe 835 mm, Tankinhalt 18,5 Liter.
Garantie zwei Jahre
Farben Grün, Schwarz
Preis 8995 Euro
Nebenkosten 180 Euro

Aufgefallen

Positiv

  • ABS Serienausstattung
  • Auspuffanlage aus Edelstahl
  • Ergonomie aktiv und langstreckentauglich
  • Ausstattung bis auf Hauptständer komplett


Negativ

  • Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage
  • Vibrationen ab 6000 Umdrehungen
  • Soziusplatz recht spartanisch

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