Fahrbericht: KTM 1190 RC8 R 2011 Ready to Race 2.0

KTM hat das Superbike 1190 RC8 R für 2011 überarbeitet. Stark modifiziert soll es auch im Alltag glänzen. MOTORRAD sagt Ihnen wo die Neuerungen liegen und was die neue RC8 R kann.

Foto: KTM

Ecken und Kanten hatte die KTM RC8 R bisher reichlich. Das galt nicht nur für das Design des Superbikes, sondern auch für den Motor. Was das Outfit angeht, sind beim Modelljahr 2011 die Ecken und Kanten geblieben, auch wenn die Österreicher Lackierung und Dekor veränderten und dem Scheinwerfer ein modisches LED-Standlicht spendierten. Doch die neue 1190 RC8 R ist nicht einfach nur ein aufgehübschtes Modell, unter der markanten Verkleidung tat sich Gravierendes.

Bevor wir uns aber in die technischen Details stürzen, machen wir einfach mal den Praxistest. Also Helm auf und raus auf die regennasse GP-Strecke von Valencia. Schon beim zaghaften Reinrollen in die erste, glitschige Linkskurve wird sofort klar: Die RC8 R hat sich charakterlich komplett gewendet. Dies betrifft vor allem ihr Herzstück, den kraftvollen V2, der sich vom hektisch aggressiven Power-Twin zu einem ausgesprochen kultivierten Zweizylinder-Triebwerk gewandelt hat.
Dies kommt auf der nur langsam abtrocknenden Strecke, wo eine lineare Leistungsentfaltung und vor allem ein weiches Ansprechverhalten zur Schonung des Nervenkostüms bitter nötig sind, besonders zum Tragen. Ab dem Scheitelpunkt lässt sich das Gas der KTM weich anlegen und beim Rausbeschleunigen fein dosierbar aufwickeln. Runde um Runde steigern sich Rhythmus und Vertrauen, macht der Tanz am Limit des Reifens mehr und mehr Spaß.

Woher kommt aber diese Charakterwende in Sachen Laufkultur? Zum einem zähmen ein verbesserter Massenausgleich durch eine neue Kurbelwelle und das um ein Kilogramm schwerere Schwungrad das Ansprechen des Motors auf Gasbefehle wirkungsvoll. Dann wäre da noch das Bindeglied zwischen Mechanik und Elektronik, der Drosselklappenkörper. Hier wurde die Bedienungsmechanik der zweiten, ECU-gesteuerten Drosselklappe verändert und auf ein sanfteres Ansprechverhalten hin optimiert. Selbstverständlich verbunden mit einem veränderten Mapping der Einspritzelektronik.

Eine ganz entscheidende Rolle spielt aber sicherlich die neue Doppelzündung. Die sorgt für eine effektivere und saubere Verbrennung. Dabei wird jede Zündkerze einzeln und abhängig von sehr vielen Parametern wie Drosselklappenstellung, Gangstufe, Drehzahl, Temperatur gezündet. Das macht jede einzelne Verbrennung weicher, was auch ein Grund für das verbesserte Ansprechverhalten ist. Ein Nebeneffekt ist laut KTM ein verminderter Spritverbrauch. Außerdem erlaubt die Doppelzündung Nockenprofile mit schärferen Steuerzeiten, was die Leistung steigert. Geschmeidiger wird nicht nur der Zweizylinder, auch das bisher permanent in der Kritik stehende Getriebe präsentiert sich wie ausgewechselt. Es agiert an den bei der Pressevorstellung gefahrenen Maschinen auf gutem japanischen Niveau, die Gangwechsel flutschen leicht und exakt.

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Foto: fotografiemitterbauer

Neben den umfangreichen Modifikationen am Motor beschäftigten sich die KTM-Techniker mit dem Fahrwerk des Superbikes. Im Fokus stand ein höherer Fahrkomfort auf Landstraßen und im Alltagsbetrieb, ohne Abstriche bei den Racing-Qualitäten machen zu müssen.

Dementsprechend wurde die Dämpfungsabstimmung geändert und hinten eine weichere Feder eingebaut. Kleine Maßnahmen mit spürbarer Wirkung. Mit der neuen RC8 R kann man nun sowohl lässig durch die Innenstadt zuckeln wie auch flüssig über die Landstraße brennen oder auf der Rennstrecke anreißen. Und das alles zu einem reduzierten Preis, 16295 Euro plus Nebenkosten ruft KTM für die beste jemals gebaute RC8 R auf.


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