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KTM 390 Duke im Fahrbericht Well Duke

Die Duke-Familie wird größer - zumindest was den Hubraum betrifft. Die neue KTM 390 Duke mit 44 PS bei 150 Kilo verspricht mordsmäßigen Fahrspaß.

Die Vorstellung allein ist schon unvernünftig. Fast pubertär unanständig wie ein aufgepumpter VW Käfer. Wenig Gewicht, kurze Abmessungen, ordentlich Druck: Mutti hätte so was früher verboten. Doch ein Blick auf die Eckdaten der neuen KTM 390 Duke reicht aus, und die schlummernden Frühlingsgefühle erwachen zum Leben, kennen kein Halten mehr. Das Einzige, was einem durch den Kopf schwirrt: Ich will rauf auf die kleine Duke! Sie zu einer gepflegten Landstraßenrunde ausführen und kennenlernen!

Wirklich klein ist die neue Duke allerdings nicht mehr. Die Österreicher packen tatsächlich einen neu konstruierten, 375 Kubikzentimeter großen Eintopf in das Chassis der seit 2011 erhältlichen 125 Duke, die es seit letztem Jahr ebenso als 200er am Markt gibt. Ein bisschen Wahnsinn darf man den Ingenieuren bei der erneuten Aufstockung an Hubraum und Leistung gewiss attestieren. Aber die KTM-Verantwortlichen werden schon wissen, was sie da tun. Das Motorrad ist ja bestimmt von Beginn an auf diese Mehrleistung ausgelegt worden. Oder etwa nicht?

Die KTM 390 Duke ist nicht auf den ersten Blick von ihren kleinen Schwestern zu unterscheiden. Wie auch? Die Abmessungen sind identisch. Da muss man schon genauer hinschauen. Größerer Motor, dickerer Krümmer, mächtiger Vorschalldämpfer und ein Schriftzug auf der Tankabdeckung geben dem kundigen Beobachter Aufschluss. Für alle Geräuschexperten gilt: warten, bis der Kolben nach etwas bemühtem Einsatz des Anlassers von selbst die Arbeit verrichtet und sich akustisch zur Geltung bringt. Dann bekommt man zwar keinen satten Vorschlagshammer-Werkbank-Sound auf die Ohren, doch fetter als das Säuseln der 125er oder der 200er stampft das 44 PS starke Triebwerk allemal.

Ja, richtig verstanden, im Vergleich zur 125er hat der Neuzugang in der Duke-Familie nicht nur einen um das Dreifache gestiegenen Hubraum, sondern schickt auch dreimal so viele Pferde in Richtung Kurbelwelle. Gleiches gilt für das Drehmoment von 35 Newtonmetern, das bei 7250 Umdrehungen anliegt. Bei diesen Daten fragt man sich zu Recht, wie der Stahl-Gitterrohrrahmen den gestärkten Antrieb in Schach halten soll, wie die Fahrwerksgeometrie das Leistungsplus verkraftet?

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Foto: Hersteller

Ergonomie und Ausstattung

Allein der Radstand von minimalistischen 1,37 Metern sowie die schmale Taille erinnern mehr an ein Fahrrad als an ein Krad. Wenn man mit diesem Motorrad auf engstem Raum wenden will, kann man einfach absteigen, kurz das Heck lupfen und die Kiste auf der Stelle drehen. Einsteigerfreundlichkeit par excellence! Diese ist nicht nur auf die Abmessungen und das niedrige Gewicht von 150 Kilogramm bei einem mit elf Litern Kraftstoff befüllten Tank beschränkt. In 80 Zentimetern Höhe finden sich nämlich auch kleine Fahrer problemlos und standsicher in der Steuerzentrale ein.

Wer als ausgewachsener Homo sapiens Sorge hat, dass man auf dem motorisierten Drahtesel wie auf einem Pocketbike hockt, der irrt - zumindest zum Teil. Denn was die Ergonomie betrifft, meckern selbst Personen mit 90 Kilogramm und 1,86 Metern nicht rum, fühlen sich auf der KTM gut aufgehoben. Aber dafür muss man solch eine grazile Erscheinung eben mögen. Anhänger imposanter Big Bikes schimpfen die Bonsai-Duke nicht unbegründet Kindermotorrad. Den Komfort eines Reisetourers darf man also nicht erwarten. Naked Bike bleibt eben doch Naked Bike.

Verblüfft ist man über die Fülle der Informationen, die das Cockpit der KTM 390 Duke liefert. Das ist in dieser Klasse wirklich einmalig. Neben zwei Tageskilometerzählern, Durchschnittsverbrauch (der nach 140 Kilometern laut Anzeige etwa 3,4 l/100 km betrug), Tankuhr und Ganganzeige hat die KTM 390 Duke sogar einen einstellbaren Schaltblitz. Auch die verbleibenden Kilometer bis zur nächstfälligen Inspektion werden dem Fahrer mitgeteilt. Das schicke LED-Rücklicht, die gut sichtbaren LED-Blinker und die einmaligen, beleuchteten Schalter komplettieren das Bild eines modernen Einsteigerbikes.

Die KTM Duke 390 wird gestartet, der Motor brabbelt los. Die Hand muss sich ganz schön strecken, um den etwas zu weit weg stehenden, nicht verstellbaren Kupplungshebel zu ziehen. Mit einem leichten Kick des Vorderfußes rastet der erste, später auch alle weiteren Gänge butterweich ein. Die Ausfahrt rund um Salzburg kann beginnen.

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Foto: Hersteller

Handling und Leistungsentfaltung

Sofort folgt die nächste Überraschung. Ermahnen die noch leicht feuchten Straßen zu behutsamer Fahrweise, gibt der Tourguide auf den kurvigen Singletracks ordentlich Zunder, hat offenbar Vertrauen in die Reifen. Beim ersten Zwischenstopp erfolgt die Aufklärung: Während 125er und 200er auf Sohlen des indischen Herstellers MRF stehen, die für ihren Nassgrip bisher nicht sonderlich bekannt sind, trägt die europäische Version der KTM 390 Duke den bewährten M5 Interact von Metzeler - und zwar serienmäßig, wie KTM bestätigt.

Ultrawendig klappt man die KTM 390 Duke von links nach rechts und wieder zurück. Kurve folgt auf Kurve. Die KTM 390 Duke, die wie ihre kleinen Schwestern bei Bajaj in Indien produziert wird, ist voll in ihrem Element. Zwischengeraden meistert sie dabei selbstbewusst. Knapp unterhalb von 3000 Touren legt das Triebwerk freudig los, verkündet gleich zu Beginn, dass es ihm nicht an Spritzigkeit mangelt. Bis 6000 steigt die Leistung gleichmäßig an, um bei 7000 Umdrehungen einen für diesen Hubraum beachtlichen Punch zu setzen.

Damit lässt sich die KTM 390 Duke so flott und ohne potenziellen Kontrollverlust aus der Schräglage herausbeschleunigen, dass man sich zunächst kein PS mehr wünscht. Bis 10500 Umdrehungen zieht der kleine Racker durch, dann setzt der Begrenzer dem regen Treiben ein Ende. Das breite nutzbare Drehzahlband macht den Eintopf verdammt alltagstauglich. Lediglich bei Geschwindigkeiten oberhalb von 130 km/h ebbt der Vortrieb langsam ab, und auch bei derben Steigungen wäre das ein oder andere PS mehr wünschenswert. Da es das aber nicht gibt, muss man stets mit Schwung ums Eck. Es gibt kaum einen Radius, den die Duke nicht nehmen kann, so leichtfüßig wuselt sie durchs Geläuf. Immer in die Lücke reinstechen, ist ihr Credo.

Die Dämpfung und das Chassis der KTM 390 Duke überzeugen auf ganzer Linie. Zu keinem Zeitpunkt geben die Upside-down-Gabel oder das Federbein (beides von WP) Anlass zur Kritik, sind gut ausbalanciert und sprechen sauber an. Das Fahrwerk entpuppt sich als Musterknabe. Die Mehrleistung verkraftet es ohne jegliche Auffälligkeit. Selbst schnelle Kurven über 120 km/h meistert die 390er mit stoischer Neutralität und Zielgenauigkeit. Da wildert man gern von Kehre zu Kehre, kann zumindest dort mit hubraumstärkeren Motorrädern mithalten.

Eine echte Ansage ist auch der Preis. Mit 4995 Euro ist die KTM 390 Duke inklusive ABS ein ernst zu nehmender Konkurrent auf der Bühne der günstigen Einsteigerbikes. Well done Duke, KTM.

Foto: Hersteller

Technische Daten

Motor
Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile, Schlepphebel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, Ø 46 mm, geregelter Katalysator, Batterie 12 V/8 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, X-Ring-Kette, Sekundärübersetzung 45:14.
Bohrung x Hub 89,0 x 60,0 mm
Hubraum 375 cm³
Verdichtungsverhältnis 12,9:1

Nennleistung 32,0 kW (44 PS) bei 9500/min
Max. Drehmoment 35 Nm bei 7250/min

Fahrwerk
Gitterrohrrahmen aus Stahl, Upside-down-Gabel, Ø 43 mm, Zweiarmschwinge aus Alumi-nium, Zentralfederbein, direkt angelenkt, verstellbare Federbasis, Scheibenbremse vorn, Ø 300 mm, Vierkolben-Festsattel, Scheibenbremse hinten, Ø 230 mm, Einkolben-Schwimmsattel, ABS.
Alu-Gussräder 3.00 x 17; 4.00 x 17
Reifen 110/70 ZR 17; 150/60 ZR 17
Bereifung im Test Metzeler Sportec M5 Interact

Maße + Gewicht
Radstand 1367 mm, Lenkkopfwinkel 65,0 Grad, Nachlauf 94 mm, Federweg v/h 150/150 mm, Sitzhöhe 800 mm, Trockengewicht 139 kg, Tankinhalt 11,0 Liter.
Garantie zwei Jahre
Farben Weiss/Schwarz/Orange
Preis 4995 Euro
Nebenkosten 200 Euro

Alle News, Tests und Foto-Shows zu den einzelnen Herstellern

Unterschiede zur KTM 125/200 Duke

  • neu konstruierter 375-cm³-Motor
  • Bosch-ABS (abschaltbar)
  • Federbein und Gabel (von Hersteller WP) überarbeitet
  • Reifen: Metzeler Sportec M5 Interact

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