Fahrbericht: KTM 990 SM T ABS KTMs Touring-Supermoto endlich mit ABS

Ready to race - im Selbstverständnis von KTM besaß Vernunft bisher nur eine untergeordnete Bedeutung. Das hat sich geändert. Die 990 SM T macht den Anfang - mit ABS als Serienausstattung und ohne Aufpreis.

Foto: Montero

Antiblockiersystem - noch kommt dieses Wort den Produktentwicklern von KTM etwas holprig über die Lippen. Nachvollziehbar, schließlich einten bislang ganz andere Maximen die Brüder im Sportsgeist: Schneller, stärker, leichter - dies ist der Esprit, dem KTM-Bikes verpflichtet waren. Ein ABS, das gestand man bislang gerade mal der Reiseenduro Adventure zu. Doch die Welt verändert sich. Mit der Honda Fireblade, BMW S 1000 RR und Kawasaki ZX-10R besitzt mittlerweile die Supersport-Elite rennstreckentaugliche Blockierverhinderer. Und zum meistverkauften Straßenmodell von KTM avancierte ausgerechnet das mit Abstand vernünftigste: die 990 SM T. T wie Touring. Eine kleine Halbverkleidung, ein größerer Tank, eine tiefer gezogene Sitzbank, gekappte Federwege und ein optionales Gepäcksystem reichten, um die genetische Basis, die 990er-Supermoto, zu domestizieren - und damit vor zwei Jahren das erste Kapitel besagter Erfolgsgeschichte zu schreiben.

Und weil ABS nun erstens in allerbesten Kreisen vorkommt, deshalb zweitens selbst von sportlich orientierten Fans eingefordert wird und drittens durch politischen Druck mittelfristig ohnehin zur Pflicht werden könnte, steckt der Blockadeschutz ab sofort auch in der KTM 990 SM T. Serienmäßig und zum Preis des 2010er-Modells.

Zumal sich die Entwickler - wenn schon, denn schon - technisch nicht lumpen ließen. Mit dem aktuellsten, erst vor wenigen Monaten auf den Markt gekommenen Druckmodulator von Bosch implantierten die Österreicher der 990 SM T das derzeit kleinste und leichteste ABS-System. Einschließlich aller notwendigen zusätzlichen Bremsleitungen wiegt die kaum faustgroße Regelung
gerade mal ein Kilogramm.

Zu merken ist von all dem zunächst gar nichts. Die noble radial angeschlagene Bremsarmatur von Brembo blieb genauso unverändert wie der insgesamt schnörkellose Auftritt der KTM SM T. Die sich auch - und Gott sei Dank - in der Touristenklasse ihren erfrischenden Charakter bewahrt hat.

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Foto: Montero

Der Enthusiasmus, mit dem der gut 120 PS starke V2-Motor hochdreht, die messerscharfe Präzision mit der sich das glänzend abgestimmte Fahrwerk in Kurven aller Art stürzt, die spielerisch leichten Bedienkräfte von Getriebe und Kupplung, das besitzt einen Erlebniswert, den in der Reisefraktion höchstens noch die Ducati Multistrada zu bieten hat. Zumal die KTM 990 SM T trotz dieser Ausrichtung ihren touristischen Anspruch nicht vergisst. Auch mit der neuerdings etwas strafferen Federung bleibt die Abstimmung ausreichend komfortabel, die Sitzhöhe mit 850 Millimetern auf klassenüblichem Niveau, der Windschutz akzeptabel und die Reichweite mit 19 Litern Tankinhalt tourentauglich.

Dass ein ABS an Bord ist, vergisst der solchermaßen euphorisierte KTM-Treiber schnell. Darf er auch. Denn mit einer - wie auch sonst - sportlich-aggressiven Grundabstimmung lässt sich der Blockierverhinderer nicht so schnell aus der Reserve locken. Selbst bei heftiger Verzögerung über starke Bodenwellen, eine kritische Situation, in der konservative ABS-Auslegungen oft allzu früh regeln, beißen die KTM-Stopper noch lange und scharf zu, sorgen damit für kurze Bremswege.

Die Kehrseite der Medaille: Bei Vollbremsungen hebt die KTM 990 SM T gegen Ende des Bremswegs schon mal nervös das Heck, tastet sich damit ganz offensichtlich hart an das Limit des Machbaren heran. Eine Grenze übrigens, von der selbst versierte Fahrer ohne ABS-Unterstützung meist weit entfernt bleiben werden. Übrigens der entscheidende Grund, weshalb das Antiblockiersystem auch die KTM SM T entscheidend aufwertet. Und die Sache mit der Aussprache wird sich auch noch legen.

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Was ist neu?

  • ABS serienmäßig (Mehrgewicht: ein Kilogramm)
  • Stoßdämpferfeder härter (bisherige Federrate: 14 kg/mm, 2011: 15 kg/mm)
  • Dämpfung an Gabel und Federbein straffer
  • Rahmenheck überarbeitet (vergrößertes Staufach unter der Sitzbank)
  • Warnblinkanlage

Technische Daten

Foto: Montero

Motor:
Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-75-Grad-V-Motor, je zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Trockensumpfschmierung, Einspritzung, Ø 48 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine 450 W, Batterie 12 V/11 Ah, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, X-Ring-Kette, Sekundärübersetzung 41:17.
Bohrung x Hub 101,0 x 62,4 mm
Hubraum: 1000 cm³
Nennleistung: 85,0 kW (116 PS) bei 9000/min
Max. Drehmoment: 97 Nm bei 7000/min

Fahrwerk:
Gitterrohrrahmen aus Stahl, Motor mittragend, Upside-down-Gabel, ø 48 mm, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein, direkt angelenkt, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 305 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 240 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, ABS.
Alu-Gussräder 3.50 x 17; 5.50 x 17
Reifen 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17

Maße und Gewichte:
Radstand 1505 mm, Lenkkopfwinkel 65,6 Grad, Nachlauf 109 mm, Federweg v/h 160/180 mm, Sitzhöhe 855 mm, Leergewicht 197 kg, Zuladung 185 kg, Tankinhalt/Reserve 19,0/3,7 Liter.
Garantie: zwei Jahre
Farben: Schwarz, Orange, Weiß
Preis: 12595 Euro
Nebenkosten: 200 Euro

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