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... leichtere Schwinge und Rahmenheck und kürzerer Endschalldämpfer.

KTM-Crosser 2016 im Fahrbericht Starke Leichtgewichte

Die 2016er KTM-Crosser sind völlig neu und drastisch leichter. Aber sind sie auch wirklich viel besser? Wir sind die SX-F 450, SX-F 350 und SX-F 250 für 2016 bereits gefahren.

KTM-Crosser sollen auch in puncto Gewicht ganz vorn sein, verlangte Boss Stefan Pierer. Bislang war das nicht der Fall, in erster Linie wegen des E-Starters, auf den die Mitbewerber (noch) verzichten. Der bleibt natürlich, trotzdem haben die Österreicher bei den drei Viertakt-Crossern des Modelljahres 2016 bis zu fünf Kilogramm wegrationalisiert.

Wie geht das? Nur mit radikalen Maßnahmen. Jedes einzelne Bauteil musste erst auf die Waage und dann zur Diät. Bei der 450er bringen allein drei wesentliche Teile über vier Kilogramm: Der in allen Abmessungen geschrumpfte Motor spart 1,8 kg, die WP-Luftgabel 1,4 kg und die Li-Ion-Batterie mit nur noch 2,2 Ah ein ganzes Kilogramm. Damit der Strom zum Starten sicher reicht, muss der Fahrer übrigens mittels Taste vorglühen, dies aber nur bei niedrigen Temperaturen.

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Jetzt mehr in statt auf der Sitzbank

Auf der italienischen GP-Piste von Maggiora konnte MOTORRAD-Tester und Multi-Champion Didi Lacher die neuen Maschinen erstmals ausprobieren. Schon bei der Sitzprobe stellt sich ein neues KTM-Feeling ein. Die Maschinen wirken weniger hoch und groß, stattdessen sitzt der Fahrer mehr in als auf einer schmaler konturierten Sitzbank. Zudem positionierte man den Lenker nun einen Zentimeter tiefer. Der ist nun in Gummi gelagert und filtert so die letzten Vibrationen des ohnehin sehr ruhig laufenden 450er-Motors raus.

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Foto: KTM
Alle drei der vorgestellten KTM-Viertakt-Modelle haben eine Diät hinter sich.
Alle drei der vorgestellten KTM-Viertakt-Modelle haben eine Diät hinter sich.

KTM 450 SX-F fährt 250er-Linien

So sanft das ohc-Aggregat läuft, so gewaltig schiebt es in jedem Drehzahlband. Satte 62 PS proklamiert KTM, das erscheint glaubhaft. Zwei Mappings stehen zur Wahl, das sanftere ist auf dieser harten Piste das bessere. Das nutzbare Drehzahlband ist gigantisch, hier geht alles in den Gängen drei und vier. Der große Viertakter besitzt sehr wenig Schleppmoment. Andererseits ist die Schwungmasse groß genug, dass der Motor unten satt und kraftvoll wirkt und selbst bei tiefsten Drehzahlen nicht zum Absterben neigt. 

Ein Novum für KTM/WP stellt die Luftgabel dar, die mit nur einer Kammer das Abstimmen unkompliziert macht. Sie spricht sauber an und arbeitet im mittleren Bereich ohne einen unangenehm harten Punkt. Wer partout keine Luftgabel mag, soll die Gabel mittels Zubehör-Kit auf eine Stahlfeder umrüsten können. Verblüffend ist das Handling des großen Viertakters, in Kehren kann man mühelos ganz enge 250er-Linien fahren. Überhaupt ist die einfache Kontrollierbarkeit frappierend. Nur darf man nie den brutalen Schub vergessen, der auf jeder Geraden ganz schön an der Kondition zehrt.

Foto: KTM
Das 350er-Triebwerk hat um 1,0 kg abgenommen.
Das 350er-Triebwerk hat um 1,0 kg abgenommen.

KTM 350 SX-F nun 4 Kilo leichter

Für das Zwittermodell 350 SX-F gilt prinzipiell das Gleiche, was die technischen Änderungen betrifft. Hier wurden rund vier Kilo eingespart, auch das ist auf der Strecke deutlich spürbar. Der enorme 13.400/min drehende, ebenfalls leicht geschrumpfte dohc-Motor soll in allen Bereichen ein wenig an Kraft zugelegt haben. Wichtiger ist wohl, dass auch er noch feiner und ruhiger als sein Vorgänger läuft. 

Foto: KTM
Die Drehfreude und das relativ hohe Schleppmoment sind geblieben, wobei man wegen des letzteren die vier Kilogramm Gewichtsersparnis nicht ganz so deutlich spürt.
Die Drehfreude und das relativ hohe Schleppmoment sind geblieben, wobei man wegen des letzteren die vier Kilogramm Gewichtsersparnis nicht ganz so deutlich spürt.

KTM SX-F 250 weniger straff abgestimmt

Größere Eingriffe gab es wiederum beim 250er-Aggregat. Dadurch erhielt es mehr Drehmoment im unteren und mittleren Bereich. Oben raus ging er ja bisher schon wie der Teufel, wirkt nun aber nicht mehr gar so spitz. Geblieben sind Drehfreude und ein relativ hohes Schleppmoment. Letzteres ist vielleicht auch der Grund, weshalb die Gewichtsreduktion trotz immerhin vier Kilogramm Differenz hier nicht ganz so stark auffällt. Das Fahrwerk erscheint etwas weniger straff abgestimmt als bei den beiden größeren Viertaktern und sehr schön ausbalanciert.  

Optisch erscheinen die neuen Modelle eher zurückhaltend. Wer den Werksmaschinen-Look möchte, wird sicher im reichhaltigen PowerParts-Katalog fündig. Sofern er noch das nötige Kleingeld hat, denn mit Lis­tenpreisen von 8.795 (SX-F 250) bis 9.395 (SX-F 450) Euro sind die Bikes finanziell gesehen wahrlich keine Leichtgewichte.

Foto: KTM
KTM 250 SX-F (links), 350 SX-F (Mitte) und 450 SX-F (rechts) in der 2016er-Variante.
KTM 250 SX-F (links), 350 SX-F (Mitte) und 450 SX-F (rechts) in der 2016er-Variante.

Das ist neu

Hier alles aufzulisten ergäbe eine lange Liste, denn prinzipiell sind alle drei Viertaktmodelle von oben bis unten in nahezu jedem Detail ­renoviert. Hier im Überblick die wichtigsten Änderungen (Gewichtsersparnis):

  • Motoren leichter und kompakter (250: 1,1 kg, 350: 1,0 kg, 450: 1,8 kg)
  • Pleuel kürzer für reduzierte Bauhöhe 
  • Drosselklappengehäuse neu
  • Kupplung verstärkt mit verringerten Bedienkräften
  • Li-Ion-Starterbatterie mit 2,2 Ah (1,0 kg)
  • Mapping nun gangspezifisch 
  • zwei Fahr-Mappings plus Startprogramm
  • Rahmen neu mit verringerter Biegesteifigkeit und erhöhter Torsionssteifigkeit (380 g)
  • Rahmenheck leichter
  • Schwinge leichter (250 g)
  • Sitzhöhe um 20 mm verringert
  • Lenker in Gummi gelagert und 10 mm tiefer
  • Bremsscheiben erleichtert (114 g)
  • WP-Gabel AER 48 mit Luftfederung (1,4 kg)
  • WP-Federbein mit verlängertem Hub und geänderter Hebelei
  • Auspuffkrümmer mit integrierter Resonanzkammer (nur SX-F 450)
  • Endschalldämpfer kürzer
  • Airbox neu mit steiferem Ansauggummi

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