Fahrbericht KTM Creme 21: 690 Enduro

Foto: Jahn
Wir schreiben das Jahr 1987. Mit der LC4 stellen die Österreicher eine kompromisslose Viertakt-Wettbewerbs-Enduro mit hauseigenem Einzylinder vor. Das Konzept wird trotz ruppigen Motors nicht nur in der Sportszene gefeiert, sondern vor allem auch von Freizeit-Enduristen begeistert aufgenommen und bildet schnell die Basis für Straßen-Enduros oder Supermoto-Bikes der ersten Stunde. Das Hard-Enduro-Konzept war geboren.

21 Jahre später schreibt die zum ersten Mal von Grund auf neu konstruierte Nachfahrin der Ur-LC4 diese Geschichte fort – die KTM 690 Enduro. Den Einzylinder kennt man bereits aus der im vergangenen Jahr vorgestellten 690 Supermoto. Benzineinspritzung, Sechsganggetriebe, Anti-Hopping-Kupplung und kompaktes Design, damit läutete der 654 cm große Single schon Anfang 2007 eine neue Ära im hubraumstarken Einzylinder-Segment ein, die sich beim Fahrwerk der Enduro fortsetzt.
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Im Gegensatz zur Supermoto-Version, deren Tank und Luftfilterkasten konventionell ausgelegt sind, residiert in der Enduro das Luftfiltergehäuse oberhalb des Zylinders zwischen den Flanken des Gitterrohrrahmens, während der Tank das selbsttragende Kunststoffelement des Rahmenhecks bildet. Die Gründe: Damit soll erstens der Großteil des zwölf Liter großen Benzinvorrats tiefer und nah am Schwerpunkt deponiert werden, und zweitens die Baubreite im Frontbereich möglichst schmal gehalten werden. Eine Lösung, die BMW bei den einzylindrigen G-Modellen übrigens auch anwendet.

Genug der Technik. Druck aufs Knöpfchen. Der Single bollert sofort los. Vergaser und Chokehebel – keiner wird euch je vermissen. Abfahrt. Unter 3000/min ruckelt der Motor noch unwirsch, um sich kurz darüber schnellstens zu rehabilitieren. Blitzartig dreht er hoch, weist das Image des trägen Viertakt-Einzylinders ein für allemal von sich, schnalzt locker bis in den Drehzahlbegrenzer bei 8600/min.
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On- und Offroad

Vibrationen? Durchaus akzeptabel, kein Vergleich mit dem Rappelkasten der vergangenen zwei Jahrzehnte. Auch nicht in Sachen Power. 63 PS (zum Vergleich: BMW G 650 Xchallenge und Husqvarna TE 610 je 53 PS, Yamaha XT 660 R 48 PS) sind ein Wort, schieben die KTM bis auf 175 km/h Topspeed. Und das auch noch ohne nennenswert zu pendeln. Beeindruckend. Erst im Kurvengeschlängel ruft sie sich als Enduro in Erinnerung, bleibt zwar außerordentlich handlich, nickt beim Bremsen aber weit in die 250 Millimeter Federweg der Gabel. Kennt man von Enduros nicht anders.

Ein Feldweg lockt. Staubtrocken, zum Glück. Mit der Enduro-3-Bereifung von Metzeler wäre im Feuchten kein Staat zu machen. Im Stehen passt die Ergonomie ebenfalls hervorragend. Der Geräuschpegel bleibt erfreulich niedrig, lässt nicht gleich die ganze Schrebergartenkolonie am Offroad-Ausflug akustisch teilhaben. In flüssigem Terrain fühlt sich die KTM in ihrem Element. Kinderleicht lässt sich der sanft einsetzende Motor dosieren, der Driftwinkel quasi über den Gasgriff justieren. Der Ursprung der Motor-Fahrwerks-Kombination aus dem Rallyesport ist deutlich zu spüren – auch bei Sprüngen bleibt die Österreicherin selbst mit vollem Tank in der Luft völlig neutral.
Erst in Trialartigen Passagen kommen die 149 Kilogramm (BMW G 650 Xchallenge 159 kg, Husqvarna TE 610 149 kg, Yamaha XT 660 R 189 kg) in Kombination mit dem im unteren Drehzahlbereich zaghaften Motor zum Tragen. Um das Vorderrad an Absätzen zu heben, braucht es öfters die Kupplung. Wer nicht aufpasst, würgt den mit wenig Schwungmasse ausgestatteten Single in solchen Situationen ab. Daran ändert auch das sogenannte Soft-Mapping, das über einen Drehregler unter der Sitzbank angewählt werden kann nichts. Zumal der Regler, den Single im Normalbetrieb über Gebühr zähmt.

Keine Frage, KTM hat der LC4 technisch definitiv den Sprung in die Neuzeit ermöglicht. Die neue 690 Enduro brilliert vor allem mit einer in den bisherigen LC4-Modellen trotz aller Modellpflege immer vermissten Kultiviertheit, hat in ihrer Universalität damit sogar deutlich gewonnen. Denn eins steht fest: Die Kombination der Fähigkeiten sowohl auf der Straße als auch im Gelände macht ihr derzeit keine andere Enduro nach.

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