Fahrbericht Leitner Dieselwiesel 406 Öl-Brenner

Erschrocken möchte man den Daumen gleich wieder vom Starterknopf ziehen, so faucht’s, wenn im Einzylinder Zahnräder ineinandergreifen. Dann die erste Zündung: wie ein Vorschlaghammer, der auf einen Amboss nagelt. Pang! Aber das trockene Bop-Bop-Bop, das als Ansauggeräusch links aus dem Blechdöschen mit dem Luftfilter hämmert, übertrifft alles: Es ist ein Diesel! Vor seiner Wiedergeburt als Ölbrenner war das Dieselwiesel eine stinknormale Suzuki Marauder 125.
Bernhard Leitner, 36, Motorradhändler, Tüftler und Kreidler-Fan aus Undorf bei Regensburg, setzt motormaladen Maraudern gesunde, neue Diesel-Herzen ein. Massive Einzylinder aus Japan, als Standmotoren zum Betrieb von Stromerzeugern konstruiert. Mit gewissem Erfolg: Aus der ersten geglückten Transplantation von Ende 2003 ist inzwischen eine kleine
Serienfertigung geworden. 34 Dieselwiesel hat Leitner bis heute gebaut, mit EU-Papieren zugelassen und verkauft. Von der Suzuki unverändert übernommen sind nur Teile des Fahrwerks wie Räder, Bremsen und Federbeine sowie die Armaturen. Den Rahmen und Tank lässt Leitner umschweißen, der Auspuff ist eine Spezialanfertigung von Sebring, Trockenkupplung und Getriebe sind seine Eigenkonstruktion.
Pang-pang-pang, mit leicht gedämpftem Lanz-Sound rollt der kleine Cruiser vom Hof. Sofort fällt auf, dass eines gar nicht passt: Zu den brutalen Explosionen erwartet man derbe Vibrationen. Tatsächlich ist nur ein mäßiges Zittern in den Lenkerenden und Fußrasten zu spüren. Gekuppelt und geschaltet wird ganz normal mit links. Das funktioniert weich und unauffällig, auch wenn der Schalthebel ein etwas diffuses Gefühl hinterlässt. Völlig ungewohnt ist dagegen das Gasgeben: Am Griff ist echte Feinarbeit gefragt. Nur wenn der Direkteinspritzer richtig schön am Gas hängt, reagiert er auf gefühlvolles Aufziehen mit sanfter, trotz des Gedengels irgendwie meditativer Beschleunigung. Wer zu viel Gas gibt, produziert nichts als eine schwarze Qualmwolke. Einmal den Bogen raus, lässt es sich mit dem Wiesel gemütlich über Land dieseln. Und zwar bis zu 800 Kilometer ohne Tanken. Denn der Verbrauch ist mit gut 1,5 Litern preisgünstigen Diesels auf 100 Kilometer genauso bescheiden wie die Leistung. schü

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