Fahrbericht: M-Tec BMW HP2 Megamoto Sport Boxer-Power und Mgamoto-Komfort

Ab Werk ist die Megamoto ein kreuzbequemer Weggefährte, die HP2 Sport ein hart durchtrainierter Sportsfreund. Was passiert, wenn man die Power des Sportboxers mit dem Komfort der Megamoto paart?

Foto: Gargolov

Runde eins beginnt mit einer handfesten Niederlage. Die Megamoto hat sich
mit sattem Boxer-Brummen durch den zähen Feierabendverkehr geschoben und steht vorn an der Ampel. Rot-Gelb, Gas auf, abgewürgt, es folgt das hämische Hupkonzert von hinten: Der Rocker da vorn hat's vergeigt! Dabei hat M-Tec-Boss Michael Mühlmann extra aufs umgekehrte Schaltschema hingewiesen: "Gell Buam, ihr wollt's doch in den Kurven richtig fliegen lassen." Dem Fliegen steht aber die jahrzehntelange Konditionierung als Otto Normalfahrer gegenüber: erster Gang unten, der Rest oben. Nicht bei dieser Megamoto. Beim Schalten ist also immer wieder trotz bequemer Kombination aus Schaltautomat und Anti-Hopping-Kupplung Konzentration angesagt. Allerdings nur da. Alles andere läuft beim M-Tec-Umbau wie allein von der Hand: Vor allem dank des exzellent abgestimm-
ten Boxers, der richtig gut im Futter steht und damit vor allem auf der Landstraße mächtig Laune macht.

Aus den ursprünglich 113 Serien-Pferden sind mit hausgemachten Nockenwellen und neuem Kolbensatz mit höherer Verdichtung nun 129 PS geworden. Entsprechend satt schlägt die Megamoto bei der Drehmomentausbeute zu. Das spürt man nicht nur mit jedem Dreh am Gasgriff, das bestätigt auch ein nüchterner Blick auf die Durchzugswerte. Dass der Boxer so direkt und gierig am Gas hängt, hat damit zu tun, dass ein fein abgestimmter Powercommander V ins Mapping eingreift. Was natürlich nicht den Segen deutscher Überwachungsorganisationen bekommt.

Während Mühlmann die Front der Megamoto bis auf kleine Kellermann-Blinker und kaum größere Gonia-Spiegel relativ nah an der Serie beließ, tobte er sich am Heck umso mehr aus. Wie ein verdammt knapp geschnittenes Minikleid spannt sich das original Karbonmonocoque der HP2 Sport über das Heck der Megamoto. Darunter räkeln sich schlanke Akrapovic-Töpfe. Und wenn schon edel, dann richtig: Der straff gepolsterte Einzelsitz ist mit weichem Alcantaraleder bezogen - und unterm Strich alles andere als unbequem.

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Foto: Gargolov

Ebenso satt liegt der breite LSL-Lenker in der Hand, mit dem sich der M-Tec-Boxer präzise durchs Kurvengeschlängel im Nordschwarzwald steuern lässt. Die auf den knapp fünf Kilogramm leichten Karbonrädern aufgezogenen Pirelli Rosso Corsa III-Reifen brauchen zwar Temperatur, bringen dann aber glasklare Rückmeldung. Dank des fein überarbeiteten Federbeins bügelt der Boxer selbst über üble Holperpisten stabil hinweg. Allenfalls in schnellen Wechselkurven spürt man eine gewisse Trägheit - aber schließlich sitzt man nicht auf einer federleichten Supermoto, sondern immer noch auf einem kernigen Boxer mit knapp 200 Kilogramm Gewicht und rund 1200 Kubik. Runde zwei geht also an die Megamoto. Und falls der Pilot beim nächsten Ampelstart die Ganganzeige im Blick hat, sollte es auch mit Runde drei klappen.

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Zeichnung: MOTORRAD

Technische Daten

Motor
Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor, je eine hochliegende, kettengetriebene Nockenwelle, vier Ventile pro Zylinder, Einspritzung, Ø 47 mm, geregelter Katalysator, hydraulisch betätigte Einscheiben-Trockenkupplung, Sechsganggetriebe, Kardan, Sekundärübersetzung 2,82.
Bohrung x Hub 101,0 x 73,0 mm
Hubraum 1170 cm³
Nennleistung 94,9 kW (129 PS) bei 7500/min
Max. Drehmoment 131 Nm bei 6100/min

Fahrwerk
Gitterrohrrahmen aus Stahl, Motor mittragend, Upside-down-Gabel, Ø 45 mm, verstellbare Zug- und Druckstufendämpfung, Zweigelenk-Einarmschwinge aus Aluminium, Federbein, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 320 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 265 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel. Reifen 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17

Maße+Gewichte
Radstand 1610 mm, Lenkkopfwinkel 61,4 Grad, Nachlauf 95 mm, Federweg v/h 160/160 mm, Sitzhöhe* 905 mm, Gewicht vollgetankt* 196 kg, Zuladung* 178 kg, Tankinhalt 13 Liter.

Messwerte
Höchstgeschwindigkeit 226 km/h

Beschleunigung
0-100 km/h 3,4 sek
0-200 km/h 11,0 sek

Durchzug
60-100 km/h 3,7 sek
100-140 km/h 3,7 sek

Umbauteile + Preise
Basisfahrzeug BMW HP2 Megamoto (ohne ABS): 17300 Euro
Umbaukosten: 18160 Euro

Foto: Gargolov

Umbaumaßnahmen (Auszug): Motortuning-Kit mit M-Tec-Nockenwellen, Kolben, Abstimmungsarbeiten und TÜV-Eintrag: 3000 Euro; Powercommander V: 369 Euro; Antihopping-Kupplung: 999 Euro; Schaltautomat: 199 Euro; Rahmenumbau mit TÜV-Eintrag: 780 Euro; Karbon-Heck HP2 Sport: 1999 Euro; Akrapovic/M-Tec High Up-Karbon-Auspuffsystem mit TÜV: 2999 Euro; Alcantara Sitzbank: 899 Euro; Bugspoiler HP2 Sport mit M-Tec-Haltesatz 2149 Euro; Federbein-Überarbeitung mit weicher Feder und neuem Shimspaket: 225 Euro; CNC Ventildeckel: 599 Euro; BST-Karbonräder 3.50 x 17; 6.0 x 17 mit TÜV-Eintrag: 3499 Euro; Kontakt: M-Tec, Tel. 08124/445966, www. m-tec.org

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