Fahrbericht Moto Guzzi 1200 Sport Es lebe die Sport

Seit Moto Guzzi unter den Fittichen von Aprilia und damit letztlich Piaggio steht, starten die Traditionalisten aus Mandello del Lario durch. Ihr jüngster Coup: die 1200 Sport.

Foto: Künstle
Nach dem Allrounder Breva, dem stylischen Naked Bike Griso und dem Tourenschiff Norge legt Guzzi unermüdlich nach und schickt nun die 1200 Sport an den Start. Und zwar im Wortsinn, denn in den Augen der Pressetextlyriker ist die 1200er ein ernst zu nehmendes Sportmotorrad, und konsequenterweise findet das erste Zusammentreffen auf einer kleinen Rennstrecke in der Nähe von Bergamo statt. Müssen jetzt etwa Fireblade- oder R6-Interessenten ihre Kaufabsichten überdenken?
Eher nicht, denn eine Guzzi ist in erster Linie eine Guzzi, das heißt ein Trumm von längs eingebautem, luftgekühltem V2-Motor, der sich weder von rigiden Lärmvorschriften noch G-Kat oder Euro-3-Norm einschüchtern ließ. Und bis heute blind zu identifizieren ist. Besonders das Sprotzeln im Schiebebetrieb ist ein Ohrenschmaus und macht das nervige Geklonke des Sechsganggetriebes, das sich leicht und exakt, wenngleich mit langen Wegen bedienen lässt, locker wett. Gleichmäßig und mit Macht bollert der V-Zweizylinder durchs Drehzahlband, die Explosivität eines Vierzylinders ist ihm
naturgemäß fremd. Ein Hubraumplus von 100 Kubikzentimetern gegenüber der Breva sorgt auf dem Papier für acht zusätzliche PS, 95 sollen es jetzt sein.
Das Drumherum der Sport ist eine Kreuzung aus Breva, die Fahrwerk samt Design spendierte, und Norge, die den
Motor lieferte. Alles mit dem Charme des Guzzi-typischen rustikalen Maschinenbaus, also nichts für Freunde des Filigranen. Besonders bei forciertem Betrieb auf dem Rundkurs ist eher der Maschinist denn der Steuermann im Fahrer gefordert, die vielen längs liegenden Wellen samt ihrer Trägheits- und Rückdrehmomente verlangen wohlüberlegten Einsatz des Schalthebels, soll die Fahrtrichtung nicht vom gewünschten Kurs abweichen. Fahrwerk und Bremsen erlauben durchaus flotte Runden.
Die Bodenfreiheit ist ordentlich, linksherum setzt spät der Seitenständer auf. Die beiden 320er-Wave-Bremsscheiben werden via Stahflexleitungen unter Druck gesetzt. Zwei Finger genügen, um auf Wunsch das Hinterrad abheben zu lassen. Die nicht einstellbare Gabel kommt bei derartigen Übungen an ihre Grenzen, während das hintere Federbein hart, aber herzlich den Kampf mit den Kardanmomenten ausficht. Wirklich schnell macht das alles nicht, aber saumäßig viel Spaß.
Die wahre Bestimmung der Sport liegt denn auch im Landstraßenbetrieb. Allein die Sitzposition ist durch den antriebsbedingt weit vorn liegenden Rohrlenker sehr gestreckt und auf Dauer unbequem. Die winzige Verkleidung müht sich um Windschutz, der Rest passt. Das Cockpit ist informativ, der Tacho mit der für Italiener typischen, groben 30er-Skalierung versehen. Brems- und Kupplungshebel sind einstellbar, dito Bremspedal und Schalthebel. Verarbeitung und Materialien vermitteln einen guten Eindruck. Wer neugierig auf Sportlichkeit à la Mandello del Lario geworden ist: Ab Ende Oktober steht die Guzzi in Rot oder Schwarz beim Händler.

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