Die neue Moto Guzzi Stelvio 1200 8V.

Fahrbericht Moto Guzzi Stelvio 1200 8V Die Straßenenduro von Moto Guzzi im Test

Satte 32 Liter Sprit passen in den neuen Tank der Moto Guzzi Stelvio. Das reicht für lang währenden Fahrspaß, denn die Modellpflege der Straßenenduro ist rundum gelungen.

Fotos: Moto Guzzi
Die neue Moto Guzzi Stelvio 1200 8V.
Die neue Moto Guzzi Stelvio 1200 8V.

Es geht doch nichts über die Praxis: Bei der Runderneuerung der Moto Guzzi Stelvio hatten die Testfahrer des Hauses das letzte Wort. Und das merkt man der mächtigen Straßenenduro an allen Ecken und Enden deutlich an. So leicht, so spielerisch, mit so viel Rückmeldung und so viel Druck in allen Lagen fuhr sich die erste Version des 1200er-Zweizylinders, die 2008 auf den Markt kam, nämlich nicht.

Einziges Zugeständnis ans Marketing ist der enorme 32-Liter-Tank, denn mit solchen Reserven kann die Konkurrenz von BMW bis Yamaha nicht dienen. Weshalb sich damit prima werben lässt, auch wenn auf den Landstraßen Europas, dem eigentlichen Terrain dieser Großenduro, ein solcher Dauerläufer mit 440 Kilometern Reichweite wohl kaum nötig ist. Das große Spritfass macht die Stelvio zwar noch schwerer - vollgetankt kommt sie auf über 280 Kilogramm -, doch davon ist im Fahrbetrieb nichts zu spüren. Auch optisch fällt der Tank nicht aus dem Rahmen, denn die neue Verkleidung mit verbessertem und verstellbarem Windschild integriert ihn recht unauffällig.

Bewahrt hat sich die Guzzi das freudige Beben, mit dem ihr Vierventil-Motor zum Leben erwacht und sonor aus dem Schalldämpfer schnaubt. Der satte Schlag des längs eingebauten 90-Grad-V2 ist bis in die Magengrube zu spüren und begleitet jeden Ausritt mit emotionalem Trommelwirbel. Der findet auch auf der Fahrbahn seine Entsprechung, denn zahlreiche Verbesserungen am 105 PS starken Motor sorgen nun für viel Druck über das gesamte Drehzahlband. Dazu gehören neue Ventile und Nockenwellen, ein größerer Ölkühler, eine veränderte Auspuffanlage sowie eine verbesserte Abstimmung, weshalb das bisherige lästige Leistungsloch bei 3500/min nun endgültig verschwunden scheint. Ab etwa 4500 Touren zieht die Stelvio noch mal richtig an. Selbst auf winkeligen Landstraßen lässt sie sich absolut schaltfaul fahren, der Fahrer darf sich getrost auf die Kurven konzentrieren.

Mit Änderungen am Fahrwerk halfen die Techniker dem Fahrverhalten auf die Sprünge. Die Stelvio steht jetzt auf Gussrädern, der Hinterreifen fällt schmaler aus, Gabel und Federbein bekamen neue Federn. Ausgeliefert wird sie auf Pirelli-Scorpion-Trail-Reifen, die offenbar gut harmonieren. Während der ausgedehnten Testfahrt in der Toskana meistert sie jedenfalls die ganze Bandbreite dieser einmaligen Hügellandschaft souverän, von steilen Spitzkehren über enge Waldsträßchen bis hin zur Hatz durch schnelle Wechselkurven. Untadelig wie schon bei der Vorgängerin präsentiert sich die Brembo-Bremsanlage mit abschaltbarem ABS. Nagelneu an der Stelvio ist die Traktionskontrolle, die sich ebenfalls deaktivieren lässt.

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Foto: Moto Guzzi

Die Version NTX bietet darüber hinaus noch Alu-Koffer, Handprotektoren, Sturzbügel, Alu-Motorschutz und zusätzliche Scheinwerfer und steht außerdem auf Speichenrädern. Das Zubehör erhöht ihr Gewicht im Vergleich zur Stelvio im Grunde nur um 15 Kilogramm, doch die ausladenden Koffer bremsen den Vorwärtsdrang ein wenig, zumindest in engen Kurven.

Insgesamt haben die Guzzi-Techniker und -Testfahrer bei der Überarbeitung prima gearbeitet und die Stelvio ihrem großen Vorbild aus dem Hause BMW deutlich angenähert. Man darf gespannt sein, ob aus dem Dauerläufer mit dem Riesentank nun vielleicht doch noch ein Dauerbrenner wird.

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Foto: Moto Guzzi

Technische Daten

Motor

Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor, je eine obenliegende Nockenwelle, vier Ventile pro Zylinder, Kipphebel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, Ø 50 mm, Einscheiben-Trockenkupplung, Lichtmaschine 550 W, Sechsganggetriebe, Kardan. Bohrung x Hub 95 x 81,2 mm, Hubraum 1151 cm³.
Nennleistung 77 kW (105 PS) bei 7250/min
Max. Drehmoment 113 Nm bei 5800/min

Fahrwerk

Brückenrahmen aus Stahl, Upside-down-Gabel, Ø 45 mm, verstell-bare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Zweigelenk-Einarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zug-stufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 320 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 282 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, ABS. Alu-Räder (Drahtspeichenräder) 2.50 x 19; 4.25 x 17, Reifen 110/80 R 19; 150/70 R 17.

Maße+Gewichte

Radstand 1535 mm, Lenkkopfwinkel 63 Grad, Nachlauf 125 mm, Federweg v/h 170/155 mm, Sitzhöhe 820-840 mm, Leergewicht 257 (272) kg, Tankinhalt/Reserve 32/7 Liter.
Garantie zwei Jahre.
Farben Weiß, Schwarz, Sienabraun (Schwarz).
Preis inkl. Nebenkosten 14090 (15990) Euro.

Aufgefallen:

Positiv:
Motor elastisch über das ganze Drehzahlband
Bremsen auf hohem Niveau
Traktionskontrolle serienmäßig

Negativ:
Gewicht recht hoch
Getriebe etwas knochig schaltend
Blinker nicht intuitiv zu erreichen

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