Penner-Kawasaki W 650 Big Bang im Fahrbericht Parallel-Twin mit Einzylinder-Charakter

Einen Twin zum Einzylinder umfunktionieren? Die Penner-Kawasaki W 650 Big Bang ist ein Parallel-Twin mit Einzylinder-Charakter. Wie sich das Teil fährt? Wir haben's ausprobiert.

Foto: jkuenstle.de

Der Name Ulf Penner (www.tuning-fibel.de) dürfte den Lesern nicht völlig unbekannt sein. Schon 2006 hatte MOTORRAD ihn porträtiert (Ausgabe 14/2006) und im Lauf der Zeit einige Maschinen unter die Lupe genommen, denen der Bremer Tuner auf die Sprünge geholfen hatte. Im Prinzip schreckt Ulf vor gar nichts zurück, schraubt an allem, was auf die Werkbank kommt. Und das mit ordentlichen Ergebnissen, davon konnten sich die Tester überzeugen.

Doch kürzlich brachte Kollege Rolf Henniges von einem Besuch in Bremen eine Maschine mit, die bei jedem Fahrer schon beim Anlassen, spätestens nach wenigen Metern Fragen aufwarf: Was soll jetzt das? Es handelte sich um eine äußerlich ziemlich unscheinbare Kawasaki W 650, die sich charakterlich wie soundmäßig aber grundlegend verändert hatte.

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Twin zum Einzylinder umfunktionieren?

Des Rätsels Lösung: Ein W 650/W 800-Sammler wollte seinen umfangreichen Fuhrpark um eine weitere, völlig abgedrehte Version ergänzen. Und zwar sollte der Twin zum Einzylinder umfunktioniert werden. Das klingt ziemlich stark nach Schnapsidee, lässt sich aber relativ einfach in die Tat umsetzen. Denn bekanntermaßen ist der W 650-Motor ein echter Parallel-Twin, bei dem die beiden Kolben gleichzeitig auf- und niedersausen. Gezündet wird ganz gleichmäßig wechselweise alle 360 Grad. Das entspricht der klassischen englischen Bauweise: Twins von Triumph oder Norton funktionierten früher genauso.

Nun müsste es doch ganz einfach zu bewerkstelligen sein, beide Zylinder gleichzeitig zünden zu lassen. Dann hätte man ­einen 720-Grad-Parallel-Twin mit Einzylinder-Charakter. Das geht natürlich nur mit Neuausrichtung der Steuerzeiten, indem die beiden Hälften der Nockenwelle um 180 Grad verdreht werden. Kurzerhand eine neue Nockenwelle anzufertigen war für Ulf Penner nicht mehr als eine Finger­übung. Und es funktioniert tatsächlich. Der ­Motor ballert wie ein Einzylinder, und er ­benimmt sich auch so. Er dreht zäh hoch, macht früher zu, wirkt insgesamt ziemlich phlegmatisch – fast wie ein antiker englischer Single. Aber er läuft ganz ordentlich rund, vibriert in durchaus erträglichen ­Maßen. Die Big Bang-Kawa verbindet erfolgreich die Nachteile des Einzylinders mit denen des Zweizylinders. Trotzdem ­eine lus­tige Idee.

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