Fahrbericht Piaggio MP3 125/250 Drei Räder sollt ihr sein

Erstmals in der jüngeren Geschichte versucht sich ein Groß-
serienhersteller von Zweirädern an einem Dreirad. Ein origineller Gag oder eine Idee mit praktischem Nutzwert?

Üblicherweise schließt der Mensch seine Dreiradphase im Kindergartenalter ab und ist fortan in der Lage, Einspurfahrzeuge zu bewegen. Einzelschicksale wie Gespann- und Trikefahrer dürfen als regelbestätigende Ausnahmen gelten.
Mit dem MP3 unternimmt Piaggio als erster Großserienhersteller den ernsthaften Versuch, die Wendigkeit eines Zweirads mit der Stabilität eines Threewheelers
zu verbinden. Vereinfacht funktioniert die
Sache so: Die beiden Vorderräder drehen sich an je einer geschobenen Kurzschwinge, die von vier Aluminiumlenkern parallelogrammartig und unabhängig voneinander geführt werden. Die gesamte Vorderachskonstruktion ist als Modul gehalten, das prinzipiell an jeden beliebigen Lenkkopf geschraubt werden kann. Von da an heckwärts handelt es sich um einen ganz normalen Roller. Trotz unauffälligen Designs fällt der MP3 sogar in Rom auf, wo der erste Fahrtermin stattfand. Die Reaktionen des Publikums reichen von anerkennendem Kopfnicken bis zu prustendem Gelächter. Weshalb ein gefestigter Charakter beim MP3-Fahren hilfreich ist.
Weil die beiden Vorderräder parallel
in Schräglage gehen können, würde der Dreirad-Roller im Stand wie jedes Zweirad einfach umkippen. Dennoch benötigt der MP3 beim Abstellen keinen Hauptständer, und der Fahrer kann beim Ampelstopp seine Füße auf den Trittbrettern lassen, ohne dass das Dreirad umfällt: Im Stand lässt sich die Konstruktion in jeder beliebigen Stellung per Knopfdruck blockieren. Ab fünf km/h wird die Blockade automatisch gelöst, und es kann in Schräglage gehen, bis zu 40 Grad sind maximal möglich. Als Alternative und für Wartungs- und Reparaturabeiten ist trotzdem ein Hauptständer serienmäßig vorhanden.
Im Fahrbetrieb merkt man außer einer gewissen Trägheit beim Einlenken nichts von der Dreiradkonstruktion, Ansprechverhalten, Federungskomfort und Lenkverhalten sind besser als bei den herkömmlichen Vorderradführungen der meisten Roller. Da der MP3 sogar schmaler baut als eine
Vespa GT, bereitet das Durchschlängeln zwischen den Autokolonnen kein Kopfzerbrechen. Rollsplitt, Ölspuren, Kanaldeckel und nasse Fahrbahnmarkierungen ebenfalls nicht. Wie auf Schienen bahnt sich der MP3 seinen Weg und zuckt allenfalls kurz mit dem Lenker, wenn beim Einspurfahrzeug schon höchste Sturzgefahr besteht. Dank dreier gebremster Räder lassen sich selbst auf schlechtem Untergrund sehr kurze Bremswege realisieren.
Drohendes Ungemach kündigt sich übrigens stets in Form rutschender Räder an; wer mit dem MP3 also stürzt, wird
den Vorwurf der groben Fahrlässigkeit nur schwer entkräften können. Womit auch die Zielgruppe definiert ist: Leute, denen ein Zweirad bislang zu unsicher erschien. Sie müssen sich noch bis Herbst gedulden.

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