Fahrbericht Quad KTM 450 XC gegen Enduro KTM 450 EXC-R Spuren-Suche

Bislang waren einspurige Offroad-Fahrzeuge die Domäne von KTM. Nun ziehen die Österreicher mit dem Quad zwei Rillen durch den Sand. Enduro und Quad – zwei unterschiedliche Konzepte.

Foto: Paulovits
Wie jede Firma auf Expansionskurs braucht KTM ständig neue Geschäftsfelder. Daher hatten die Österreicher vor ein paar Jahren mit Polaris angebandelt, die bei Quads und Schneemobilen dick im Geschäft sind. Eine Kooperation, die nur ein Jahr währte, aber sicher einiges Know-how nach Mattighofen gebracht hat, das in das neue KTM-Quad einfließen konnte.

Der Rahmen des Sport-Quads besteht wie bei der Enduro aus verschweißten, hochfesten Stahlrohren, das Rückgrat wiegt nur 14,5 Kilogramm. Überraschend, dass das Quad mit Öhlins-Federelementen statt mit hauseigenen WP-Teilen ausgestattet ist. Typisch für KTM ist bei beiden Fahrzeugen die direkte Anlenkung des progressiv arbeitenden Federbeins auf der Schwinge. Vorn gibt es naturgemäß große Unterschiede, bei der Enduro führt eine Upside-down-Gabel das Rad, während die Räder des Quad an je zwei Dreieckslenkern hängen. Nachlauf und Sturz sind einstellbar, außerdem lässt sich mittels verschieden langer Dreieckslenker die Spur je nach Einsatzbedingungen schmaler oder breiter machen. Hinten kann die Spurweite über Distanzbuchsen angepasst werden. Gebremst wird mit Magura-Zangen, vorn an jedem Rad eine, die starre Hinterachse zentral.


Während die Enduros für 2008 einen völlig neuen, kurzhubigen Motor bekamen, sorgt im Quad der 450er-Single aus der früheren EXC-Generation für Vortrieb. Allerdings mit Einspritzung und geändertem Gehäuse, um den speziellen Anforderungen Rechnung zu tragen. Der Ölvorrat wurde vergrößert, der Kickstarter fiel weg, und das Getriebe hat zwar immer noch sechs Gänge, nun aber aufgeteilt in fünf Vorwärtsgänge und einen Rückwärtsgang. In Leistung und Drehmoment unterscheiden sich die beiden Motoren nur marginal.

Sobald das Quad zum Leben erwacht, wird es zum Giftzwerg. Der Einzylinder schiebt gewaltig los, seine Leistungsentfaltung hat nichts mit der Sanftheit der aktuellen Enduro-Generation gemein, der Motor ist aggressiv wie bei einem Crosser. Wird der Gashebel bis zum Anschlag gedrückt, streben die Vorderräder gen Himmel, und im holprigen Gelände muss man sich richtig an den Lenker klammern. Während die Enduro sich leichtfüßig und ohne großen Krafteinsatz fährt, hat man auf dem Quad zunächst das Gefühl, auf einem recht schwerfälligen und holprigen Fahrzeug zu sitzen, da Bodenunebenheiten die Fuhre nach allen erdenklichen Seiten kippen. Beim Zweirad dagegen wird der Fahrer keiner Querbeschleunigung ausgesetzt. Das Lenken des Quads erfordert viel mehr Kraft, und in den Kurven muss kräftig mit dem Körpergewicht gearbeitet werden, sonst kippt die Fuhre einfach um.


Der Griff zur Bremse, und schon kommt das nächste Aha-Erlebnis: Brutal beißt die feine Magura-Anlage zu, es braucht wirklich nur einen Finger am Hebel. Ganz einfach ist das Verzögern im Gelände dennoch nicht: Auf Bodenwellen in der Bremszone schlägt es einem leicht den Lenker aus der Hand, und feinfühliges Bremsen wird zur echten Kunst. Da nützt es auch nichts, dass das KTM-Quad sehr wendig ist, denn den richtigen Einlenkpunkt zu treffen wird zur Glücksache. Mit etwas weniger Druckstufe an den vorderen Öhlins-Dämpfern wurde es besser. Richtig abgestimmt, lassen sich mit dem Quad erstaunlich schnelle Rundenzeiten erzielen. Vor allem im weichen, zerfurchten Gelände und in engen Kehren ist es dem Motorrad überlegen.


Der deutsche KTM-Importeur hat das Sport-Quad zurzeit noch nicht im offiziellen Programm, auf Wunsch sind die ATVs 450 oder 525 XC jedoch bereits erhältlich. Allerdings als reines Sportgerät, eine Straßenzulassung ist nur per Einzel-abnahme über Händler möglich.

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote