Fahrbericht Sachs Roadster 800 In aller Ruhe

Bereits 1998 als neue Produktlinie vorgestellt, rollt der 800er Sachs Roadster ab Herbst vom Band. Erster Ausritt auf dem 58 PS starken V2.

Roadster. Ein Begriff, der für laue Lüftchen im offenen Cabrio steht. Tabakspfeife, Ledermütze, Seidenschal. Und die Sachs Roadster 800? Seidenschal okay, aus der Ledermütze wird ein luftiger Jethelm und die Tabakspfeife bleibt daheim. Bummeln im Cruiser-Tempo, blubbernder Sound aus dem Maschinenraum, lässiges Surfen am Rohrlenker, immer hart am Wind. Freizeitspaß ohne Leistungsdruck, Tempo und Kurvenlage nach Gusto. Für die Macher der Roadster 800 steht die Ablösung der Cruiser- und Chopperwelle kurz bevor. Sachs-Konstrukteur Hartmut Huhn und die Design-Künstler der Target-Gruppe zielen mit ihm messerscharf aufs Hochlenker-Publikum. Nur: Ihre Roadster-Philosophie verbindet Lässigkeit und Ruhe mit tadelloser Funktion in Sachen Ergonomie und Fahrdynamik. Ohne Rückgratverkrümmung und frei von lästigem Kurvenkampf, vermittelt die neue Sachs das pure Fahrvergnügen.
Aufgesattelt in gerade mal 770 Millimeter Höhe, das solide geschwungene Lenkeisen passend zur Hand, schmuggelt sich die 800er auch für weniger Geübte sicher durch die innerstädtische Rushhour.
Erstmals in Suzukis Allrounder VX 800 präsentiert, zeigt sich der V2 in der Sachs Roadster erstaunlich agil und wendig. Tadellos das Fünfgang-Getriebe mit angeflanschter Kardanwelle, die selbst bei provozierten Lastwechseln keinerlei Fahrwerksunruhen einleitet. Überraschend dabei, dass trotz der hohen ungefederten Massen des Kardanantriebs das Ansprechverhalten der Federung kaum Wünsche offen läßt. Mit cremiger Dämpfung und reichlich Federwegreserven, hält das Paioli-Dämpferpärchen das Hinterrad im Zaum. Lediglich beim harten Beschleunigen auf zerfurchter Bahn oder gefühllosem Tritt aufs Bremspedal, trampelt die Hinterhand trotzig vor sich hin. Apropos: Ins Hinterrad speichten die Nürnberger eine klassische Trommelbremse ein, die ihrer Aufgabe als Verzögerungshilfe locker gerecht wird.

Für stolze 15 490 Mark kommen Cruiser-Fans in den Genuß unbeschwerter Kurvenfreude. Mit einer auf Handlichkeit getrimmten Lenkgeometrie und auf tourensportlichen Pirelli MTR 23/24 unterwegs, schwingt die Sachs elegant und zielsicher durch die Landschaft, kurbelt auf kürzestem Weg und ohne nerviges Gezappel um engste Haarnadelwindungen, zappt von einer Schräglage in die andere. Ein Vergleich zur ehrwürdigen Suzuki VX 800 sei erlaubt: Die wirkt in Sachen Handling und Kurvenfreude eher wie ein frisch befüllter Betonmischer.
Und Cruiser-Fahrer aufgepasst: Bremsen, so groß wie Suppenteller, halten die Roadster wie festgenagelt auf dem Asphalt. Lassen sich dabei ausreichend exakt und mit ordentlicher Rückmeldung dosieren.
Nominell 58 PS stark, haut der modifizierte Suzuki-Antrieb zwar niemand aus den Latschen, bringt aber genügend Durchzugskraft mit, um zügig durch die Landschaft zu segeln und wie ander Schnur gezogen mit über 170 km/h über die Bahn zu fliegen. Für eilige Zeitgenossen schraubt der freundliche Sachs-Händler auch noch eine kleine Windschutzscheibe vors Cockpit. Verlangt dafür aber rund 300 Mark als Aufpreis. Reisende werden sich auch über das hauseigene Gepäcksystem als Sonderzubehör freuen.
Das schöne am flotten Cruisen mit der Roadster: Der spontane Antritt aufs Gaskommando, der zügiges Überholen und flüssiges Kurven maßgeblich erleichtert.
Motorvibrationen: ja, aber ohne nerviges Gezirpe. Lastwechselrucken: kaum spürbar. Mechanische Geräusche: eher Mäuschenstill.
Und die Optik? Stammt wie schon erwähnt von der Target-Truppe, die unter anderem durch das Outfit der Suzuki Katana-Baureihe in den 80er Jahren zur Berühmtheit gelangte. Am neuen 800er Roadster wurde weniger gewagt, finden Linien ohne Umschweife ihre Fortsetzung, schwingen sich Bögen und Farben zielsicher durchs ganze Motorrad. Unscheinbar integriert, verschwindet der Wasserkühler hinter schmalen Blenden, dominant degegen, von braunem Kunstleder umspannt und unmissverständlich ausgeformt: der Sattel.
Poliertes Aluminium am schwarzen Motor verdankt Sachs dem Umstand, dass Suzuki ihrem V2 das cruisen lehrte. Passt zwar nicht ganz zur Idee der puristischen Fahrmaschine, sprengt aber auch keine Löcher ins Konzept.
Gut zu wissen dagegen, dass dieses Konzept nicht nur als Design-Studie für frischen Wind sorgt, sondern auch auf der Straße eine breites Publikum begeistern kann. Staunende Passanten an der Tankstelle, ungläubige Blicke beim Ampelstopp. Näheres zum Thema Roadster 800 gibts im Herbst, wenn die ersten Serienmaschinen in Nürnberg das Band verlassen.

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