Fahrbericht Speed-Tec Suzuki GSX-R 1000 Naked Suzuki Supersportler als Naked-Bike Umbau

Alle großen Hersteller haben nackte Ableger ihrer Superbikes im Programm. Nur Suzuki schmäht diese Spezies seit Jahren. Der Mannheimer Händler Speed-Tec zeigt mit seinem Umbaukit, wie gut eine nackte GSX-R 1000 aussehen und fahren kann.

Foto: jkuenstle.de

Nackt und stark sind sie. Verkörpern den zivilen Ungehorsam wie kein Zweiter. Yamaha hat sie, Honda und Kawasaki haben sie, und auch die europäischen Hersteller lassen es anständig krachen. Die Rede ist von unanständigen Naked Bikes, angefeuert durch die Motoren der 1000er-Leistungs-elite. Schaut man in das Suzuki-Modellportfolio der letzten zehn Jahre, so sucht man vergeblich nach einer GSR 1000. Da gibt es zwar die von der Hayabusa abgeleitete B-King, eine GSR 750 und bis letztes Jahr die kleine Variante mit 600 cm³, aber diese Maschinen verkörpern einfach nicht dieselbe Gattung. Fragt man Kollegen in der Redaktion nach möglichen Erklärungen, so werden große Fragezeichen in Richtung Hamamatsu gesendet. Die Sache wäre so einfach, erntet Suzuki doch stetig Lob für den von unten bärig anschiebenden Motor in der GSX-R 1000. Im Landstraßenbetrieb ist der die reinste Freude. Grund genug für den Händler Speed-Tec, die Sache selbst anzugehen und mit vergleichsweise wenig Aufwand kurzerhand den PS-Protz unter den Mitbewerbern zu stellen. Eines sei vorab verraten: Die gemessenen 170 PS in der Spitze sind zwar ein Stück weg von der Nennleistung, haben es aber verdammt noch mal in sich, jubeln das Vorderrad beim kräftigen Zug am Kabel unbarmherzig gen Himmel - und das immer und immer wieder. Da bleibt kein Auge trocken. Versprochen. Basis des Motorrads ist das zunächst von Frontverkleidung und Scheinwerfer befreite 2011er-Modell mit der internen Bezeichnung K9 L1.

Die Kühlerverkleidungen und der Bugspoiler wurden eigens im Auftrag von Speed-Tec entwickelt und passen mit dazugehörigen Halterungen und Distanzstücken an die vorhandenen Befestigungsschrauben. Das Gesicht spendet die Lampenmaske der GSR 750 aus dem Suzuki-Teilekatalog. Motor, Fahrwerk und Fußrastenanlage (bis auf die schwarze Beschichtung) blieben unverändert. Doch so viel Serie auch zu sehen ist, der erste Kontakt macht unmissverständlich klar, dass man es hier mit einem kleinen Biest zu tun hat. Der SBK-Lenker mit neuer Brücke baut breit und hoch und steigert die Vorfreude auf Wechselkurven. Die Tachoeinheit der GSX-R fügt sich prima ins Bild ein, versteckt geschickt den Kabelbaum. Alles wirkt sehr aufgeräumt und versammelt. Ob es auch so vernünftig fährt? Aufsitzen und los! Die Beine müssen, wie nicht anders zu erwarten, sportlertypisch stark angewinkelt werden, trotz der auf niedrigster Stufe montierten Rasten. Der Lenker, der mit feinen, einstellbaren Armaturen aus dem Zubehör gespickt ist, fordert dagegen eine aufrechte Haltung des Oberkörpers, was mit den sportlich gefalteten Beinen eine eigenwillige Mischung ergibt. So sitzt man mehr auf dem Motorrad, als mit ihm eine Einheit zu bilden. Das ist vielleicht Geschmackssache, in jedem Fall erfordert die Ergonomie aber eine Eingewöhnungszeit.

Ebenfalls ungewöhnlich: Der Kupplungshebel von ABM lässt sich nicht ganz bis zum Lenker ziehen, da er vorher am Gehäuse des Blinkerschalters aneckt. Der breite Tank - in den Vergleichstests der Superbikes häufig gescholten - passt zu diesem Konzept hingegen vorzüglich, suggeriert dem Fahrer stilecht, dass es unterhalb des Tanks kräftig brodelt. Dann also Feuer frei! Das famose Triebwerk schickt seine Lebensäußerungen über eine Vier-in-zwei-Anlage von BOS ins Freie. Herrlich grummelnd untermalt es die Turbinenakustik des Motors, ohne unanständig zu rotzeln. Ortsdurchfahrten können problemlos im sechsten Gang erledigt werden, um die Nerven der Anwohner zu schonen. Das passt schon mal, ebenso wie das sonnige Wetter im Odenwald. Ortsausgang, zweiter Gang, die Drosselklappen werden auf Durchzug gestellt: Phänomenal, wie das Motorrad nach vorne katapultiert wird. Ein Ausdrehen ist schier unmöglich, zumindest wenn man nicht nur auf dem Hinterrad unterwegs sein möchte. Durch die Sitz- und Lenkerposition fehlt es an Gewicht auf dem Vorderrad, das es beim herzhaften Beschleunigen kaum auf dem Boden hält. So recht passt es daher nicht, dass auf den Lenkungsdämpfer aus Platzgründen verzichtet wurde. Im Extremfall kann diese Kombination zu fiesem Lenkerschlagen führen.

Apropos Lenker: Selbst die wildesten Kurvenkombinationen können zielsicher und präzise mit geringem Kraftaufwand gemeistert werden. Spaßfaktor garantiert. Das Fahrwerk ist dabei nicht überfordert, nur holprige Pisten sollten aufgrund der supersportlichen Gene mit ein wenig Achtsamkeit gefahren werden. Im Rahmen des Umbaus hätte Speed-Tec der GSX-R vielleicht noch ein paar bissigere Bremsbeläge spendieren können, denn zu den kernigsten Stoppern zählte die Serienanlage nie. Trotz aller Kompromisse, die der Umbau eines Supersportlers zum Naked Bike erfordert, ist die nackte Speed-Tec gelungen und der Umbaukit professionell und sauber ausgeführt. Damit können sich nun auch Suzuki-Fans im zivilen Ungehorsam üben.

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Foto: jkuenstle.de

Technische Daten

Motor
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei obenliegende Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Einspritzung, Ø 44 mm, Ölbadkupplung (Anti-Hopping), Sechsganggetriebe, (17/42 Z.).
Bohrung x Hub 74,5 x 57,3 mm
Hubraum 999 cm³
Verdichtungsverhältnis 12,8:1
Nennleistung 136,0 kW (185 PS) bei 12 000/min
Max. Drehmoment 117 Nm bei 10 000/min

Fahrwerk
Brückenrahmen aus Aluminium, Upside-down-Gabel, Ø 43 mm, Zweiarmschwinge mit Oberzügen aus Aluminium, Zentralfederbein Doppelscheibenbremse vorn, Ø 310 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 220 mm, Einkolben-Schwimmsattel.
Reifen 120/70 ZR 17; 190/50 ZR 17
Bereifung im Test Bridgestone BT 016 „N“

Maße + Gewichte
Radstand 1405 mm, Federweg v/h 125/130 mm, Gewicht vollgetankt* 205 kg, Zuladung* 182 kg, Tankinhalt 17,5 Liter.
Preis Testmotorrad 16 590 Euro

Umbau-Infos
Umbaukit (Kühlerverkleidung links und rechts, Bugspoiler, unlackiert) inkl. Gutachten 599 Euro, Lampenmaske Suzuki GSR 750 420 Euro, SBK-Lenker von ABM „Booster“ inkl. Brücke 650 Euro, BOS-Endschalldämpferanlage 799 Euro, Gabelbrücke 59 Euro, Komplettumbau wie Testmotorrad 5000 Euro

Weitere Infos:
Speed-Tec GmbH, Gutenbergstraße 27a, 68167 Mannheim, Telefon 0621/ 3289950, www.speed-tec.com

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