Fahrbericht Speer-Suzuki GSX-R 750 Eins zu Eins

Foto: Jahn
Nur 156 Kilogramm leicht, aber 156 PS stark: Werte, mit denen der Reutlinger Suzuki-Guru Herbert Speer den Traum eines Kunden von der höchst agilen Fahrmaschine erfüllt. Drahtig, trainiert und mit hellwachen Augen referiert der 62-jährige Bernd Robatzek über den fragwürdigen Trend zu immer mehr Power bei immer mehr Gewicht und führt die aktuelle MotoGP-Szene als bestes Beispiel an. »Zwanzig Prozent weniger Hubraum und Leistung, zehn Kilo weniger Gewicht – und fahren schneller als je zuvor im Kreis.« Dadurch fühlt er sich mit seiner GSX-R 750 »Suzi-Superlight« bestätigt. Für die hat er sich das letzte Jahr mächtig ins Zeug gelegt – und ein paar Groschen investiert. Und das alles, weil er sich von Zeit zu Zeit bei Rennstrecken-Trainings der lustvollen Raserei hingibt. Und tatsächlich: Als MOTORRAD die schwarze Leichtigkeit auf die Waage im Hockenheimer Motordrom schiebt, fühlt sich das an, als ob der Motor noch auf der Werkbank läge. Mit einer Gewichtsverteilung von 84 Kilogramm auf der Vorderachse zu 72 Kilogramm hinten stimmt nicht nur das Gewicht von 156 Kilogramm vollgetankt, sondern auch die Balance der K7. Die Diät der Speer-Truppe zeigt also Wirkung. Satte 44 Kilogramm leichter als die serienmäßige, allerdings auch straßentaugliche GSX-R 750, wiegt das Leichtgewicht 11 Kilogramm weniger als eine 250er-Zweitakt-Aprilia, die lange Jahre als Referenz in Sachen Handling galt.

Der erste Proberitt mit der Speer-Suzuki kann nur ein Vorgeschmack sein auf das, was das Fliegengewicht unter korrek­ten Umständen erwarten lässt. Ein derart eisiger Wind fegt durchs Motodrom, dass nicht einmal die Michelin Pilot Power-Reifen auf Temperatur kommen. Was nichts daran ändert, dass sich die GSX-R ohne jeglichen Widerstand einlenken und um­legen lässt. Und zwar ganz egal, ob im Geschlängel hinter der Sachskurve oder ­in der Haarnadelkehre. Versteifen sich bei normalen Supersportlern Handlichkeit und Lenkreaktionen über 100 km/h deutlich spürbar, so fühlt sich der Leichtbau tatsächlich an, als habe man den Motor vergessen einzubauen. Die Ursachen dafür liegen jedoch weniger im Gesamtgewicht als in den extrem leichten Kohlefaser-Rädern und den vorn verbauten Keramik-Bremsscheiben. Mit dem Nachteil, dass dem superben Handling eine gewisse Nervosität entgegensteht. Auf dem Weg durch die lang gezogene Parabolica stören Pendelbewegungen um die Lenkachse, die sich auch bei Schalt­vorgängen bemerkbar machen. So bleibt den Diätplanern um Herbert Speer noch etwas Feinarbeit, um die entscheidenden Gewichtsvorteile in entsprechende Rundenzeiten umzumünzen.

MOTORRAD wird bei Tests im Frühjahr der Frage nachgehen, ob sich mit knapp 50 Kilogramm weniger Gewicht auch spätere Bremspunkte und höhere Kurvengeschwindigkeiten im Vergleich zum Serienbike realisieren lassen.

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