Fahrbericht: Triumph America/Speedmaster Chrompaktklasse - Triumph America/Speedmaster

Bereits seit 2002 ist die America im Modellprogramm von Triumph zu finden.

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Bereits seit 2002, damals noch mit Drahtspeichenrädern, ist die America im Modellprogramm von Triumph zu finden. 2003 folgte der etwas drahtigere Ableger Speedmaster. Über die Jahre hinweg sahen die Engländer nur wenig Handlungsbedarf für Änderungen. Wozu auch, sind die beiden Langgabler in ihrem Genre mit dem Reihen-Twin anstelle des sonst obligatorischen V-Motors doch schon anders genug. Die einzige größere Veränderung war die Aufstockung des Hubraums von 790 auf 865 cm³, der bei der Speedmaster 2005 und bei der America 2007 erfolgte.

Für 2011 jedoch sah Triumph einen Anlass zur Überarbeitung. Offizielle Begründung: Speedmaster und America sollten eigenständiger werden, sich stärker voneinander abgrenzen. Was nicht ganz einfach ist, wenn sowohl der komplette Antrieb, der Rahmen, Tank, Instrumente und etliche Anbauteile identisch sind. Einige Modifikationen dienen denn auch weniger der Diversifikation, als vielmehr dem leichteren Umgang im Alltag. So rutschten bei beiden die vorderen Fußrasten um 39 Millimeter nach hinten und 27 nach unten, die hinteren wanderten 154 Millimeter vor und 55 hoch. Dessen ungeachtet gibt es für einen menschenwürdigen Zweipersonenbetrieb im Hause Triumph deutlich besser geeignetere Modelle. Für eine günstigere Erreichbarkeit wanderte der Seitenständer um 190 Millimeter nach hinten.

Die wesentlichen und letztlich prägenden Unterschiede betreffen die Vorderhand: Die Speedmaster trägt ein um ein Zoll auf 19 gewachsenes Vorderrad mit neuem Design und nur noch einer Bremsscheibe, während die America statt eines 110/90-18-nun einen 130/90-16-Gummi spazieren fährt. Um die Verwirrrung komplett zu machen, wurde ihr Lenker 45 Millimeter schma-ler, während der der Speedmaster um 63 Millimeter in der Breite wuchs. Die Sitzhöhe wiederum sank bei beiden von 720 auf 690 Millimeter, was besonders bei kleineren Fahrern oder Anfängern als vertrauensbildende Maßnahme durchgeht. Durch den weniger gekröpften Lenker sitzt man auf der Speedmaster etwas "Hasta-la-vista-baby"-mäßiger als auf der America, die einen in eine sehr passive Sitzposition zwingt. Letztendlich sitzt man auf beiden wie festgenagelt, die Bewegungsfreiheit ist gleich null, sodass bereits nach kurzer Zeit der Wunsch nach einer Pause aufkommt.

Der luftgekühlte, 61 PS starke Twin mit der 270-Grad-Kurbelwelle ist bei beiden bis auf die bei der America verchromten Gehäusedeckel identisch und passt mit seinem drehmomentorientierten Charakter gut ins Konzept. Ab Standgas büffelt er kultiviert und so kräftig wie es seine 0,865 Liter Hubraum ermöglichen voran. Drehfreudigkeit ist nicht seine Stärke, ab 5000 Umdrehungen geht es nur noch zäh voran. Die Leistung wird von einem nicht sonderlich präzise zu schaltenden Fünfganggetriebe kanalisiert und via O-Ring-Kette nach hinten weitergeleitet.

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Sollten sich den beiden ungleichen Zwillingen Kurven in den Weg stellen, kommen die ABS-losen Bremsen ins Spiel. Hier wie dort sind keine Zwei-Finger-Anlagen verbaut, die Wirkung aber ist allemal o. k. Dank des schmalen Vorderrads lenkt die Speedmaster deutlich agiler und präziser ein als die doch recht träge America. Gleichstand herrscht wieder bei der Schräglagenfreiheit: Hier wie dort setzen die Fußrasten genreüblich viel zu früh auf. Kleiner Trost am Rande: Bei der als Retro-Bike angebotenen Bonneville ist das nicht viel anders. Nicht retro, sondern echt old-style sind das Lenkschloss am Rahmen sowie der nicht abschließbare Tankdeckel.

Letztendlich bleibt die Entscheidung, welche nehmen, Geschmackssache. Die Speedmaster gibt es in Rot und Schwarz für 8890 Euro, die America kostet in uni Schwarz dasselbe, in Blau/Weiß 200 Euro mehr. Da kann der Frühling chromen.

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Technische Daten

MOTOR
Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, 270-Grad-Kurbelwelle, Einspritzung Ø 37 mm. Bohrung x Hub 90,0 x 68,0 mm Hubraum 865 mm
Nennleistung 45 kW (61 PS) bei 6800/minMax.
Drehmoment 72 Nm bei 3300/min

FAHRWERK
Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel Ø 41 mm, Zweiarmschwinge aus Stahl mit zwei Federbeinen, Federweg v/h 120/96 mm, Scheibenbremse vorn Ø 310 mm Doppelkolben-Schwimmsattel, Scheibenbremse hinten Ø 285 mm Doppelkolben-Schwimmsattel. Reifen 110/90-19, 170/80-15 (130/90-16, 170/80-15)

MAßE UND GEWICHTE
Radstand 1600 mm (1610 mm), Sitzhöhe 690 mm, Gewicht vollgetankt 250 kg, Tankinhalt 19,3 Liter.
Garantie: zwei Jahre
Preis inkl. Nebenkosten 8890 Euro (Schwarz) 9090 Euro (Weiß/Blau)

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