Fahrbericht Triumph Speedmaster, Modell 2008 Schönen Cruise

Foto: Jahn
Der erste Blick trügt. Der zweite und dritte auch. Insofern dürfen sich die Triumph-Designer auf die Schulter klopfen: Ziel erreicht, keiner merkt’s. Denn der traditionsbewusste Speedmaster-Liebhaber soll nicht verschreckt werden, möchte noch Vergaser wähnen, wo nun unvermeidbar eine Einspritzung sprüht. Denn ohne die ist die derzeit gültige Euro-3-Norm nicht mehr zu schaffen. Ob die täuschend echte Attrappe der beiden Gleichdruckvergaser für das Nostalgie-Styling des britischen Cruisers notwendig ist, bleibt Geschmacksache, einmalig im Motorradbau ist sie auf alle Fälle. Die Einspritzung ist neben dem von 16,6 auf 19,3 Liter vergrößerten Tank und neu geformten Schalldämpfern denn auch die wichtigste Änderung beim 2008er-Modell. Immerhin: Die Abstimmung der Keihin-Einspritzung gelang auf Anhieb hervorragend. Im Vergleich zur Vorgängerin kann die Neue das Leistungs­niveau trotz der schärferen Abgasvorschriften halten. Das gelingt derzeit gerade bei großvolumigen Zweizylindern beileibe nicht allen Herstellern. Insofern bleibt sich die Speedmaster auch im neuen Modelljahr treu.
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Big-Twin Laufkultur in Perfektion.

Der 865-cm-Motor überzeugt mit tadellosen Manieren und seidenweichem Lauf, dreht ab Standgasdrehzahl ruckfrei hoch, rappelt noch nicht einmal bei Maximaldrehzahl von 8200/min, lässt sich obendrein präzise schalten und mit moderater Handkraft kuppeln. Eigentlich perfekt. Objektiv betrachtet sicher, subjektiv möchten nicht nur Harley-Infizierte mehr Cruiser-Feeling im Antrieb. Den kann der Parallel-Twin trotz der bereits beim 2005er-Modell vorgenommenen Änderung auf 270 Grad Hubzapfenversatz nach wie vor nicht bieten.
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Dennoch gilt: Andere Hersteller von Big-Twins würden von einer derartigen Laufkultur träumen. Und von solch einem Fahrwerk. Die Sitzbank ist – zumindest für den Solobetrieb – äußerst kommod, das Handling, an Cruiser-Maßstäben gemessen, überdurchschnittlich gut, der Geradeauslauf exzellent, die Bremsen sind formidabel. Allerdings: Die nur in der Federbasis einstellbaren Federbeine geben sich schnell bockig und semmeln bereits bei moderaten Schlaglöchern dem Easy Rider kräftig ins Kreuz, die Fußrasten setzen in Schräglage ziemlich früh auf – vielleicht zum Trost für die Fransenjeans-Fraktion.

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