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Zwei neue Modelle, die richtig rocken.

Triumph Thruxton R und Triumph Bonneville T120 im Fahrbericht Brit-Rock

Mit der Präsentation der Triumph Bonneville T120 und der Triumph Thruxton R rollen die Briten zwei neue Modelle an den Start, die richtig rocken.

Triumph Thruxton R

Die Spannung und die Ungeduld sind förmlich mit den Händen zu greifen, als die Journalistenmeute sich in die Sättel der penibel aufgereihten Triumph Thruxton R schwingt. Endlich. Gentlemen, start your Engines. Das Topmodell von Triumphs „New Classic“-Baureihe bittet zur Landpartie.

Sehnlich erwartet. Mit fettem 1200er-Twin und 97 PS. Allemal genug, um sportlichen Landstraßen-Ansprüchen zu genügen. Zumal Triumph auf ein breites Drehmoment verweist, das in 112 Nm bei 4950/min gipfelt. Vor allem aber ist die Triumph Thruxton R verdammt hübsch und wohlproportioniert geraten. Stimmig bis in liebevollste Details – von den neu gezeichneten Rundinstrumenten bis zu den Drahtspeichenrädern. Unter dem gebürsteten Alu-Tankdeckel mit Schnappverschluss verbirgt sich der eigentliche, abschließbare Deckel. Der Tank wird von einem Alu-Spannband gehalten. Und selbst profane Motorhalteschrauben sind kleine Kunstwerke.

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Kühlrippen der Triumph Thruxton R sind nicht nur Show

Wie bei der Vorgängerin trägt auch der neu konstruierte 1200er Motordeckel im Pre-Unit-Look, die gekonnt getrennte Gehäuse für Motor und Getriebe vorgaukeln. Beim Verstecken der Einspritzanlage haben sich die Techniker selbst übertroffen, sie sieht Amal-Vergasern aus den 60ern täuschend ähnlich. Die schlanken Megafon-Schalldämpfer mit ihren gebürsteten Edelstahlhüllen sehen hinreißend aus, und die Zylinder recken ihre Kühlrippen noch immer in den Fahrtwind. Fahrtwind? Der 1200er der Triumph Thruxton R ist eine moderne, wassergekühlte Konstruktion. Doch die Kühlrippen sind nicht nur Show, sie sollen tatsächlich ihren Teil zur Kühlung beitragen – und dazu, dass der Kühler klein ausfallen konnte. Er schmiegt sich unauffällig vor die vorderen Rahmenrohre. Wasserschläuche sind keine zu sehen, die Wasserpumpe sitzt im Motor.

Ein Druck auf den Anlasser, und die Triumph Thruxton R tönt vollmundig, aber wohlgedämpft aus den beiden Endrohren. 270 Grad Hubzapfenversatz verleihen dem neu konstruierten Twin eine kernige Note. Was also hat er zu bieten? Und was das Fahrwerk?

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Viel sportlicher als die Vorgängerin

Eine Dreiviertelstunde später. Erster Zwischenstopp. Helme ab – rundherum kommen breit grinsende Gesichter zum Vorschein. Die erste Etappe, und die Triumph Thruxton R hat bereits gerockt. Und zwar gewaltig. Sie pflegt ihre sportliche Attitüde deutlich stärker als ihre Vorgängerin. Will mehr können als nur hübsch aussehen. Sie steht auf 17-Zoll-Rädern. Voll einstellbare Upside-down-Gabel mit radialen Monoblock-Brembos und schwimmenden 310er-Scheiben sind aktueller Sportler-Standard. Und auch wenn sie hinten mit Stereo-Federbeinen dämpft, so tut sie das mit edler Öhlins-Ware und ordentlichen 120 mm Federweg. Ebenfalls voll einstellbar, Ehrensache. Und erst die Fahrwerkseckdaten mit kurzen 90,8 mm Nachlauf und steilen 67,2 Grad Lenkkopfwinkel, all das riecht nach einem veritablen Landstraßen-Brenner. Ist sie auch, die Triumph Thruxton R. Mühelos wirft sich der Café Racer von einer Schräglage in die nächste. Ihre laut Triumph 222 Kilogramm vollgetankt fühlen sich eher wie 200 an. Am Hinterrad prangt kein protziger 180er-Reifen. Die Beschränkung auf einen 160er beweist Augenmaß. Bekömmlich fürs Handling.

Die Federelemente parieren Bodenwellen ausgezeichnet, absorbieren auch kurze Kanten ohne ungebührliche Härte. Und sind straff genug abgestimmt, dass bei sportlicher Gangart kein Rühren ins Gebälk kommt. Der Tank ist herrlich schmal, nur wenn man dicht an den Lenker rutscht, stoßen die Knie an die Ausbuchtungen. Dennoch passt die Triumph Thruxton R wie angegossen und macht unglaubliche Laune beim Kurvenwetz. Ab 2000/min kann der Twin ans Gas genommen werden. Ab 3000/min spannt er die Muskeln an. Leichtfüßig, willig, spritzig und druckvoll dreht er bis zum Begrenzer, tönt sonor aber nie aufdringlich. Ein Drittel weniger Schwungmasse als bei der Bonneville machen ihm die Dreharbeit fühlbar leicht.

Moderner Straßen-Sportler im klassischen Gewand

Seine zwei Ausgleichswellen leisten ganze Arbeit. Trotzdem wirkt der Twin nicht synthetisch. Die Gänge rasten knackig, aber präzise. An Elektronik hat die Triumph Thruxton R das Nötigste an Bord: ABS, abschaltbare Traktionskontrolle, drei Fahrmodi, die sich nur in der Gasannahme unterscheiden - Rain, Street und Sport. Wobei getrost Letzterer gewählt werden kann. Lastwechsel sind spürbar, aber nicht störend, der Twin hängt schön direkt am Gas. Dass mit dem Ausschalten der Zündung das Display im Cockpit stets auf die Kilometeranzeige und das Mapping wieder auf „Street“ zurückgesetzt wird, notieren wir als kleine Lästigkeit am Rande. Und freuen uns lieber über die leichtgängige Anti-Hopping-Kupplung und die fein dosierbar und kräftig zupackenden Brembo-Monobloc-Zangen. Die Triumph Thruxton R ist ein moderner Straßen-Sportler im klassischen Gewand. Und es würde nicht verwundern, wenn man bei Ducati darüber ins Grübeln käme, ob man die Sport-Classic-Modelle und den wenig geliebten luftgekühlten Zweiventiler nicht doch etwas zu früh aufs Abstellgleis geschoben hat.

Wem die Triumph Thruxton R noch nicht individuell genug ist, dem bietet Triumph neben rund 160 Zubehörteilen auch drei sogenannte Inspiration-Kits an. Einen Track Racer Kit (2250 Euro), unter anderem mit Halbschale, Vance & Hines-Slip-on-Endtöpfen und kurzem Heck. Einen ebenso ausgestatteten Café Racer-Kit (1650 Euro), der statt der Halbschale eine kleine Scheibe und ein Tankhalteband aus Leder beinhaltet. Und einen Performance Race-Kit für die Rennstrecke. Mit offenen Endtöpfen, Verkleidung, scharfen Nockenwellen und auswaschbarem K&N-Luftfilter.

Die Wartungsintervalle werden auf 16.000 Kilometer ausgedehnt werden, der Preis für die neue Triumph Thruxton R liegt bei 14.500 Euro. Damit trifft sie zielgenau auf die BMW R nineT, der mit der Thruxton R nun ein ganz scharfer Wind ins Gesicht bläst. Wer nicht ganz so viel investieren möchte, kann zur Thruxton greifen. Für 12.500 Euro kommt sie mit etwas schlichterer Ausstattung nicht ganz so edel, dafür mit klassischerer Anmutung. Und demselben spritzigen 1200er-Twin.

Foto: Triumph
... Welches die Bonnie für entspanntes Cruisen in der Tat bietet.
... Welches die Bonnie für entspanntes Cruisen in der Tat bietet.

Triumph Bonneville T120

Auch die Triumph Bonneville T120 wird vom neuen 1200er befeuert. Als Roadster mit aufrechter Sitzposition bevorzugt sie den entspannten Fahrgenuss. Entsprechend ist ihr Antrieb auf kräftigen Durchzug abgestimmt. Dass er hierfür zehn Pferde im Stall lassen musste, ist nicht weiter tragisch. 80 PS sollten immer noch ausreichen. Dafür liegt sein Drehmoment-Maximum von 105 Nm bereits bei relaxten 3100/min an. Niedrigere Verdichtung als bei den Thruxtons (10 : 1 statt 11 : 1) und zahmere Nockenwellen sowie deutlich mehr Schwungmasse an der Kurbelwelle verleihen ihm den passenden Charakter. Der sich durch das Zubehörprogramm oder einen Inspiration-Kit (1590 Euro, u. a. mit Vance & Hines-Auspuffen, Motorzierdeckeln und gesteppter Sitzbank) aufpeppen lässt.

Das Chassis ist praktisch baugleich mit der sportlicheren Thruxton. Federelemente und Bremsen sind dieselben wie bei der Basis-Thruxton. Allerdings rollt sie auf schmaleren Reifen, vorne dazu im 18-Zoll-Format. Sieht im klassischen Gewand einfach besser aus. So verschieden die Optik von Triumph Thruxton R und Triumph Bonneville T120, so verschieden auch ihr Fahrverhalten. Kaum zu glauben, dass es sich um den im Grunde gleichen Motor und dasselbe Chassis handelt. Die Federelemente sorgen durch andere Längen zusammen mit dem größeren Vorderrad für eine völlig andere, deutlich mehr auf Stabilität ausgerichtete Fahrwerksgeometrie mit längerem Nachlauf (105,2 mm) und flacherem Lenkkopfwinkel (64,5 °). Die längere Schwinge streckt den Radstand auf 1450 mm.

Begleiter für ein entspanntes Leben

Die Präzision und Stabilität beim gestreckten Galopp der Triumph Thruxton R erreicht die Triumph Bonneville T120 nicht. Immerhin bringt sie 21 Kilogramm Mehrgewicht mit. Felgen und Schwinge aus Stahl statt Alu fordern ihren Tribut, ebenso wie das stählerne hintere Schutzblech, der Haltebügel oder schwerere Bremsscheiben. Die Kurvengier der Thruxton kann sie trotz schmalerer Reifen nicht bieten. Sie benötigt einen klaren Impuls am Lenker, um in Schräglage zu fallen um dann mit sauberem Strich ihre Bahnen zu ziehen. Spürbar ist bei ihr allerdings ein stärkeres Aufstellmoment als bei der sportlichen Schwester. Die Gabel spricht auf Unebenheiten fein an und spendet damit viel Komfort. Für die sportive Gangart ist sie aber zu weich abgestimmt und fehlt etwas die Harmonie zwischen Gabel und Federbeinen. Sie bevorzugt die genussvoll-zügige Landpartie. Dazu passt die entspannte Sitzposition ausgezeichnet. Der Lenker sitzt in angenehmer Höhe, die tief platzierten Fußrasten sorgen für einen sehr entspannten Kniewinkel. Und dafür, dass die Angstnippel zeitig Furchen in den Asphalt ziehen. Die Pirelli Phantom mögen zwar das Profil aus den 80ern tragen, ihr Grip ist bei solchen Aktionen aber über jeden Zweifel erhaben. Die mit Schwimmsätteln und starren Scheiben bestückten Bremsen erschrecken nicht mit unberechenbarem Biss und liefern ausreichend Verzögerung.

Wie man es von einem Roadster erwartet, geht der Zweizylinder schon aus tiefsten Lagen engagiert zur Sache. Selbst im vierten Gang kann die Drehzahl bis 1600/min fallen, er schuftet sich stampfend wieder aus dem Drehzahlkeller hinauf. Sein Wohlfühlbereich liegt zwischen 2200 und 4500/min, dort liefert er ordentlich Punch. Höher drehen macht er zwar mit, sein Temperament nimmt dann aber schon wieder ab. Gegenüber der Triumph Thruxton ist die Triumph Bonneville T120 zudem merklich länger übersetzt, was Drehzahlniveau und Verbrauch senkt, die Durchzugskraft im letzten Gang allerdings ebenso. Doch wer das entspannte Schwingen über kleine Landsträßchen bevorzugt, wird dies verschmerzen, das niedertourige Stampfen des Twins genießen. Und sich auch nicht an den ausgeprägteren Lastwechseln und dem dezenten Nachschieben des Motors beim Schließen der Drosselklappen stören. Vielmehr das relaxte Flanieren und Kurvenschwingen genießen und den druckvollen Antritt des Twins am Kurvenausgang. Wer einen Begleiter für ein entspanntes Leben sucht, liegt hier richtig. Für sportlichen Thrill ist die Thruxton zuständig. So ist auch die neue T120 ganz Bonnie geblieben. Hübscher und kräftiger.

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