Fahrbericht: Victory Victory Cross Roads/Cross Country

Victory, der etwas andere Ami-Hersteller, bringt für 2011 eine neue Touring-Baureihe: wuchtige Straßenkreuzer mit dickem 106-cubicinch-Motor, jeder Menge Chrom, viel Luxus und einigen technischen Verbesserungen. Eine erste Kreuzfahrt führte durch die schottischen Highlands.

Foto: Gold und Goose

Sind Schotten wirklich echte Briten? Die einen sagen so, die anderen so. Da passt es ganz gut, dass der US-Hersteller Victory seine neuen Touring-Cruiser in den schottischen Highlands präsentierte. Denn diese Luxus-Liner sind auch irgendwie anders. Einerseits typische V2-Cruiser wie die Harleys, andererseits technisch wie optisch doch völlig eigenständig.

Das gilt auch und gerade für die 2011 er-Modelle. Im Touren-Segment hat Victory der spektakulären Vision nun etwas ziviler anmutende Versionen zur Seite gestellt, die Cross-Linie mit den Basismodellen Roads und Country. Angetrieben werden die Touring-Cruiser wie alle neuen Victory-Modelle von dem 1731 cm? großen 50-Grad-V2, der zwar Kühlrippen wie eine Harley trägt, in dessen Inneren aber moderne Technik werkelt- etwa vier Ventile und obenliegende Nockenwellen. Mit dem Ergebnis, dass satte 92 PS und 148 Nm zur Verfügung stehen. Zwischen 2000 und 3000 Umdrehungen fühlt sich der geschmeidige V2 wohl, ab 4000/min vibriert er heftig. Stark überarbeitet ist das Getriebe, das nun dank einer speziellen Sperre im Stand das Einlegen des zweiten Gangs verhindert. Dadurch lässt sich der Leerlauf nun immer schnell und einfach einlegen, bisher mitunter ein nerviges Gefummel.

Völlig neu ist bei der Cross-Serie der Rahmen, der ähnlich wie beim Luxustourer Vision aus einem mächtigen Alu-Gussteil besteht. Hochwertige Anbauteile wie die Upside-down-Gabel, fette Bremsen und das luftunterstützte Zentralfederbein hinten ergeben ein wirklich hervorragendes Fahrverhalten, das einen guten Komfort dank langer Federwege mit viel Stabilität dank steifer Fahrwerksstruktur kombiniert. Im Klartext: Die Straßenkreuzer benehmen sich ganz anders als vermutet, lenken sich überraschend leicht und präzise, und halten selbst bei forscher Gangart auf miserablen Sträßchen in den Highlands Kurs. Eine in diesem Segment außerordentliche Schräglagenfreiheit erspart den permanenten Kurvenstress, dass es die Fuhre beim Abwinkeln schlagartig aushebelt.

Ähnlich handlich und neutral benimmt sich die voll aufgemöbelte Luxusversion Cross Country, die mit riesiger Cockpitverkleidung und umfangreicher Serienausstattung vom Tempomat bis hin zum Radio verwöhnt. Das Zusatzgewicht der lenkerfesten Plastikverschalung bringt mitunter leichte Unruhe in die Lenkung. Allerdings fällt die Entscheidung zwischen den alternativ angebotenen Windschutzscheiben schwer. Bei der niedrigen Serienscheibe muss man mit Turbulenzen am Helm leben. Bei der höheren kann man nicht über die Scheibe blicken, was bei Regen und/oder Dunkelheit ziemlich irritiert. Wer noch mehr Spektakel wünscht, wählt das exklusive Spitzenmodell Cory Ness Cross Country, mit dem man bei jedem Bikertreff garantiert im Mittelpunkt steht.

Im Vergleich mit dem direkten Konkurrenten, der Harley Road King Classic, kann die Cross Roads in vielen Bereichen punkten, von der Fahrdynamik bis hin zum Preis. Das Duell Herz gegen Verstand geht unterm Strich allerdings ohne Sieger aus, denn bezüglich Image, Sound und Charakter gibt es für den kleineren US-Hersteller noch Nachholbedarf. Und ABS gibt es für die Cross-Modelle auch noch nicht. Was US-Kunden offensichtlich egal ist: Laut unabhängigen Befragungen hat Victory dort von allen Herstellern die zufriedensten Kunden und die besten Bewertungen.

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Foto: Gold & Goose

Technische Daten

Motor:
Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-50-Grad-V-Motor, eine Ausgleichswelle, je eine obenliegende, kettengetriebene Nockenwelle, vier Ventile pro Zylinder, Kipphebel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, 0 45 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine 450 W, Batterie 12 V/18 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, Zahnriemen, Sekundärübersetzung 2,121.
Bohrung x Hub 101,0 x 108,0 mm
Hubraum 1731 cm³
Nennleistung 67,6 kW (92 PS) bei 4700/min
Max. Drehmoment 148 Nm bei 2700/min

Fahrwerk:
Brückenrahmen aus Aluminium, Upside-down-Gabel, 0 43 mm, Zweiarmschwinge aus Aluminium, luftunterstütztes Zentralfederbein, direkt angelenkt, verstellbarer Luftdruck, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 300 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 300 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel.
Alu-Gussräder 3.00 x 18; 5.00 x 16
Reifen 130/70 R 18; 180/60 R 16

Maße und Gewichte:

Radstand 1669 mm, Lenkkopfwinkel 61,0 Grad, Nachlauf 142 mm, Federweg v/h 130/120 mm, Sitzhöhe 667 mm, Trockengewicht 338 [347] kg, Tankinhalt 22,0 Liter.
Gewährleistung zwei Jahre
Farben Rot, Schwarz [Cross Country: Blau, Schwarz, Weiß/Silber, Rot]

Preis inkl. Nebenkosten
Cross Roads ab 16990 Euro
Cross Country ab 19490 Euro

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