Racebike: Wellbrock-Honda Fireblade Werksführung: Wellbrock-Honda Fireblade

Eine exquisite Werksgabel übernimmt die Vorderradführung der Wellbrock-Fireblade. Darüber hinaus veredeln weitere hochwertige Komponenten die Honda. Das gilt auch für ihren Motor.

Foto: Jahn
Wolfgang Harbusch zögert: "Der Preis? Hm, in der Fireblade steckt viel Arbeit und etliche Teile." Der PS-Schreiberling bohrt weiter. "Fünfundfünfzig", flüstert der Geschäftsführer des Honda-Händlers Wellbrock & Co. schließlich und fügt besorgt hinzu: "Hoffentlich erfährt das nicht die Frau meines Kunden." Keine Angst, die Dame liest gewiss keine Motorradzeitschrift, und PS mitsamt seiner Leserschaft schweigt wie ein Grab. Dabei darf die Ehefrau doch stolz auf das Stilgefühl ihres Mannes sein. Allein beim Anblick der Vorderradgabel schnalzen Kenner mit der Zunge: astreines Werksmaterial. Das Teil stammt aus dem Einsatzmotorrad des Superbike-WM-Piloten Ben Spies. Eine Heidenarbeit, die Forke der Yamaha R1 an die Fireblade zu adaptieren: Lenkrohr im Lenkkopf zentrieren, Gabelbrücken fixieren, Vorderrad ausdistanzieren, Bremse anpassen. Augenscheinlich meisterte der Techniker diese Aufgabe perfekt, der Vorderbau wirkt wie aus einem Guss. Rauf aufs Bike und ab auf die Hockenheimer Piste! Ernüchterung nach den ersten Kurven, die Honda biegt unwillig ein und neigt zum Untersteuern. Also zurück in die Box. Harbusch senkt die Front, indem er die Gabel fünf Millimeter weiter durch die Brücken steckt. Und siehe da: Die Blade wirkt wie verwandelt. Zwar winkelt der Renner noch immer nicht superhandlich ab, dafür lenkt er nun zielgenau ein und bleibt vorbildlich auf der geforderten Linie. Darüber hinaus liefern die Slicks im 16,5-Zoll-Format hervorragenden Grip. Außer Haftung bietet das Hinterrad auch was fürs Auge: Der 200er-Schlappen auf einer 6,25-Zoll-Magnesiumfelge schafft mächtig Eindruck. Mangels Bodenwellen demonstriert die Gabel ihr Können exklusiv beim Ankern – hier verfügt sie über riesige Reserven. Allerdings vibriert die gesamte Front bei längeren Vollbremsungen minimal. Vermutlich herrscht in den Führungen des Vorderbaus noch geringes Spiel.
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Foto: fact
Wie die meisten leistungsstarken und leichten Supersportler pendelt auch die Wellbrock-Honda in der langgezogenen Parabolika-Kurve. Sicher tragen die harten Dunlop-Reifen ihren Teil dazu bei: Aufgrund bescheidener Eigendämpfung leiten sie Unebenheiten direkt ins Fahrwerk. Wie sich bei einem späteren Test auf einer anderen Maschine herausstellte, kann auch eine stark ausgefederte Gabel das Aufschaukeln verursachen oder zumindest verstärken. Weniger vorgespannte Gabelfedern – also mehr Negativ-Federweg – könnte dieses Phänomen lindern oder ausmerzen. Während der Probefahrt mit der Wellbrock-Honda noch ohne diese Erkenntnis, behalf sich der Autor mit einem bewährten Trick: Gesäß anheben, um das Fahrergewicht auf die Rasten zu verlegen. In dieser Haltung verträgt die Blade in dem langen Bogen mühelos Vollgas.
Aber 193 PS stark und mit vollem 25-Liter-Tank lediglich 182 Kilogramm schwer, treibt die Rakete bei voll geöffneter Brause selbst abgebrühten Testern Angstschweiß auf die Stirn. Dabei entfaltet die Blade ihre Leistung sehr linear und hält keine bösen Überraschungen bereit. Im Gegenteil: Feine Beschleunigungs-Wheelies beim Herauspowern aus den Kurven erzeugen Moto­GP-Feeling und bereiten irre Laune.
Die Liste der Tuningmaßnahmen ist lang. Wellbrock greift häufig auf Teile der Honda-eigenen Tuningschmiede HRC zurück. Einige Beispiele bezüglich Chassis: Heckrahmen, Verkleidung, Bremsbeläge. Motorkomponenten: Ventile, Nockenwellen, Ansaugtrichter, Einspritzung, Kabelbaum, Kühler. Ausreichend Durchlass für die Abgase bietet der Moriwaki­Racing-Auspuff. Ein Power Commander bestimmt die Einspritzmengen. All das hat natürlich seinen Preis. Aber wie abgemacht verlieren wir ja alle darüber kein Wort.
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Foto: PS

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