Fahrbericht Mitteklasse: Yamaha Yamaha FZ8 / Fazer 8

Es ist nicht mehr lange hin, bis es Acht schlägt im Yamaha-Mittelklasseprogramm. Im Juni sollen die FZ8 und die Fazer8 nach Deutschland kommen, um die FZ6 zu ersetzen. MOTORRAD unternahm vorab schon einmal eine ausführliche Probefahrt.

Foto: Yamaha
Die Provence, für MOTORRAD ein klassisches Wintertestgebiet, begrünt sich üppig in diesen Tagen. Gelegentliche Regenschauer, viel Sonne und Wärme lassen die Bäume austreiben, locken zart-grüne Pflanzenteppiche aus den steinigen Böden. So erscheinen die beiden Achter-Modelle von Yamaha, die unverkleidete FZ8 und die Fazer8 mit Halbschale, die in dieser Gegend präsentiert wurden, wie Verheißungen angenehmer Tage.

Passend dazu zeigen die neuen Yamahas gefällige Manieren. Auf einen kurzen Knopfdruck springen die Motoren an und fallen sofort in einen gleichmäßigen, leicht erhöhten Leerlauf. Als einzige Unart lassen alle Achter bei jedem Einlegen des ersten Gangs - er wurde nicht vom FZ1-Getriebe übernommen, sondern ist kürzer übersetzt - ein kerniges Krachen hören. Deshalb also haben die Mechaniker das Spiel der Kupplungszüge durchweg etwas knapp eingestellt. Sie wollten sichergehen, dass die Kupplung sauber trennt und der Effekt sich nicht durch klebende Scheiben verstärkt. Sind die Motorräder erst einmal in Bewegung, ist der neue 779er ganz Laufkultur und Durchzugskraft, mit einem Wort Souveränität. Im bürgerkriegsähnlichen Stadtverkehr von Marseille bummelt er ohne Konstantfahrruckeln dahin, wenn sechs Autos nebeneinander auf vier Spuren die Ausfallstraßen verkorken. Andererseits ist er in den unteren Gängen ab Leerlaufdrehzahl bereit für den explosiven Zwischenspurt um eine Kotflügelschikane, hinein in die nächste halbe Lücke, die sich auftut.

Draußen wird alles gut. Auf dem Weg ins Hinterland fächert Hügelkette um Hügelkette ihre kurvenreichen Straßen auf, mal schmal und eckig, mal wellig, mal großzügiger ausgebaut mit langgezogenen Kurven und griffigem Genießerasphalt. Spaß macht alles. Instinktiv hält der Fahrer die Drehzahl möglichst im Bereich zwischen 4000 und 8000/min, da spielt die Vierzylindermusik am schönsten und kräftigsten. Bei Bedarf geht es rasant noch 2000 Umdrehungen höher; erst über 10000/min wird der weitere Drehzahlanstieg zäh.
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Foto: Yamaha
Am unteren Ende des Drehzahlbands bestätigt sich, was sich in der Stadt angedeutet hatte: Es ist selbst in Spitzkehren hügelan nur selten nötig, den ersten Gang zu bemühen, meist reicht der zweite in Kombination mit herzhaftem Gaseinsatz. Untertourig bleibt dieses Spiel nicht lange; gut 300 Kilogramm Motorrad mit Fahrer werden mit Vehemenz aus den Kurven gezogen. Ein neuer Vierventilkopf sowie sorgfältig abgestimmte Ansaug- und Auspuffwege sorgen für guten Durchzug, der gegenüber der FZ1 um zweieinhalb Kilogramm erleichterte Kurbeltrieb für temperamentvolles Hochdrehen. Mag es noch so undankbar klingen: Die 44 PS Mehrleistung der FZ1, von der die meisten Teile der FZ8 stammen, wird kaum jemand vermissen. Eher schon ihr straffer abgestimmtes Federbein. Dasjenige der 8er-Modelle erinnert nicht nur bezüglich der einfachen Bauart an das XJ6-Federbein, sondern auch in Sachen Abstimmung. Recht weich gefedert, in der Ein- wie der Ausfederbewegung unveränderbar sanft gedämpft, war es bereits auf der vorletzten Stufe vorgespannt und geriet trotzdem schon im Solobetrieb an die Grenze seiner Möglichkeiten. Beide Achter fahren damit immer noch handlich und präzise, keine Frage. Leichtes Pumpen der Hinterhand beim zügigen Beschleunigen oder zu rasches Durchfedern in Kurven mit Bodenwellen, wobei dann meist die Fußrasten aufsetzen, sind jedoch deutliche Indizien beginnender Überforderung. Spätestens im Soziusbetrieb verkehrt sich der Komfortgewinn, den die weiche Abstimmung bringt, ins Gegenteil - nach weich kommt da erfahrungsgemäß ganz hart. Und das Handling ist mit zu viel Gewicht auf einem tief eingefederten Heck ebenfalls nicht mehr prickelnd.

Die Upside-down-Gabel erledigt ihren Job deutlich besser. Bodenwellen in Kurveneingängen bügelte sie akkurat glatt, und bei einem rasanten Abstecher auf die südfranzösische Kickbackstrecke von MOTORRAD, ein Asphaltacker von schlimmster Holprigkeit, hielt sie das Vorderrad bemerkenswert lange am Boden und die Lenkung ruhig. Erst bei energischem Einsatz der kraftvollen Bremsen - die einteiligen Vierkolbenzangen der FZ1 beißen in 310er-Scheiben - federt sie etwas zu rasch durch. Apropos Bremsen: Nach Deutschland kommen FZ8 und Fazer8 ausschließlich mit ABS und erhalten serienmäßig zwei schnittige Spoilerflügelchen aus dem Zubehörangebot, die seitlich unter dem Motor montiert werden. Die Präsentationsmotorräder verfügten jedoch nicht über ABS.
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Foto: Yamaha
Über 250 Kilometer, die meisten davon auf Landstraßen, erlauben schon recht zuverlässige Aussagen über den Fahrkomfort auf einem Motorrad, und auch in dieser Disziplin hinterlassen die neuen Yamaha-Modelle einen sehr guten ersten Eindruck. Im schmalen Taillenbereich sitzt es sich nicht zu hoch und nicht zu tief, die recht breiten Rohrlenker liegen bequem zur Hand. Der Kniewinkel geriet gemäßigt sportlich; nur wer lange Jahre hochbeinige Enduros fuhr oder gewohnt ist, auf Cruisern die Beine nach vorn zu strecken, könnte ihn als zu eng empfinden.

Die Mechaniker haben den Lenker aller FZ8 in der Klemmung weiter nach vorne gedreht als bei der Fazer8. Dadurch ergibt sich ein fühlbarer Unterschied; auf der unverkleideten Variante findet sich der Fahrer stärker geduckt, aktiv, vorderrad-orientiert platziert und auf der anderen eher lässig-stolz wie der Marquis de Sowieso vom Château nebenan zu Pferde. Beides hat seinen Reiz, Variationen je nach persönlichem Geschmack sind möglich.

Wie es die nahe Verwandtschaft zur FZ1 versprochen hat und trotz einiger Einsparungen sind beide 8er-Modelle mit hochwertigen Teilen sorgfältig verarbeitet und dabei mit 8495 respektive 8795 Euro plus Nebenkosten recht günstig. Als Kardinalsunterschied zwischen den beiden Modellen bleibt letztlich die Halbschalenverkleidung der Fazer8, welche für den Mehrpreis von 300 Euro sehr guten Windschutz bietet. Inwiefern ihr Doppelscheinwerfer gegenüber der einzelnen Lampe der FZ8 bei Dunkelheit Vorteile bringt, muss ein Test klären. Aber der könnte erst nach acht beginnen.
Foto: Yamaha

Technische Daten

Motor:
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, ø 35 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine 560 W, Batterie 12 V, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette, Sekundärübersetzung 46:16.
Bohrung x Hub 68,0 x 53,6 mm
Hubraum 779 cm³
Verdichtungsverhältnis 12:1
Nennleistung 78,1 kW (106 PS) bei 10000/min
Max. Drehmoment 82 Nm bei 8000/min

Fahrwerk:
Brückenrahmen aus Aluminium, Telegabel, ø 43 mm, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Doppelscheibenbremse vorn, ø 310 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, ø 267 mm, Einkolben-Schwimmsattel, ABS.
Alu-Gussräder 3.50 x 17; 5.50 x 17
Reifen 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17

Maße und Gewichte:

Radstand 1460 mm, Lenkkopfwinkel 65,0 Grad, Nachlauf 109 mm, Federweg v/h 130/130 mm, Sitzhöhe 815 mm, Gewicht vollgetankt 216 kg, Tankinhalt/Reserve 17,0/3,8 Liter.
Garantie zwei Jahre
Farben Schwarz, Weiss, Blau
Preis FZ8 8495 Euro
Preis Fazer8 8795 Euro
Nebenkosten zirka 170 Euro

Kurzurteil

Positiv
  • Motor: laufruhig, durchzugsstark, drehfreudig
  • Bremsen: kräftig, gut dosierbar
  • Fahrwerk: handlich, gut ausbalanciert
  • Verarbeitung: gediegen

Negativ
  • Federbein: zu weich gefedert, zu sanft gedämpft
  • Schräglagenfreiheit: etwas knapp

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