Fahrbericht Yamaha WR 125 R Offroad-Maschine für Einsteiger

Der Straßenableger Yzf-R 125 mischte 2008 den Markt der kleinen Straßensportler auf und steht beim Publikum wie bei den Verkaufszahlen ganz weit vorne. Die WR 125 R soll bei den Stollenfreunden dasselbe bewirken.

Foto: Sdun
Zwar steht Yamaha klein auf den hinteren Seitendeckeln, dennoch ist die WR 125 R ein europäisches Gewächs. Denn der Motor, baugleich mit dem der erfolgreichen und beliebten Yzf-R 125 (Klassensiegerin bei der Wahl zum Motorrad des Jahres 2009), stammt aus Italien, genauer gesagt von der Yamaha-Tochter Minarelli aus Bologna. Die Montage erfolgt im nordfranzösischen St. Quentin bei MBK, einer weiteren Tochtergesellschaft. So wird es kein Zufall sein, dass sich zur blauen Grundfarbe weiße und rote Farbtupfer gesellen und die Trikolore vervollständigen. Nebenbei sieht das auch noch fesch aus. Alternativ gibt es die WR auch in Schwarz-Rot. Mit 3795 Euro plus Nebenkosten liegt die Enduro preislich im Mittelfeld des Segments, und dafür erwartet den Kunden mehr als fesches Aussehen. Was hat die WR zu bieten? Da ist zunächst einmal der Antrieb. Mit 15 PS nutzt der wassergekühlte Single das erlaubte Limit für den altgedienten Autofahrer (Führerscheinklasse III, erworben vor dem 1. April 1980) voll aus. 16-jährige Nachwuchsfahrer müssen allerdings noch auf den 80-km/h-Drosselkit warten. Der Vierventiler ist drehfreudig, hängt sauber am Gas und gibt seine Kraft über sechs leicht und präzise zu schaltende Gänge ans Hinterrad weiter. Zu schalten gibt es viel, denn obwohl der Motor auch bei niedrigen Drehzahlen tapfer an der Kette zieht, sind hohe Touren für flottes Vorankommen unabdingbar. Bei unteren und mittleren Geschwindigkeiten geht es zügig voran, ab zirka 100 km/h erlahmt der Vortrieb merklich. Hier machen sich die lange Gesamtübersetzung und der hohe Luftwiderstand bemerkbar. Dennoch ist die WR sparsam. Auf der Verbrauchsstrecke von MOTORRAD flossen 2,9 Liter durch die Einspritzdüse. Der Motor geht seiner Arbeit fast vibrationsfrei nach und entlässt seine Abgase über eine komplett aus Edelstahl gefertigte Anlage ohne großes Getöse ins Freie.

Das kommt allenfalls vom Fahrer. Mit einer Sitzhöhe von stolzen 91 Zentimetern könnte die WR auf viele potenzielle Kunden abschreckend wirken. Wer dennoch aufsitzt, wird auf eine zweite Probe gestellt: Die knapp 300 Kilometer Reichweite wird wohl kaum ein WR-Pilot am Stück zurücklegen, denn nach etwa einer halben Stunde Fahrt ertappt man sich dabei, nach Gründen für eine Pause zu suchen oder endurogerecht im Stehen zu fahren. Den Komfort, den die Sitzbank vermissen lässt, bietet das Fahrwerk. Mit 240 Millimetern vorne und deren 230 an der Hinterhand bietet die WR offroad-taugliche Federwege. Die Abstimmung der bis auf die hintere Federvorspannung nicht einstellbaren Federelemente ist sehr weich geraten, besonders das Federbein lässt an Dämpfung zu wünschen übrig. Außerdem sprechen weder Gabel noch Federbein besonders sensibel an. Ohne Tadel hingegen funktionieren die Bremsen. Auf Wunsch steht bei kräftigem Zug am rechten Hebel das Hinterrad in beliebiger Höhe in der Luft. In jedem Fall ist kräftige Verzögerung garantiert, die Michelin-Sirac-Bereifung bietet genügend Grip für den genussvollen Straßenbetrieb.

Die Verarbeitung der französischen Japanerin gibt keinen Grund zur Klage, einigen Anbauteilen wie dem Stahlrohrlenker oder den Stahlfelgen sieht man den Rotstift jedoch an. Davon unabhängig stünde die WR für den Autor, wäre er heute wieder 16, ganz weit oben auf der Haben-wollen-Liste. Nicht nur des Blaus wegen.

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