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Fahrbericht Yamaha WR 250 F Gewaltige Aufwertung für die Sportenduro

Nach Jahren der Zurückhaltung wurde die Yamaha WR 250 F nun für die Saison 2015 gewaltig aufgewertet. Auf der Basis des Motocross-Modells entstand eine technisch avantgardistische Sportenduro. MOTORRAD ging damit auf Spritztour.

Lange Jahre folgte die Entwicklung der Sportenduros von Yamaha einer klaren Hierarchie: Änderungen an den Motocrossern (Kürzel YZ) kamen in aller Regel eine Saison später den Enduro-Kolleginnen (WR) zugute. Mittlerweile haben sich die Erneuerungszyklen gestreckt. Die WR 450 F durfte bis heute den Motor der bereits 2010 vor­gestellten YZ 450 F nicht übernehmen. ­Insofern kann sich ihre kleine Schwester Yamaha WR 250 F nun über eine prompte Aufmerksamkeit freuen. Die technische Basis der neuen Baby-Enduro liefert nämlich der erst zur Saison 2014 von Grund auf neu kons­truierte Viertelliter-Crosser YZ 250 F.

Mit dem ungewöhnlichen technischen Konzept ihrer Schwester stellt die neue Yamaha WR 250 F eindeutig das Gesicht in der Menge der Sportenduros dar. In einem Winkel von 6,2 Grad neigt sich der Zylinder aus der Vertikalen nach hinten, soll damit das Gewicht und vor allem die rotierenden Massen der beiden Nockenwellen näher in Richtung Schwerpunkt der Maschine rücken. Auch der umgedrehte Zylinderkopf (Einlass vorn, Auslass hinten) kennt in der Offroad-Technik derzeit kein Pendant. Durch einen geradlinigeren Ansaugweg vom hinter dem Lenkkopf untergebrachten Luftfilter zur ­Einspritzung soll mehr Leistung generiert werden, der lange, um den Zylinder her­umgeführte Krümmer soll das Drehmoment im unteren Drehzahlbereich stärken. Wie viel Aufwand die Japaner betrieben, um den Crosser fit fürs Unterholz zu machen, beeindruckt. Die Liste umfasst neben den ­üblichen Modifikationen wie 18-Zoll-Hinterrad, leiserer Schalldämpfer und Kühler-Ventila­tor immerhin ein breit gespreiztes Sechsganggetriebe (YZ 250 F: fünf Gänge), eine verstärkte Kupplung und das für einen Elektrostarter modifizierte Motorgehäuse.

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Fokus des Singles liegt auf hohen Drehzahlen

Also Knöpfchen gedrückt, Gang rein, Abfahrt. Schnell wird der dezente Sound aus dem Schalldämpfer vom Schnorcheln aus dem Ansaugtrakt überlagert. Kenner der Szene fühlen sich an die Akustik der ehe­maligen Husaberg-Modelle erinnert. Die ­Ergonomie passt. Die bei den ersten YZ-Model­len der neuen Generation durch die Airbox noch voluminös bauende Front zeigt sich nun erschlankt, trägt unwesentlich breiter auf als bei konventionellen Konzepten. Mit dem in insgesamt vier Stellungen justierbaren Lenker findet auf der Yamaha WR 250 F jeder Pilot seine favorisierte Position. Größeren Fahrern ermöglicht die vorderste Position ausreichend Bewegungsfreiheit – und in engen Kehren, Druck aufs Vorderrad zu bringen.

Was die 250er eigentlich gar nicht nötig hat. Denn wie von den Yamaha-Offroadern traditionell gewohnt, verbeißt sich die Front regelrecht in den Boden, lässt die Yamaha WR 250 F mühelos enge Radien ziehen. Vor allem in wenig ausgefahrenen und eng gesteckten Sonderprüfungen ein klarer Vorteil. Zumal sich auch der Motor äußerst aufgeweckt zeigt. Ein kurzer Zug am – trotz härterer Federn – immer noch leichtgängigen Kupplungshebel, und die WR schnalzt quicklebendig durchs Drehzahlband. Klassenübliche 36 PS Spitzenleistung traut man dem Aggregat durchaus zu. Die nach offiziellen Angaben rekordverdächtige Maximaldrehzahl von 13.500 Touren (KTM: 12.800/min) ebenfalls. Denn obwohl der Hub mit 53,6 Millimetern länger als der des österreichischen Platzhirschs (52,3 mm) ausfällt, liegt der Fokus des unkonventionellen Singles eindeutig auf hohen Drehzahlen. Das Mo­törchen schnurren, auf kurzen Zwischengeraden ruhig mal in den Begrenzer drehen lassen, damit werden schnelle Rundenzeiten generiert.

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Yamaha WR 250 F ab März bei den Händlern

Zumal auch das Fahrwerk für den Highspeed-Einsatz abgestimmt wurde. Ganz im Gegensatz zu den betont weichen Federelementen der bisherigen WR-Generationen geben sich Monoshock und Gabel nun straff, bieten mit reichlich Progression jede Menge Reserven. Die Kehrseite der Medaille erlebt der WR-Reiter auf den steinigen Singletrails. Dort schluckt vor allem die konventionell mit je einer Feder pro Gabelholm ausgestattete Kayaba-SSS-Gabel kleine Unebenheiten nur unwillig. Seltsam: In den YZ-Modellen arbeitet die gleiche Gabel hervorragend. Insofern benötigt sie für etwas mehr Sensibilität in der Enduro vielleicht nur etwas mehr Einlaufzeit.

Geschmeidiger gibt sich der Monoshock. Zehn Millimeter mehr Einbaulänge sollen den in der Enduro größer gewählten statischen Durchhang kompensieren. Ob’s an der Abstimmung liegt oder an dem in dieser Hubraumklasse grundsätzlich zahmen Biss im unteren Dreh­zahlbereich sei dahingestellt. Doch Fakt ist: Mit einem kurzen Gasstoß die Yamaha WR 250 F über Querrinnen zu entlasten oder damit in eine Fahrspur zu katapultieren, gelingt nicht so mühelos wie mit mancher Konkurrentin. Es sei denn, man hilft dem Druck im Drehzahlkeller mit dem als Originalzubehör angebotenen Akrapovic-Schalldämpfer (630 Euro) auf die Sprünge. Damit spricht der Einzylinder spürbar spontaner an, unterstreicht den ohnehin sportlichen Cha­rakter der 250er zusätzlich. Die Yamaha WR 250 F wird ab März bei den Händlern stehen.

Unterschiede zum Crosser

Motor 
◾ Elektro- und Kickstarter (YZ 250 F: nur Kickstarter)
◾ Motorölinhalt auf 1,1 Liter erhöht (YZ 250 F: 0,9 Liter)
◾ Lichtmaschine aus der WR 450 F
◾ Motorgehäuse links für die Lichtmaschine vergrößert
◾ Sechsganggetriebe (YZ 250 F: fünf Gänge)
◾ Kupplung durch geänderte Reibscheiben und härtere Federn haltbarer
◾ Ventilator für den Kühler

Fahrwerk
◾ 18-Zoll-Hinterrad
◾ Federbein um 10 Millimeter länger
◾ Federweg auf 318 mm (YZ 250 F: 315 mm) erhöht

Sonstiges
◾ Schalldämpfer leiser
◾ Motorschutz serienmäßig
◾ Preis: 8595 Euro

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