Fahrbericht Yamaha YZF-R6 Teuchert-Replika Champbike

Sie wollen sich einmal wie ein Weltmeister fühlen? Dann ist die Teuchert-Replika von Yamaha genau das Richtige für Sie.

Denken Sie einmal nach: Wann war der Dirk Raudies Weltmeister in der 125er-Klasse? Genau, vor acht Jahren, 1993. Dieses deutsche Championat liegt nicht nur lange zurück, es hat auch eine Durststrecke eröffnet, die kein Waldi und kein Fuchs, kein Bradl und bislang auch kein Jenkner beenden konnten. Immerhin, Udo Mark wurde 1996 Sieger der internationalen Thunderbike-Trophy. Weltmeister durfte er sich allerdings nicht nennen.
Dafür legte diese Klasse den Grundstein zu späteren Weihen, gebar sie doch die Supersport-WM, die der Franke Jörg Teuchert nach einer unglaublich spannenden Saison 2000 jubelnd als Weltmeister beendete. Was Yamaha Deutschland dazu motivierte, eine auf 250 Stück limitierte Serie von Replikas des aktuellen Renngeräts von Meister Teuchert auf Basis der YZF-R6 zu bauen.
Die gibt’s in vier verschiedenen Ausbaustufen (siehe Kasten rechts), im MOTORRAD-Test natürlich die ganz noble mit Dekorsatz, Fahrwerksumbau und einem neuen Schalldämpfer. Das martialische Dekor trifft vielleicht nicht jedermanns Geschmacksnerv, dafür erfreuen das hochwertige Federbein und der solide verarbeitete Schalldämpfer.
Und Eindruck im Fahrerlager macht das Ding. Fans versammeln sich, raunen »Teuchert, Teuchert«. Zunächst kein schlechtes Gefühl, für einen Star gehalten zu werden. Kurz darauf naturgemäß ernüchternd, wenn klar wird, dass Jörg Nobody unterm Helm steckt. King for a minute macht trotzdem Laune, weshalb man lächelnd aufsitzt.
Und sich gefühlsmäßig auf einer ganz normalen R6 wiederfindet. Ordentlich schallgedämpft, dennoch markiger als in Serie nimmt der Reihenvierzylinder seine Arbeit auf. Gewohnt geräuschvoll rasten die Gänge ein, ein bisschen unwillig lässt sich die Replik um den Kurs von Calafat führen. Auch die harten Lastwechsel, verursacht durch verzögertes Ansprechen des Motors bis zu Dreiviertelgas unterhalb von etwa 10000/min, verursachen Stirnrunzeln, ebenso das starke Einfedern des Hecks beim Beschleunigen, das aus Kurven heraus spürbares Untersteuern verursacht.
Also Werkzeug raus, denn schließlich lassen sich die Federelemente – hinten ein Technoflex-Federbein, vorn die mit Technoflex-Teilen umgebaute Seriengabel – vielfach einstellen. Heck mittels Federbasis hoch, Federbein länger gespindelt, dazu mehr Druckstufendämpfung hinten – klickmäßig etwas mehr High- als Lowspeed - wie vorn, die Zugstufe etwas raus. Schön, wie breit der Einstellbereich im Vergleich zur Serie ist, so lässt sich’s arbeiten.
In die richtige Richtung offenbar, denn nach den Änderungen läuft die R6 deutlich linientreuer, handlicher und präziser um die Ecken. Das lästige Einsacken der Hinterhand bleibt gänzlich aus, was erstens die Lastwechselreaktionen verkleinert, zweitens das unschöne Ansprechverhalten des Motors überspielt. Viel behänder und dabei präziser sticht die »Teuchert« so in Schräglage - immer wieder verwunderlich, was gute Federelemente so ausmachen – ordentliche Abstimmung vorrausgesetzt. Die der normalen R6 können da jedenfalls nicht mitspielen, ein klarer Pluspunkt der Replika. Richtig gefreut hätten wir uns zusätzlich über angemessen sportliche Reifen, gerne auch mit 70er-Querschnitt vorn, denn die serienmäßigen Dunlops sind diesem Fahrwerk unterlegen, reizen auch die durch den Schalldämpfer gewonnene Schräglagenfreiheit nicht aus. Bissigere Bremsbeläge hätten ebenso wenig geschadet, vielleicht die der ersten R6-Generation? Immerhin gehört der Austausch von Verschleißteilen wie Reifen oder Bremsbelägen sowieso zum Alltag eines jeden Schnellfahrers. So steht jedem frei, seine R6-Replika nach Gusto noch weltmeisterlicher zu machen. Für den Run auf die Clubmeisterschaft, zum Beispiel.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote