Fahrbericht: Elektrobikes für Straße und Gelände Zero DS/X

Der US-Hersteller Zero legt die Karten auf den Tisch und präsentiert neue, stark überarbeitete Elektrobikes für Straße und Gelände mit null Emissionen.

Foto: Kozik

Stellen Sie sich vor, ein Motorradhersteller lädt eine Reihe von Journalisten zu einer Präsentation ein und stellt nur einen Fünf-Liter-Kanister Sprit hin - für den ganzen Tag, für alle zusammen. Vor einem ähnlichen Problem stehen die Hersteller von Elektro-Bikes zurzeit, Energie ist nur begrenzt verfügbar. Einer der Vorreiter in diesem Segment ist der kalifornische Hersteller Zero, der an und auf der Offroad-Strecke in Grevenbroich neue Modelle präsentierte, die gegenüber den etwas improvisierten Vorgängermodellen stark verbessert wurden.

Was die permanente Energiekrise jedoch nicht löst. Das Straßenmodell Zero DS hat zwar einen beeindruckenden, 43 Kilogramm schweren Lithium-Ionen-Akku mit 4 kWh Kapazität an Bord, das entspricht in etwa einem Äquivalent von 1,5 Litern Benzin. 60 Kilometer Reichweite versprechen die Amis, in der Praxis lässt der Vortrieb aber je nach Fahrweise mitunter deutlich früher nach. Denn wenn die 100 km/h Topspeed voll ausgeschöpft werden, verkrümeln sich die Balken der Restenergie-Anzeige im Display in einem beängstigenden Tempo. Noch ein paar Spurts mit Vollgas - oder eher Vollstrom -, und schon erkennt die komplexe Regelung des Energiehaushalts, dass der Fahrer über seine Verhältnisse lebt, und dreht ihm ganz allmählich den Saft ab, damit die Fuhre nicht schlagartig stehen bleibt.

So zuckelt man mit verminderter Leistung zum Startpunkt zurück, wo die Akkus vor dem nächsten Einsatz vier Stunden Ladezeit benötigen. Es wächst die Erkenntnis, dass noch gewaltige Schritte in der Speichertechnologie erforderlich sind, bis über ernsthafte Fahrstrecken zu reden ist. Die Kombination aus Fahrleistungen und Reichweiten, wie sie Verbrenner-Motorräder bieten, werden E-Bikes in absehbarer Zeit nicht - wahrscheinlich nie - erreichen.

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Schon heute taugt das Elektro-Zweirad als Kurzstrecken-Verkehrsmittel. Oder als reine Spaßmaschine wie die Zero X, ein kleiner Crosser, der mit 2-kWh-Akku eine gute Viertelstunde Offroad-Amusement erlaubt. Wenn die Energie zur Neige geht, kann der Stromspeicher im Gegensatz zum fest installierten Akku der Straßenmodelle einfach gewechselt werden. Trotz nominell 23 PS Leistung sollten die Erwartungen an die Vortriebskraft auf dem Teppich bleiben, der sandige Boden in Grevenbroich zeigt Grenzen auf. Durchaus eindrucksvoll ist hingegen der Antritt aus dem Stand. Auf festem Untergrund kann man mit den wie Akkuschrauber surrenden Maschinchen herzhaft driften. Phänomenal sind die Traktion und der gleichmäßige Schub.

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Und die Bedienung, Kuppeln und Schalten entfällt, das macht das Fahren kinderleicht. Am Lenker gibt es zwei Bremshebel, die Füße bleiben arbeitslos. Eine spaßige Sache also, einer weiten Verbreitung steht jedoch der hohe Preis im Weg. Das Straßenmodell schlägt mit 10 000 Euro zu Buche, für den Crosser sind ab 7500 Euro fällig. Immerhin sind die laufenden Kosten gering: Eine "Tankfüllung" kostet nur ein paar Cent.

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