Fahrbericht Zero S US-Elektrobike

Schrill ist das Äußere der Zero S, eher still ihr Antrieb. Denn
dank Elektromotor ist beim Fahren kaum etwas zu hören.

Foto: Sdun
John Lloyd, Verkaufsleiter von Zero, der Elektrobike-Schmiede aus Santa Cruz, California, grinst breit auf die Frage nach der Nachfrage: „It’s like selling candies to babies, but these babies have money!“ Die Amis also stehen Schlange nach dem sehr eigenwillig gestylten Elektro-Bike im Supermoto-Stil. In den USA ist die Zero bereits homologiert und kann im öffentlichen Verkehr bewegt werden. Die europäische Homologation wird, so der Zeitplan, Anfang Juli abgeschlossen sein. Vertrieb und Service sollen primär über www.zeromotorcycles.com abgewickelt werden. Zusätzlich ist ein deutsches Händlernetz im Aufbau. Weiter ins Detail wollte oder konnte man bei der Präsentation im olympischen Regattapark bei München noch nicht gehen.

Neal Seiki, Mastermind und Inhaber von Zero Motorcycles, verfolgt mit seinen Modellen – neben der S gibt es noch die nicht zulassungsfähige Cross-Version Zero X – eine ganzheitliche Politik. Sämtliche Komponenten der Zeros einschließlich Akkus sind vollständig recyclebar oder deponie-fähig, wie es vielsagend im Pressetext heißt. Doch man muss kein Ökofreak sein, um die Vorteile des Konzepts zu erkennen: keine Emissionen im Fahrbetrieb, dazu kaum Geräusche. Der E-Motor und die Akkus sind wartungsfrei, Kette, Bremsen und Reifen bedürfen der üblichen Aufmerksamkeit. Trotzdem ist die Freude am Fahren keine ungetrübte. 90 Zentimeter Sitzhöhe stellen für Nicht-Hünen eine ernste Hürde dar, zudem ist die Sitzbank bretthart. Man thront dicht am flachen Lenker, die Fußrasten sind weit hinten montiert. Obendrein ist die Kombination aus der weichen Upside-down-Gabel eines Kinder-Crossers und dem harten Federbein aus dem Downhill-Fahrrad-Sortiment eher unharmonisch. Was auf den ebenen Wegen rund um das Regattabecken weniger stört als die Kippeligkeit beim Wenden. Last not least benötigen beide Bremsen hohe Bedienkräfte, ohne mit der entsprechenden Wirkung aufzuwarten.

Auf Nachfrage versichern die Zero-Mannen, dass die zur Verfügung stehen-den Exemplare handgefertigte Pre-Series-Bikes seien, die nicht dem geplanten Serienstandard entsprächen. Diesem wären auch ein paar zusätzliche Programm-zeilen der Motorsteuerung zu empfehlen, denn mit dem aktuellen Mapping neigt der Stromer zu Konstantfahrruckeln. Heute schon überzeugen hingegen kann der Vollgas-, äh Vollstrombetrieb. Dank des enormen Anfahrdrehmoments sprintet die Zero aus dem Stand los, als gäbe es kein Morgen. Knapp über 100 km/h ist Schluss. Der Spaß soll rund 100 Kilometer andauern, dann muss die Zero für knapp vier Stunden ans Netz. Zeit, darüber nachzudenken, ob einem das E-Bike wirklich 9900 Euro wert ist.

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