9 Bilder
Rockt mit einem komplett überarbeiteten Modelljahrgang die etablierte Verbrenner-Szene: die Zero DS.

Fahrbericht Elektro-Bike Zero S/DS AC/DC

„High Voltage“ hieß das erste Album der Aussie-Rocker von AC/DC, hoch spannend bleibt die Entwicklung bei den Elektro-Motorrädern. Jetzt legt die amerikanische E-Bike-Schmiede Zero mit einem komplett überarbeiteten Modelljahrgang nach und rockt die etablierte Verbrenner-Szene.

Auch wenn man der Elektro-Mobilität kritisch oder gar ablehnend gegenübersteht und behauptet, der Hype sei vorbei: Die Zero S und DS leisten 54 PS. Das ist Wort, müssen selbst alte Verbrenner-Hasen zugeben. Erst Recht in der Kombination mit 175 beziehungsweise 179 Kilogramm Gewicht bei höchster Akku-Kapazität. Und zwar „voll gestromt“, mit reichlich Kilowattstunden an Bord.

Die Zero S und Zero DS liegen also ganz locker auf dem Niveau einer 250er. Das satte Drehmoment von 92 Newtonmetern, das der bürstenlose Permanentmagnetmotor mit Rekuperation praktisch aus dem Stand abliefert, kennt man bestenfalls von 1000ern auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft .

Na, beeindruckt? Aber keine Angst, die Zero-Jungs haben im unteren Geschwindigkeitsbereich weise regelnd eingegriffen. Und zunächst einmal sind das natürlich Prospektangaben. Aber dennoch: Man ahnt, dass da mächtig Zug auf dem reaktionsarmen Riemenantrieb der Zero S und Zero DS ist, wenn der Stromgriff gen Anschlag wandert.

Anzeige

Die E-Bikes Zero S und Zero DS im Stadtverkehr

Und zwar ohne Schalten, ohne Kuppeln, ganz automatisch. Und zunächst erstaunlich sanft, denn unterhalb von 30 km/h haben Zeros Elektro-Tüftler aus dem kalifornischen Santa Cruz dem kompakten Kraftpaket, dessen Antriebswelle konzentrisch mit der Schwingenachse iliegt, den Drehmomentschwall sinnvollerweise ausgetrieben.

Aber dann, einmal in Bewegung, ist schwer was los. Ganz ohne Mühe, nur untermalt vom zunehmenden Schwirren der luftgekühlten Kraftquelle, beamen sich die Zeros durch den Stadtverkehr Barcelonas Richtung Ortsausgang, flutschen mit Leichtigkeit noch in die kleinste Lücke, sind Cityflitzer par excellence.

220 Kilometer Reichweite für die kleine S und 203 Kilometer für die DS verspricht Zero unter diesen Bedingungen für die größte Akku-Variante mit mächtigen 11,4 Kilowattstunden. Mit der kleineren Version (8,5 kWh) sollen es 166 beziehungsweise 153 Kilometer sein. Das ist für ein E-Bike dieser Leistungskategorie und Fahrdynamik ein Spitzenwert, der sogar Benzin-Junkies befriedigen kann.

Aber: Angesichts der beeindruckenden Fahrleistungen (von 0 auf 100 km/h in 5,7 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 153 km/h) und der Durchzugsqualitäten der neuen Zero-Generation stellt der Stadtgrenze nicht wie gewohnt das Ende, sondern den Anfang aller Elektro-Begehrlichkeiten dar.

Anzeige

Die E-Bikes Zero S und Zero DS auf der Landstraße

Selbst Skeptiker wollen mehr. Wollen raus, ab in die Berge, wo direkt vor den Stadttoren der katalanischen Metropole ein faszinierendes Motorradparadies wartet. Wollen sehen, was das E-Bike wirklich kann. Wie ein Hornissenschwarm summt die Zero-Armada durch den spanischen Frühling, bremst und beschleunigt in richtig flottem Landstraßentempo, ohne dass irgendjemand Kupplung, Getriebe oder das Verbrennungsgeräusch vermisst.

Im Gegenteil, es hat etwas von Schwerelosigkeit. Dynamisch und beinahe lautlos flitzen die Zeros durchs katalanische Bergland, wunderbar sanft ist den Amis das Ansprechverhalten des neuen Z-Force-Motors gelungen, der immerhin fast doppelt so viel Leistung freisetzt wie der des Vorjahresmodells mit lediglich 28 PS.

Etwas Gewöhnung verlangen die Zeros lediglich im Eco-Modus am Kurvenscheitel, weil der Vortrieb dann leicht verzögert und über den gesamten Drehzahlbereich spürbar verhaltener ausfällt als im Sport-Modus (umschaltbar auch während der Fahrt über einen Wippschalter links neben dem Cockpit).

Also ein kurzer Klick, jetzt geht’s volle Kraft voraus, die Zero S und Zero DS ändern spürbar ihren Charakter. Statt Gleiten ist jetzt Gasen angesagt, der mühe- und lautlose Durchzug schon aus tiefsten Drehzahlen ist ein absolutes Erlebnis. Vibrationen, Leistungslöcher? Naturgemäß bei dieser Antriebstechnik nicht vorhanden. Und so passiert, was sonst auf einem E-Bike nie passiert.

Chassis, Fahrwerk, Federung, Bremsen

Angesichts dieser Dynamik steht urplötzlich nicht mehr nur der Motor im Mittelpunkt des Interesses, sondern auch das Fahrwerk. Wieselflink huscht die zierliche Zero S von einem Eck ins andere, bietet trotz ihrer zierlichen Statur selbst für große Menschen eine ordentliche Ergonomie, aber leider keinen ansprechenden Federungskomfort. Besonders kurze, harte Schläge leiten die Federelemente des taiwanesischen Zulieferers Fastace beinahe ungefiltert an den Fahrer weiter, und zwar nicht nur auf der Zero S, sondern sogar auf der höheren und vermeintlich komfortableren Zero DS mit ihren längeren Federwegen.

„Wir sind dran“, versichert Zero-Marketingler Martin Driehaus (siehe Interview -Seite 61) auf die Federelemente und die ebenfalls aus Fernost stammenden IRC- und KendaReifen angesprochen und verweist darauf, dass man sich beim Modellwechsel immerhin der Bremsen angenommen habe. Die stammen nun von Nissin und machen ihren Job nicht begeisternd, aber ordentlich.

Dass sich zunächst trotzdem ein etwas eigentümliches Bremsgefühl mit ein wenig „nachlaufender“ Verzögerung einstellt, liegt an der Energierückgewinnung (Rekuperation) beim Verzögern, wenn der Motor praktisch als Generator wirkt und die Akkus lädt. Wie heftig dieses Bremsmoment ist, lässt sich in der jüngsten Zero-Generation ganz trendy via Smartphone-App steuern. Zudem werden dort beinahe alle Parameter angezeigt, die Motor und Akku der Zero-Bikes liefern. Ganz klar der wichtigste: die Restreichweite in Kilometern.

Bei den Testfahrten mit häufigem und heftigem Leistungseinsatz war selbst bei der größten Akku-Version nach rund 120 km der Reserve-Status erreicht, durchschnittlich dürften rund 150 km möglich sein, bevor eine Zero wieder an die (Haushalts-)Steckdose muss, um rund acht Stunden zu laden. Und noch etwas steht einer massenhaften Verbreitung im Wege: Der Preis der neuen Zeros liegt mit 13 995 (8,5-kWh-Version) und 15 995 Euro (11,4-kWh-Version) doch deutlich über dem, was ein vergleichbares konventionelles Motorrad kostet.

Video vom 2009er-Modell der Zero S.
Foto: Zero
Die unbekannte Welt des Elektrobikes: Über das Smartphone in der wasserdichten Aufnahme lässt sich alles bis hin zur Motorcharakteristik steuern.
Die unbekannte Welt des Elektrobikes: Über das Smartphone in der wasserdichten Aufnahme lässt sich alles bis hin zur Motorcharakteristik steuern.

Technische Daten Zero S und Zero DS

Motor
Luftgekühlter bürstenloser Permanentmagnetmotor mit Rekuperation am Hinterrad, integriertes Ladegerät, 1,3 kW, Batterie: Lithium-Ionen-Batterie, 84 (112) Zellen, maximale Akku-Kapazität 8,5 kWh (11,4 kWh), kupplungsfreier Direktantrieb, Zahnriemen.

Nennleistung 40,0 kW (54 PS) bei 4300/min
Max. Drehmoment 92 Nm
Max. Drehzahl 6300/min

Fahrwerk
Brückenrahmen aus Aluminium, Upside-down-Gabel, Ø 48 mm, Zweiarmschwinge aus Alu, Zentralfederbein, direkt angelenkt, Scheibenbremse vorn, Ø 314 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, Scheibenbremse hinten, Ø 221 mm, Einkolben-Schwimmsattel.

Zero S:
Speichenräder mit Alufelgen 3.00 x 17; 3.50 x 17
Reifen 110/70-17; 130/70-17

Zero DS:
Speichenräder mit Alufelgen 2.15 x 19; 3.00 x 17
Reifen 100/90-19; 130/80-17

Maße + Gewichte
Zero S: Radstand 1406 mm, Lenkkopfwinkel 66,2 Grad, Nachlauf 82 mm, Federweg v/h 140/149 mm, Gewicht fahrfertig 161 (175) kg, Zuladung 181 (167) kg, Sitzhöhe 794 mm, Höchstgeschwindigkeit 153 km/h, Reichweite Stadt 166 (220) km, Autobahn bei konstant 112 km/h 85 (113) km, kombiniert 113 (150) km, Ladezeit 6,0 (7,9) Std., Schnellladezyklus (CHAdeMO) 1,0 Std. (95 %).
Zero DS: Radstand 1435 mm, Lenkkopfwinkel 65,5 Grad, Nachlauf 117 mm, Federweg v/h 178/195 mm, Gewicht fahrfertig 165 (179) kg, Zuladung 178 (164) kg, Sitzhöhe 873 mm, Höchstgeschwindigkeit 153 km/h, Reichweite Stadt 153 (203) km, Autobahn bei konstant 112 km/h 74 (98) km, kombiniert 100 (132) km, Ladezeit 6,0 (7,9) Std., Schnellladezyklus (CHAdeMO) 1,0 Std. (95 %).
Farben Zero S: Schwarz, Gelb
Zero DS: Grün, Orange
Preise Zero S ZF 8.5/DS ZF 8.5: 13995 Euro
Zero S ZF 11.4/DS ZF 11.4: 15995 Euro
Kontakt www.zeromotorcycles.de

Foto: Zero
Soll in knapp 4 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen: die Zero FX.
Soll in knapp 4 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen: die Zero FX.

Zero FX

Leider nur für eine kurze Proberunde stand bei der Präsentation auch die FX bereit, die in nochmals neue Elektro-Fahrleistungssphären führt. 125 Kilogramm Gesamtgewicht bei 44 PS und 95 Newtonmetern Drehmoment - das drückt einem schon mal die Gabelbrücke ins Gesicht. In knapp vier Sekunden soll die FX auf 100 km/h beschleunigen, die Akkus mit 2,8 kWh (ein Akku) oder 5,7 kWh (zwei Akkus) sind herausnehmbar. Der Preis beträgt 9495 beziehungsweise 11 995 Euro.

Foto: Zero

Interview mit Martin Driehaus, Zero-Marketingdirektor

„Da wird sich noch einiges tun“
Zero-Marketingdirektor Martin Driehaus (45) über den Zauber einer Probefahrt mit einem Elektrobike, die Wartungs- und Steuerfreiheit der Zeros, das hohe Entwicklungstempo und die Einstufung in die 48-PS-Klasse.

? Herr Driehaus, wer interessiert sich für Ihre Produkte - und wer kauft sie letztendlich?

! Natürlich ist das Feld der Interessenten weit gefächert, aber wir stellen schon fest, dass sich viele Neu- oder Wiedereinsteiger für unsere Produkte interessieren.

? Warum gerade die?

! Zum einen, weil die neuen Modelle S und DS trotz 54 PS Spitzenleistung Führerschein-A2-tauglich sind, denn sie sind mit einer Dauerleistung von 22 PS homologiert. Zum anderen ist es natürlich der überschaubare Wartungsaufwand, denn außer dem Luftdruckprüfen ist eigentlich nichts zu tun, und regelmäßige Inspektionen schreiben wir aufgrund des praktisch wartungsfreien Motors nicht vor. Und dann sind da natürlich der nicht vorhandene Schadstoffausstoß und die Faszination des Elektroantriebs. Und Öl- oder Benzinflecken in der Garage gehören mit einer Zero übrigens ebenso der Vergangenheit an wie Schalten und Kuppeln oder Kfz-Steuer oder Benzin zu zahlen!

? Was schreckt die Kunden mehr ab? Die eingeschränkte Reichweite oder Zweifel an der Dauerhaltbarkeit?

! Zunächst zur Dauerhaltbarkeit: Wir geben bei den Straßenmodellen zwei Jahre Garantie auf Motorrad und Akkus. Die Akku-Kapazität des größten Akku-Paketes geht erst nach über 450000 Kilometern langsam auf 80 Prozent zurück. Mit diesem Paket liegt die Reichweite zwischen 220 Kilo-metern im Stadtverkehr und gut 110 Kilometern bei rund 110 km/h auf der Autobahn. Für das Einsatzspektrum der meisten Kunden reicht das aus, aber wir arbeiten kontinuierlich daran, alles zu verbessern. Wir haben zum Beispiel die Leistung gegenüber dem letztjährigen Modell bei gleicher Reichweite praktisch verdoppelt und die Ladezeit um 25 Prozent verkürzt. An einer CHAdeMO-Station, von denen es in Deutschland leider erst wenige gibt, ist das Schnellladen mit entsprechendem Kit in einer Stunde möglich. Da wird sich noch einiges tun.

? Wie vermittelt man die Faszination Elektro angesichts der vielen Vorbehalte?

! Am besten mit einer Probefahrt. Ganz ehrlich: Sitzen die Menschen erst einmal auf der Zero und fahren, ist schon ganz viel gewonnen. Diese Dynamik haben die meisten nicht erwartet.

? Wo kann man Probe fahren?

! Zurzeit haben wir in Deutschland zwölf Händler, bauen das Netz aber kontinuierlich weiter aus. Eine Liste findet sich auf der Website www.zeromotocycles.de

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel