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Ein legendärer Chopper wurde von MOTORRAD gefahren, um auf den Spuren Peter Fondas das Gefühl wahrer Freiheit zu erleben.

Kult-Motorrad aus Easy Rider: Captain America Intermot-Countdown 8: das Film-Bike

Das Kultbike schlechthin, die berühmteste Filmmaschine aller Zeiten: Captain America, Peter Fondas Panhead aus Easy Rider. Bis heute ist diese Harley der Inbegriff des Choppers. Es gibt keinen kultigeren.

Diese Geschichte zu schreiben, fällt mir dreifach schwer. Zum einen darf der geneigte Leser ruhig wissen, dass ich kein Chopperfahrer bin, sondern eher den Lenker etwas niedriger und den Motor etwas stärker mag. Zum zweiten war ich gerade mal neun, als Easy Rider zum ersten Mal öffentlich durch den Filmprojektor ratterte. Und zum dritten und traurigsten: Dennis Hopper, der Regisseur von Easy Rider und Filmkumpel von Peter Fonda, starb just dieser Tage. Und das trifft uns doch tief, wenn man ihn dann noch einmal als Billy und als Bild von einem Biker neben Captain Ameria über die Leinwand prötteln sieht.

Ich versuche es trotzdem. Rückblende ins Jahr 1969: Die Amerikaner führen Krieg in Vietnam, eine Viertelmillion Menschen protestiert dagegen in Washington. Zweimal landen die Amis auf dem Mond. Richard Nixon wird US-Präsident, Willy Brandt Bundeskanzler. Motorradfahren ist in Deutschland ziemlich out, die meisten großen Motorradhersteller sind pleite oder kurz davor. Die Hippie-Bewegung erreicht in Woodstock ihren Höhepunkt, Flower Power, LSD, Rockmusik, eine riesige Gegenkultur zum spießigen Establishment entsteht und wird auch gelebt. Genau in diese Aufbruchsstimmung setzt Dennis Hopper sein Roadmovie Easy Rider und zeigt das ganze gesellschaftliche Geschehen aus der Sicht zweier Biker, die irgendwie gar nicht in die Welt passen: Wyatt und Billy, Fonda und Hopper, fahren quer durch die vereinigten Staaten. "A man went looking for America. And couldn`t find it anywhere..." steht auf dem Filmplakat. Und so spielt auch die Handlung. Die beiden erleben eine Menge seltsamer Dinge, fühlen sich grundsätzlich überall missverstanden und werden zum traurigen Schluss im konservativen Süden von der Flinte eines Rednecks totgeschossen. Ein bisschen überzeichnet, klar, aber mit genialer Musik unterlegt und mit wirklich herrlichen Landschaftsszenen versehen.
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Foto: Sdun
Kein Kotflügel, keine Bremse, damals war die Freiheit wirklich noch grenzenlos.
Kein Kotflügel, keine Bremse, damals war die Freiheit wirklich noch grenzenlos.
Ein Meilenstein der Filmgeschichte, an dem sich noch heute alle echten Biker festhalten. Warum? Nun, im Film wird nicht so viel geredet, dafür viel geraucht, getrunken und gefahren. Dinge, die heute noch vielen Bikern am Herzen liegen. Das passt also. Und darf man sich bei der immer wieder aufflammenden Medienhetze gegen Motorrad-fahrer auch heutzutage nicht noch ein bisschen wie ein Outlaw fühlen? Man darf. Easy Rider traf und trifft einfach das Lebensgefühl vieler Biker.

Wer 1969 noch nicht wusste, wie ein richtiger Chopper aussieht, der wusste es nach diesem Film: Starrrahmen, endlos lange Gabel, Apehänger-Lenker, Tropfentank. Nach Easy Rider entstanden zunächst zaghaft, dann aber Ende der 1970er vermehrt, zahlreiche Serien-Nachahmer-Maschinen. Doch echte Chopper dürfen nicht serienmäßig hergestellt werden. To chop heißt abhacken, wegschrauben im übertragenen Sinne. Und genau diese Philosophie verkörperten die beiden Harleys im Film. Standard-Harleys, extrem reduziert und verziert zugleich. Stilbildend. Cliff Vaughn schuf die beiden Filmmotorräder. Die Captain America entstand aus einer 1951er Harley-Davidson FL, die Peter Fonda wohl aus Polizeibeständen gekauft hatte. Der 1207 Kubikzentimeter große Panhead-Motor schüttelt seine gut 50 Pferdestärken über ein Vierganggetriebe aufs ungefederte Hinterrad. Nahezu alles an der Maschine wurde verchromt: Rahmen, Motordeckel, Gabelrohre, Rastenanlage. Da es eh' gefährlich gewesen wäre, die extrem flach angestellte Gabel mit hohen Bremskräften zu traktieren, wurde die Vorderbremse gleich ganz weggelassen. Und da es "in southern California" sowieso nie regnet, brauchte Wyatt auch keinen Kotflügel vorn. Dafür darf er sich den Hinten auf einer extrem schmalen Sitzbank mit Nieten massieren lassen und cool an eine hohe Sissybar lehnen, auf der sein Helm mitfährt.

Sensationell gelangen die spektakulären Fishtail-Auspuffendstücke, genauso wie die tausendfach kopierte Stars-and-Stripes-Tanklackierung. Und der schmale 21-Zöller im Vorderrad passt noch heute zu dem moderat breiten 120er hinten. Eine solche Harley wirkt noch immer. Chromfunkelnd, detailverliebt, extrem schlank. Die hier gefahrene Replica baute sich Matthias Korte, Geschäftsführer der Harley-Factory in Frankfurt, in mühevoller Kleinarbeit auf.
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Foto: Sdun
Die Mutter aller Chopper: Filmbike von Peter Fonda.
Die Mutter aller Chopper: Filmbike von Peter Fonda.
Einige Mühe braucht man auch, um die aus einem Vergaser gefütterte Maschine anzukicken und behutsam anzufahren. Aus den Fishtails knallt der V2, spielt das Lied des Highways: dreckig, rotzig, herb - purer Rock 'n' Roll. Aber nichts für öffentliche Straßen in Deutschland. Man bleibt also besser auf dem Privatgelände der Harley-Factory. Diesem enorm wertvollen Bike soll niemand ein Haar krümmen oder auch nur einen schnöden Strafzettel anheften.

Wer noch nie einen Starrrahmen gefahren ist, verpasst nichts. Das hoppelt und stolpert über die kleinsten Fugen wie verrückt. Nach zehn Minuten tut der Allerwerteste heftig weh. Man muss also vor den Filmgrößen den Hut ziehen. Auch übrigens vor dem Mitfahrer Jack Nicholson, der als Provinzanwalt George Hanson im Film bei Fonda hinten drauf saß. Und sie fuhren wirklich viele, viele Meilen bei Easy Rider. Gottseidank hat der Herr die Menschheit die Hinterradfederung erfinden lassen. Bei ihm da oben fährt jetzt Dennis Hopper spazieren. Auf einer ziemlich langen geraden Wolke in Richtung Sonnenuntergang. Um es mit Steppenwolf zu sagen: "We can climb so high, I never wanna die."
Foto: Sdun
Der Zweizylinder-V-Motor von Panhead bringt mit 1207 Kubikzentimetern immerhin fast 60 PS auf die Straße.
Der Zweizylinder-V-Motor von Panhead bringt mit 1207 Kubikzentimetern immerhin fast 60 PS auf die Straße.

Technische Daten der Captain America

Motor:
Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-45-Grad-V-Motor, zwei Ventile pro Brennraum, über Stoßstangen und Kipphebel gesteuert, Bohrung x Hub 87 x 101,6 Millimeter, 1207 cm3, 44 kW (60 PS) bei 4800/min, Spulenzündung, ein 33er-Vergaser, Kickstarter, Nasskupplung, Primärtrieb über Kette, Vierganggetriebe.

Fahrwerk:
Rohrrahmen aus Stahl, vorn Telegabel, Hinterrad starr geführt, hinten Trommelbremse, 21/16-Zoll-Drahtspeichenrad vorn/hinten, Doppelsitzbank mit Sissybar

Preis:
Unbezahlbar

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