Foggy Petronas FP1 der Strassenfeger

Superbikes sind Rennmaschinen, die zwar von supersportlichen, aber straßenzugelassenen Motorrädern abstammen. Je nach Größe des Herstellers muss es sie zwischen 150- und 1000- mal geben, bevor sie auf die Rennpisten dieser Welt losgelassen werden dürfen.
Im Falle der Foggy Petronas FP1
war es ganz anders. Innerhalb nur
eines guten Jahres stampfte eine völlig neu formierte Truppe, finanziert vom halbstaatlichen malaysischen Ölkonzern Petronas und dirigiert vom vierfachen Superbike-Weltmeister Carl Fogarty, das FP1-Rennmotorrad buchstäblich aus dem Nichts.
Obwohl die Rennerfolge im Premieren-
jahr 2003 nicht durchschlagend waren, wartete die gesamte Zweiradwelt gespannt auf den FP1-Straßenfeger, wenn auch aus sehr unterschiedlichen Gründen. Bezweifelten die einen schlichtweg die Existenz der zur Superbike-Homologation notwendigen zweimal 75 Maschinen, die im Laufe eines halben Jahres vorgestellt werden mussten, wollte der freundlichere Teil der Motorrad-Fans endlich das Straßenmotorrad erleben, das
direkt von der Rennstrecke kommt.
Und tatsächlich: Die erste der Öffentlichkeit präsentierte Foggy-Petronas-
Straßenmaschine zeigt sämtliche Feinheiten der Rennmaschine. Der 900-cm3-
Reihendreizylinder rückwärts rotierender Kurbelwelle verfügt über Kolben, Pleuel, Ventile und Nockenwellen, die weitgehend identisch mit den Teilen des Superbikes sind. In der schallgedämpften und abgasseitig für den Straßenverkehr adaptierten Variante, die gleichwohl die einzigartige Drei-in-eins-in-zwei-in-drei-Auspuffanlage aufweist, blieben von
den offiziell angegebenen rund 185 PS der Rennversion zwar »nur« 129 PS bei 10000/min übrig. Sie müssen jedoch
gerade mal 181 Kilogramm fahrfertig
vorwärts treiben.
Dazu das edle Öhlins-Fahrwerk,
die Vierkolbenzangen der 320er-Brembo-Doppelscheibenbremse, der steife Rennrahmen aus Alu mit Vollkarbon-Rahmenheck, das beim Superbike austauschbar ist und mit unterschiedlicher Wandstärke zur Fahrwerksabstimmung beitragen soll. Schließlich die Kohlefaser-Verkleidung, an der die Lichtanlage samt Blinkern
eher provisorisch wirkt. Vielleicht sogar bewusst, um die Rennstreckenanmutung zu erhalten: Die FP1 bietet ihren ersten 100 Kunden, mehr Maschinen sind derzeit noch nicht für die Auslieferung fertig, reinrassige Renntechnik für die Straße, die mit gut 36000 Euro allerdings auch fürstlichst bezahlt werden will.
Obwohl Carl Fogarty fraglos jegliche Neutralität fehlt, war ihm, nachdem er
als einer der ersten sein Baby auch in
der Straßenversion fahren konnte, echte Begeisterung anzumerken. »Der erste Eindruck ist unglaublich. Ich muss ehr-
lich sagen, dass mir die Straßenversion
deutlich mehr zusagt als das Superbike«, überraschte der Champion, »die Gesamtcharakteristik ist bedeutend angenehmer. Der Motor packt schon viel früher zu.
Du musst ihn nicht in so astronomische Drehzahlen quälen wie die Rennmaschine.« Und dann ging mit dem alten Meister auf der malaysischen Grand-Prix-Strecke von Sepang der Racer durch: »Zuerst
bin ich ja nur rumgecruist. Aber irgendwann habe ich realisiert, dass außer mir
ja noch unser Testfahrer Sharol Yuzy
draußen auf der Strecke war, immerhin bis 2002 250er-GP-Pilot. Und ich konnte
einfach nicht nachlassen, bevor ich ihn
hinter mir gelassen hatte. Dabei hatte
ich genug Zeit festzustellen, dass das Fahrwerk fantastisch leicht und sehr
direkt funktioniert, kaum anders als beim Rennmotorrad.«
Nicht geklärt ist derzeit der endgültige Produktionsstandort. Die 150 bereits
existierenden FP1-Maschinen wurden je zur Hälfte im britischen Entwicklungslabor SFX und beim malaysischen Kleinkraftradhersteller Modenas gebaut. Ebenfalls zu Besuch bei der FP1-Präsentation in Kuala Lumpur war Benelli-Boss Andrea Merloni, der mit dem Verweis auf seine, wenn auch bisher eher spärliche Dreizylinder-Produktion großes Interesse an einer Kooperation mit den Malaysiern zeigte, welche tatsächlich einen Partner für die FP1-Fertigung suchen.

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