Gilera Runner 180 Himmelsstürmer

Dynamisches Rollerfahren erreicht eine neue Dimension. Mit dem Gilera Runner FX-R 180 glänzt ein neuer Stern am Himmel der Sportrollerfans.

Neunzehn PS, hundertzwanzig Kilo fahrbereit und Zwölf-Zoll-Räder mit fetter Niederquerschnittsbereifung - der Gilera Runner FX-R 180 scheint seinem Namen tatsächlich alle Ehre zu machen. Also auf zur Praxisprobe. Starterknopf drücken, was der Runner rasch mit dumpfem Auspuffknattern beantwortet. Beim Anfahren gibt es das erste Aha-Erlebnis. Der Dreh am Gasgriff wird ohne jegliche Gedenksekunde von der sanft einrückenden Fliehkraftkupplung in eine druckvolle Vorwärtsbewegung umgewandelt. So werden dösende Motorradfahrer an der Ampel zum Opfer des FX-R 180 und dieser zum König des Stadtverkehrs. Der Runner-Pilot tut im Stand allerdings gut daran, die Motordrehzahl leicht über Leerlaufniveau zu heben, da das 180er Triebwerk ansonsten mit derben Vibrationen nervt.
Wie ernst es der Gilera mit den sportlichen Qualitäten nimmt, zeigen die Beschleunigungswerte. Mit 9,9 Sekunden von null auf 100 km/h läßt der FX-R 180 selbst die leistungsmäßig gleich starke Riege der Komfortroller à la Yamaha Majesty 250 oder Honda Foresight 250 hinter sich. Auch in puncto Höchstgeschwindigkeit - der Runner rennt 121 km/h - können die Rollerboliden nicht mithalten. Tatsächlich gibt es endlich einen sportlichen Roller, der auf kurvigen Landstraßen mit Autos mithalten kann und das Potential hat, einen Lkw zu überholen. Daß der Gilera dabei etwas mehr Benzin verbraucht - ganze 4,1 Liter auf 100 Kilometer - läßt sich angesichts der gebotenen Leistung locker verkraften.
Einen wesentlichen Teil des Fahrspaßes steuert das Fahrwerk bei. In Sachen Fahrstabilität gibt sich das Stahlrohrgeflecht unter der Plastikverkleidung kaum eine Blöße. Das dürfte mit auf die gelungene Gewichtsverteilung des Runners zurückzuführen sein, denn unter dem hohen, rolleruntypischen Mittelsteg versteckt sich der neun Liter fassende Benzintank und bringt so mehr Last auf das Vorderrad. Die Wahl der Federelemente wurde aber offensichtlich leider vom Rotstift bestimmt. Die straffe Gabel spricht auf Unebenheiten schlecht an und macht einen überdämpften, unkomfortablen Eindruck. An der Hinterhand wirkt das Federbein bisweilen etwas unterdämpft, das Heck wippt in schnellen, welligen Kurven spürbar nach. Da es sich nicht in der Federvorspannung auf unterschiedliche Fahrergewichte oder Beladungszustände einstellen läßt, schlägt es unter hoher Beanspruchung öfters durch.
Auch die Bremsen müssen sich Kritik gefallen lassen. Die vordere, bei der die 220-Millimeter-Scheibe immerhin von einer Doppelkolbenzange in die Mangel genommen wird, zeigt erst bei hoher Handkraft ausreichend Wirkung. Und die Trommelbremse am Hinterrad ist bei korrekter Einstellung gerade so akzeptabel. Der Tausch gegen eine Scheibenbremse mit Biß ist ratsam.
Bei der praxisgerechten Ausstattung steht es dagegen um den 5650 Mark teuren FX-R 180 nicht schlecht. Zwar fehlen ihm Zeituhr, Handschuhfach und Gepäckträger, doch bietet er dafür einen leichtgängigen Hauptständer, gutes Fernlicht und ein geräumiges Helmfach.

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