Schon gefahren: Gocycle Ein neues Elektro-Bike kommt auf den Markt

Erst Geschwindigkeit aufbauen, dann E-Power zuschalten - ab geht's durch den Stadtdschungel. Mit dem Gocycle lassen Sie andere E-Bikes alt aussehen.

Foto: Bilski

Nichts Halbes, nichts Ganzes. Diese Meinung haben die meisten sportlich orientierten Fahrrad- und Motorradfahrer von Zweirädern mit zuschaltbarem Hilfsmotor, den sogenannten Pedelecs. Ähnlich lautete auch die Meinung der 2Räder-Tester - vor der Testfahrt. Nach den ersten Kilometern mit dem Gocycle waren einige Vorurteile zu revidieren; das Gocycle räumt gründlich auf mit dem Oma-Image. Im Test erwies sich das Rad als riesiger Spaßmacher. Gehen, wie der Name irreführend verheißt, kann man mit diesem Rad weniger, aber abgehen tut da schon ganz schön was. Zum Beispiel im Stadtverkehr, wenn man Autos und sogar flinken Fahrradkurieren immer eine Radlänge voraus ist. Optisch gleicht das Bike in den Grundelementen anderen Stadträdern. Der gerade, schnörkellose Lenker, die kleinen Reifen und der Standardsattel erinnern an gängige Modelle. Wenn da nicht das unschlagbare Gewicht von nur 16,2 Kilogramm und die schneeweiß-glänzende Optik mit Markenprint wären.

Der futuristische Rahmen und die luftig-leichten Laufräder gefallen auf Anhieb. Der Erfinder des Gocycle, Richard Thorpe, hat 2002 den Formel-1-Rennstall McLaren verlassen und dieses Gefährt entwickelt. Seine Freude für feine technische Details ist an jeder Stelle wiederzuentdecken: Der Rahmen besteht aus einer mit Stahl gefüllten Magnesium-Legierung. Kette und Motor sind unsichtbar in die Konstruktion integriert. Ketteölen und Flecken an der Kleidung gehören der Vergangenheit an, außerdem schützt die gekapselte Bauweise den Elektromotor vor Verschmutzung. Die Magnesium-Laufräder sind mit einer durchdachten Mechanik seitlich an der Nabe fixiert; sie lassen sich ohne Kraftaufwand abbauen. Auch Sattel- und Lenkerhöhe sind verstellbar. Doch bevor es ans Auseinanderbauen geht, soll das Gefährt noch einmal zeigen, was es kann: Zuerst muss per Pedaldruck eine Grundgeschwindigkeit aufgebaut werden, dann liefert der rote Knopf an der linken Lenkerseite den zusätzlichen Vortrieb per Elektromotor ans Vorderrad.

Und der Motor reagiert unheimlich direkt: Energisch zieht er das Rad nach vorne, für das Durchschnittstempo auf einem Radweg ist man deutlich zu schnell. Die Schlange an der Ampel bleibt links liegen. Jetzt nochmal ordentlich in die Pedale treten, und ab auf die Straße. Die Sicht ist wegen der aufrechten Sitzposition ideal, der Sattel bequem. Leichtfüßig schlängelt sich das Gocycle durch die Kolonnen, bei Bedarf elektrisch unterstützt. Nicht durchgehend, dann wäre erstens die Batterie zu schnell leer, außerdem ist das Surren des Motors kein besonders angenehmes Geräusch - weder für Radfahrer noch für Fußgänger. Gelangt der Akku ans Ende seiner Kräfte, macht er piepsend auf sich aufmerksam. Kleine Steigungen meistert das Gocycle souverän, sobald es aber steiler wird, geht dem weißen Stadtflitzer die Power und dem Fahrer die Puste aus. Wer das Gerät für die Fahrt zur Arbeit nutzt, wird kaum mehr verschwitzt dort ankommen - dafür mit einem breiten Grinsen im Gesicht. So etwas macht auch anderen Spaß, deswegen empfiehlt es sich, das Gefährt trotz integriertem Sicherheitsschloss zusätzlich vor Langfingern zu sichern.

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Foto: Bilski

Kurzurteil

Positiv

  • Kette und Batterie im Rahmen integriert
  • Extrem handlich
  • Sehr stadttauglich
  • Schöne Verarbeitung
  • Viel Zubehör
  • Verstaubar im Rollkoffer


Negativ

  • Hoher Preis
  • Leichte Beute für Diebe
  • Zubehör von anderen Marken ist schwierig anzubringen
  • Nur drei Gänge
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Foto: Archiv

Technische Daten

Motor Elekro-Nabenmotor
Batteriekapazität Akku à 9 Ah
Kraftübertragung Direkt
Leistung 250 Watt
Max. Drehmoment k. A.
Bremse vorn Scheibe (Ø 128 mm)
Bremse hinten Scheibe (Ø 128 mm)
Reifen vorn 20 x 1,75
Reifen hinten 20 x 1,75
Federweg vorn/hinten starr/250 mm
Ladedauer 3,5 Stunden
Farben weiß, demnächst auch schwarz
Kosten pro 100 km zirka 0,20 Euro
Preis 1795 Euro inkl. Nebenkosten

Foto: Archiv

Das Gocycle zum einklappen

Mit dem Gocycle zum Bahnhof, mit dem Zug weiter, und am Zielort wieder aufs Gocycle setzen? Kein Problem, in Minuten lässt sich das Pedelec auseinanderbauen. Sie brauchen dafür weder Werkzeug, noch können Sie sich Hände oder Kleidung mit Kettenöl beschmieren; das Prinzip ist kinderleicht. Um das Gocyle zu verstauen, stellen Sie das Rad am besten verkehrt herum auf dem Sattel ab. Zunächst werden Schnellverschlüsse der Magnesium-Laufräder geöffnet und die Räder von der Nabe genommen. Sie können nun in die dafür vorgesehenen Fächer in einem Hartschalen-Koffer (Zubehör; 139,90 Euro) verstaut werden. Danach werden die Schutzbleche entfernt und ebenfalls in den Koffer gepackt.

Um den Rahmen zusammenzufalten, ist lediglich ein Verbindungsstift zu lösen. Der zusammengeklappte Rahmen passt nun perfekt zwischen die Laufräder in den Koffer. Dann die Schnellspanner-Schrauben des Lenkerrohrs und der Sattelstütze öffnen, diese lassen sich dann einfach aus dem Rahmen ziehen und auf dem zusammengefalteten Rad ablegen. Jetzt das hat Gocycle nur noch eine Größe von sagenhaften 65x54x26 cm. Der Hartschalenkoffer mit Rollen schützt das Rad vor Beschädigungen, er ist vor allem auf Flugreisen nützlich. Für den Kurzstrecken-Transport in der Bahn reicht der ebenfalls als Zubehör erhältliche Softbag für 69,90 Euro vollkommen aus.

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