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Die neue Harley-Davidson 1200 Sportster Roads­ter im Kompakttest.

Harley-Davidson 1200 Sportster Roads­ter im Test On the Roadster

Eine neue Harley gibt es nicht alle Tage. Insofern stellt die jüngst vorgestellte Harley-Davidson 1200 Sportster Roads­ter eine kleine Sensation dar. Wir durften die neue Harley ausprobieren.

Eine neue Harley gibt es nicht oft. Wobei, ganz neu und von Grund auf frisch konstruiert ist sie dann doch nicht. Vielmehr handelt es sich bei „XL 1200 CX“, das Kürzel verrät es, um eine weitere Variante der beliebten 1200er-Sportster-Familie. Die Forty-Eight spendet der Harley-Davidson 1200 Sportster Roads­ter den 12,5-Liter-Peanut-Tank und den winzigen Scheinwerfer.

Neu sind die schönen Speichenfelgen (vorne 19 Zoll, hinten 18 Zoll), eine verdächtig an die XR 1200 erinnernde Upside-down-Gabel (43 Millimeter Durchmesser, Cartridge-Bauweise, progressive Federn), hintere Stoßdämpfer („Premium Ride“) und eine Doppelscheibenbremsanlage. Durch die neuen Fahrwerkskomponenten gewinnt die Harley-Davidson 1200 Sportster Roads­ter im Vergleich mit Mama Sportster an Federweg und erheblich an Schräglagenfreiheit.

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Ein Hauch von Sportlichkeit

Tatsächlich kann man ihr mit der Presseabteilung im Nacken beinahe so etwas wie Sportlichkeit attestieren – für eine Harley. Aber der Reihe nach, denn das bestimmende Merkmal der Harley-Davidson 1200 Sportster Roads­ter ist nicht ihr Chassis oder Fahrwerk, sondern die eigentümliche, aber oberlässige Sitzposition. Der Versuch einer Beschreibung: gemäßigte Sitzhöhe, 785 Millimeter. Man sitzt hinten und unten in einer schmalen, harten, aber schön geformten Kuhle, die Fußrasten eher mittig und sehr breit auseinander. Die schmale Lenkstange ist derart gekröpft, dass die Ellbogen fast automatisch ausfahren, liegt aber sehr nahe beim Piloten. Dessen Blick geht, vorbei an einem bei Tage nahezu nicht ablesbaren (aber sehr schicken) Nichts von einem Kombiinstrument, praktisch direkt auf die Straße.

Das schaut cool aus und fühlt sich cool an, erinnert irgendwie an wilde Zeiten. Bis das Steißbein früher oder später genug hat von den wilden Zeiten und ziemlich taub eine Kaffeepause verlangt. In der Zwischenzeit allerdings macht diese aufgenötigte, aber schöne und halbwegs fahraktive Haltung (für eine Harley!) Lust auf Canyon-Surfen. Und das kann die Harley-Davidson 1200 Sportster Roads­ter gar nicht mal schlecht. Verglichen mit der Forty-Eight lenken die hier verbauten Reifendimensionen um ein Vielfaches neutraler und kräfteschonender ein, und deutlich später als bei allen anderen Sportstern gehen die Schleifbolzen auf Asphalt.

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Roadster empfiehlt sich als fahraktivste Sportster-Variante

Die neue Upside-down-Gabel arbeitet genau wie die Federbeine straff, aber damit liegt die Harley-Davidson 1200 Sportster Roads­ter ehrlich und ordentlich. Sänftiger Komfort wäre auch nicht so authentisch. Ebenfalls authentisch, aber für kompressorverwöhnte Redakteure vielleicht ein wenig schwach auf der Brust, ist der 1200er-Evolution-Motor. Der profitiert zwar von einer kürzeren Gesamtübersetzung, stellt sein maximales Drehmoment von immerhin 97 Nm allerdings erst bei über Dreiviertel-Nenndrehzahl bereit – will also, soll es mehr als Wanderdünen-Modus sein, die Sporen kriegen. Er dreht aber durchaus willig, seine Lebensäußerungen und der Puls stimmen.

Lässt man die Harley-Davidson 1200 Sportster Roads­ter dann schön laufen, stellt die Doppelscheibe vorne eine große Bereicherung dar. Die verzögert – nicht nur für eine Harley – mit Zahn, Dosierbarkeit und abgesichert von einem ordentlichen ABS. Damit empfiehlt sich die Roadster unterm Strich als deutlich fahraktivste Sportster-Variante. Ein authentischer, schnörkelloser, echter amerikanischer Café­Racer. Wenn man so will, also irgendwie doch eine ziemlich neue Harley-Davidson.jm

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