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Harley-Davidson Electra Glide Ultra Limited im Fahrbericht Traditionsbruch mit wassergekühltem V2-Motor

Überraschende News von Harley: Nach über 100 Jahren soll nun erstmals Wasser im Stoßstangen-V2-Motor helfen, einen kühlen Kopf zu bewahren. MOTORRAD fuhr die wassergekühlte Harley-Davidson Electra Glide Ultra Limited.

August 2013 am Kunstmuseum in Denver/Colorado. US-typisch stolz-patriotisch und amerikanisch locker präsentiert Harley-Davidson seine 2014er-Modelle: ABS für alle Sportster und erstmals seit 1909 kombinierte Luft-/Wasserkühlung im Kern der Company, dem 45-Grad-V2-Motor. Wow! Tradi­tionsbruch nach 110 Jahren Geschichte? Nicht ganz. Zunächst einmal erhalten alle Touring-Modelle leicht erstarkte Motoren, den High Output Twin Cam 103 mit neuen Nockenwellen und strömungsoptimiertem Luftfilter. Auf diesen V2 pflanzt Harley nur bei den zwei opulenten Electra Glides, nämlich der Ultra Classic und der Ultra Limited, wassergekühlte neue Zylinderköpfe.

Und zwar fast unsichtbar: Diese Ikone von einem Motor sieht aus wie bisher. Operation gelungen. Der kühlende Wassermantel umspült bloß die besonders heißen Auslassventile. „Twin Cooled“ nennt Harley sein Kühlsystem. Die zugehörigen Wasserkühler sind in den klassischen Beinschilden der zwei E-Glides versteckt. Daher verzichten die untenherum nackte Street Glide als aktuell meistgebaute Harley und die Road King Classic auf kühlere Köpfe. Bis auch dort unauffällige Kühler kommen? Dreieinhalb Jahre dauerte das „Projekt Rushmore“, die Entwicklung der 2014er-Touring-Modelle. In sie flossen die Ergebnisse großer Kundenumfragen ein.

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100 Bauteile an Harley-Davidson Electra Glide überarbeitet

Ein Ergebnis: E-Glide-Fahrer wünschten sich sehr, bei sommerlichen Paraden we­niger „gegrillt“ zu werden. Harley hat an den Tourern insgesamt 100 Bauteile zwischen Front- und Heckfender überarbeitet. Alles, ohne den Stil zu ändern. Sound, Look und Feeling blieben erhalten. Vorm Museum in Denver wirkt die E-Glide wie eine fahrende Skulptur. Sehen und gesehen werden. „How cool is that?“, fragt ein Bewunderer. Er meint das Gesamtkunstwerk mit der organisch geformten, seit 1969 stilprägenden Batwing-Verkleidung. Sie erhielt eine verriegelbare Klappe zur besseren Belüftung, ist an den Seiten schnittiger gestaltet. Der aus­ladend mit dem Lenker mitschwenkende XXL-Windschild überragt den modernen, hellbläulich strahlenden LED-Scheinwerfer.

Die neue Lampe ist mit den LED-Zusatzleuchten links und rechts ein sicheres Erkennungszeichen der 2014er-Electra Glide Ultra Limited. Es verlangt Einsatz, um sie vom Seitenständer zu hieven. Puh, volle 414 Kilogramm vereint die schwerste Harley, ein Kilo mehr als bislang. Fünf Kilogramm wiegen die Komponenten der Wasserkühlung, kompensiert durch leichtere „Impeller“-Räder und Kotflügel. Geschafft, die Maschine steht senkrecht. Der Blick fällt auf vier vergrößerte Runduhren mit neuen Skalen in der mit schwarzem Glanzlack über­zogenen Innenverkleidung.

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E-Glide Ultra Limited verdammt wertig und edel

Verdammt wertig und edel wirkt die fast 28500 Euro teure E-Glide Ultra Limited. Beide Lenkerarmaturen tragen neue Schalter – inklusive Joysticks zur Navigation durchs Bordmenü. Der rechte Daumen drückt den Startknopf. Kawumm! Der neue alte V2 erwacht, stampft in seinen elas­tischen Aufhängungen, hebt das mächtige Motorrad auf und ab, massiert die Magengrube. Beben und Leben. So war, ist und wird das bleiben bei einer Harley. Klonk, der erste Gang sitzt. Leichtgängig und gut dosierbar rückt die hydraulische Kupplung ein. Es hat einfach was, mit diesem Straßenkreuzer abzulegen, Asphalt zu beehren.

Zum gedämpft bassigen Blubber-Sound gesellt sich Schnorcheln aus der neuen Airbox und guter Klang aus vier Bordlautsprechern. Harman Kardon liefert die Audio-Anlage samt 6,5-Zoll-Touchscreen-Farbbildschirm. Er zeigt haufenweise Infos an, Musiktitel oder Album-Cover inklusive. GPS weist uns den Weg nach Westen. Ins gelobte Motorradland, die Rocky Mountains. Raus auf den Highway. Unspektakulär schiebt der in Fahrt sanft pulsierende Zweiventil-V2 an, völlig smooth. Drei PS und vier Nm mehr soll der 2014er-Motor abdrücken, egal ob luft- oder teilwassergekühlt. Doch zu spüren ist das nicht. In den unteren Gängen dreht der extreme Langhuber nur zäh über die 5000er-Marke. Vorher hört man, wenn bei rund 3000 die Klappe im rechten Auspuff öffnet.

Bäriger Durchzug ist anders, zurückschalten bis in den Vierten kein Fehler. Bei 130 km/h im Sechsten dreht der Motor nur 3000 Touren. Der Musik kann man da immer noch lauschen. Vor allem wenn die mit einer Hand bedienbare Klappe offen steht, wird es akustisch leiser, die Strömung am Helm ruhiger. Je nach Wind und Wetter leiten drehbare Finnen rechts und links kühlenden Luftstrom auf die Brust. Prima!

Gutmütiger Brummer ist ausreichend präzise

In lang gezogenen Hihgway-Kurven rührt es bei 100 Meilen pro Stunde, 160 km/h, spürbar im Gebälk. Na und? Easy going! Stattdessen begeistert der ultralässige Touren-Cruiser mit hohem Unterhaltungswert. Den erst sanften, später engen Kurven der Rockies, folgt der Brummer gutmütig, ausreichend präzise und im Wortsinn handlich: Man muss ihn schon richtig anfassen. Und es mit dem Tempo nicht übertreiben, ­relaxed bleiben, die Landschaft genießen.

Von den gemütlichen, nun noch bequemeren Ledersitzen will man gar nicht mehr runter. Die 2014 stabilere Gabel mit 49er-Standrohren federt und dämpft einiges weg. Auf komfortabel macht auch das Federbein, kommt aber mit kurzem Federweg bei rasch folgenden Hubbeln nicht mehr ganz mit dem Verarbeiten nach. Volle Entschleunigung, darum geht es eben.

Vorder- und Hinterrad bremsen ab 40 km/h im Verbund

Beim Cruisen, und nun auch beim Bremsen. Elektronisch gekoppelt, verzögern Vorder- und Hinterrad ab Tempo 40 stets im Verbund. Der Tritt aufs Pedal aktiviert bis zu 70 Prozent des Bremsdrucks im vorderen linken Vierkolbensattel. Wie viel genau, hängt von Tempo und angelegtem Druck im Primärbremskreis ab. Noch spürbar mehr Bremskraft baut der Handhebel auf, indem er auch hinten mit zukneift. Doch nur Fuß und Hand gemeinsam holen die volle, beachtliche Bremspower raus. Immer ABS-geregelt, versteht sich. Gut so!

Alle neuen Modelle inklusive der beiden E-Glides mit „Wasserkopf“ stellt Harley-Davidson bei der European Bike Week vom 3. bis 8. September in Faak/Österreich vor. Bei deutschen Händlern sollen die Neuheiten beim „Open House“ am 14. September stehen. Für heiße Diskussionen unter Traditionalisten ist gesorgt. Gut, wenn alle einen kühlen Kopf bewahren – so wie die überarbeitete Electra Glide Ultra Limited.

Foto: Harley-Davidson
Die E-Glide wirkt wie eine fahrende Skulptur.
Die E-Glide wirkt wie eine fahrende Skulptur.

Daten und Fakten

Motor
Luft-/wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-45-­Grad-V-Motor, zwei untenliegende, ketten­ge­trie­bene Nockenwellen, zwei Ventile pro ­Zy­lin­der, Hydrostößel, Stoßstangen, Kipphebel, Trockensumpfschmierung, Einspritzung, Ø 46 mm, geregelter Katalysator 650 W, Batterie 12 V/28 Ah, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, Zahnriemen.
Bohrung x Hub: 98,4 x 111,1 mm
Hubraum: 1690 cm³
Verdichtungsverhältnis: 10:1
Nennleistung: 64,0 kW (87 PS) bei 5010/min
Max. Drehmoment: 138 Nm bei 3750/min

Fahrwerk
Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel, Ø 49 mm, Dreiecksschwinge aus Stahl, zwei Federbeine, verstellbare Federbasis, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 300 mm, Vierkolben-Festsattel, Scheibenbremse hinten, Ø 300 mm, Vierkolben-Festsattel, Vollintegral-Bremssystem mit ABS.
Alu-Gussräder: 3.00 x 17; 5.00 x 16
Reifen: 130/80 B 17; 180/65 HB 16

Maße und Gewichte
Radstand 1625 mm, Lenkkopfwinkel 64,0 Grad, Nachlauf 170 mm, Federweg v/h 117/76 mm, Sitzhöhe 740 mm, Gewicht vollgetankt 414 kg, Zuladung 203 kg, Tankinhalt/Reserve 22,7/3,8 Liter.

Garantie: zwei Jahre
Farbe: einfarbig, mehrfarbig (15 Farbtöne)
Preis: 27995 Euro
Nebenkosten: 490 Euro

Foto: Jahn
Auch die Street Glide als meistgebaute Harley-Davidson legte an Leistung und Ausstattung zu.
Auch die Street Glide als meistgebaute Harley-Davidson legte an Leistung und Ausstattung zu.

Harley 2013 - Das ist neu

Die Neuerungen bei den Touring-Modellen: Road King Classic, Street Glide, Electra Glide Ultra Classic und Ultra Limited:

  • High Output Twin Cam 103-Motor mit neuen Nockenwellen (geänderte Steuerzeiten) und Luftfilter mit mehr Durchlass in allen vier Modellen: maximale Leistung und Drehmoment leicht gestiegen, von bislang 62 kW/84 PS auf nun 64 kW/87 PS bei 5010 Umdrehungen und von 134 Nm auf 138 Nm bei 3500/min (Electra Glide: maximales Dreh­moment bei 3750 Umdrehungen).
  • kombinierte Luft-/Flüssigkeitskühlung bei Electra Glide Ultra Classic und Electra Glide Ultra Limited: Twin Cooled High Output Twin Cam 103 mit neuen Zylinder­köpfen und flüssigkeitsgekühlten Auslass­venti­len. Thermostatgesteuerte Kühler und Ausgleichsbehälter sind in die Beinschilde integriert. Leitungen von und zur Wasserpumpe führen über den vorderen Zylinder hinweg. Mehrgewicht fürs gesamte Kühl­system insgesamt fünf Kilogramm
  • Kupplung hydraulisch betätigt (außer bei Road King Classic)
  • neue Integral-Bremsanlage „Reflex“ mit Bremskraftverteiler und größeren Bremsscheiben vorn und hinten (ABS von Bosch): Ab Tempo 40 arbeiten Vorder- und Hinterradbremse elektronisch kombiniert, egal ob Pedal oder Handhebel betätigt werden
  • Gabel mit 49 Millimeter dicken Stand­rohren (vorher 41 mm); leichtere Gussräder (nur bei verkleideten Modellen)
  • Batwing-Verkleidung aerodynamisch optimiert, nun mit verschließbarer Klappe („Splitstream“) zur Hinterströmung; Scheibe bei beiden Electra Glide-Modellen etwas niedriger als zuvor
  • hellere Scheinwerfer: LED-Haupt- und -Zusatzscheinwerfer („Daymaker“) bei den Electra Glides; neues duales Halogenlicht bei Street Glide und Road King Classic
  • komfortablere, größere Sitze vorn und hinten; verbesserte Sozius-Armlehnen
  • neue Lenkerarmaturen links und rechts
  • Koffer und Topcase bieten etwa vier Prozent mehr Volumen und Ein-Hand-Öffnungsmechanismus; Topcase bei Electra Glide mit integrierten LED-Rückleuchten
  • größere Instrumente mit neuen Skalen für verkleidete Modelle; Farbbildschirm (Electra Glide Ultra Limited: 6,5 Zoll inklusive GPS, sonst 4,3 Zoll), Infotainment mit Radio, Anschlüssen für MP3/iPod, Interkom; Bluetooth-Erkennung
  • größere Lautsprecher (Batwing-Modelle)
  • schlankere Schutzbleche
  • Preise ab 23.185 Euro (Road King Classic)
Foto: Harley-Davidson
Neu bei den 2014er-Sportstern: neue Bremsen, Auspuffe und ABS – alles optisch dezent integriert.
Neu bei den 2014er-Sportstern: neue Bremsen, Auspuffe und ABS – alles optisch dezent integriert.

Neuheiten 2014

Und hier der Rest des Jahrgangs 2014: insgesamt 25 überarbeitete Motorräder, vier individualisierte CVO-Sondermodelle und ein Trike.

Umfangreiche Modellpflege kommt den Sportster-Modellen zugute. Sie verzögern nun per neuen Bremsanlagen mit geänder­ten Bremsscheiben, -sätteln und -kolben. Als letzte Harley-Baureihe erhalten auch die Sports­­ter ABS. Bei der Iron 883 ist ABS optional, bei den anderen sieben Sportster-Typen serienmäßig. 2014 ebenfalls neu bei allen Sportstern: geänderte Auspuffanlagen und Lenkerarmaturen sowie Bordelektrik mit CAN-Datenbussystem. Der Tachometer integriert eine neue LCD-Anzeige, unter anderem für Ganganzeige und Drehzahlmesser. Zusätzlich zu Wegfahrsperre und Alarmanlage erlaubt nun das „Keyless Ignition System“ das Starten des Motors ohne Schlüssel. Elf neue Farbvarianten stehen zur Wahl, die Prei­se ­beginnen inkl. ABS bei 8955 Euro (883 R und Super Low), je plus 380 Euro Nebenkos­ten.

Viel Neues gibt es auch in der Dyna-Familie. Bislang hatten die Dyna Street Bob und ­Super Glide Custom noch V2-Motoren mit 1585 cm³. Nun erhalten sie wie bereits andere Dynas zuvor den 1690 cm³ großen Twin Cam 103 mit mehr Drehmoment. Zudem präsentiert sich die beliebte Dyna Fat Bob umfangreich überarbeitet. Dazu zählt neben erneuerten Tank-Graphics das stark geänderte Design des hinteren Schutzblechs mit integriertem LED-Rücklicht.

Der Sitz erhielt eine bequemere Form mit „sportlicherem“ Bezug. Ebenfalls neu: Tankkonsole, Schalldämpfer und schwarze, geschlitzte 16-Zoll-Leichtmetall-Scheiben­räder mit lasergravierten Graphics. Zwei zusätzliche Farben sind 2014 „Amber Whiskey“ und „San Cammo Denim“; Preise ab 16 885 Euro (plus 490 Euro Nebenkosten)

Neu im Portfolio der edel ab Werk umgebauten „Custom Vehicle Operations“-Bikes ist die CVO Softail Deluxe (30925 Euro). Sie bietet in limitierter Stückzahl klare Linien, erlesene „Art-deco-Lackierung“ und Reisetauglichkeit dank Packtaschen und Scheibe. Das modifizierte Trike Tri Glide Ultra Classic kommt offiziell nach Deutschland; Preis: ab 36385 Euro.

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