16.02.2012 Von: Rolf Henniges
Erschienen in: 05/ 2012 MOTORRAD

Schon gefahren Harley-Davidson Sportster Seventy-Two/Softail Slim

Im Grunde genommen haben die Harley-Jungs nur mal wieder ins Regal gegriffen und ein paar Teile neu gemixt. Doch dieser Mix bringt’s: Welcome Sportster Seventy-Two and Softail Slim. Zwei Modelle, mit denen man garantiert den Neid der Nachbarn auf sich zieht.
In diesem Artikel: Harley Davidson Sportster Seventy Two

Harley-Davidson Softail Slim

Harley-Davidson Softail Slim.  

Foto: Harley-Davidson  

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Wärme. Endlich. Während sibirische Kälte ihre Krallen ins verschneite Europa schlägt, präsentiert Harley-Davidson unter andalusischer Sonne zwei neue Modelle. Da steht man dann im T-Shirt und ist baff. Das Teileregal in Milwaukee scheint länger zu sein als der Äquator. Und, wie sollte es anders sein, natürlich gibt’s auch neue Namen: Die Sportster-Familie wird um die Seventy-Two bereichert, und Harleys Softail-Serie wird um das Modell Slim erweitert. Aber, halten wir uns nicht mit Namen auf, sondern schwingen uns gleich in den Sattel.

Dieser schwebt im Fall der Seventy-Two gerade mal 710 Millimeter über dem Boden. Wer nicht ausgerechnet unter 1,55 Meter misst, wird mit der neuen Sportster wahrscheinlich gut zurechtkommen. Anlasser werkeln lassen, Kupplung ziehen, Gang rein und los. Haben Sie jemals auf einem Bonanza-Fahrrad gesessen? Der geschwungene, mittelgroße Lenker, im Fachjargon Ape-Hanger oder auch Achselbelüfter genannt, gibt einem in Verbindung mit dem schmalen Vorderrad und dem nur 7,9 Liter fassenden Tank sofort das Gefühl, eines jener legendären Fahrräder aus den 1970er-Jahren zu steuern. Das war damals cool. Und wäre es heute wahrscheinlich auch. Die Seventy-Two bedient sich dieses Stils aus der Glamour-Ära. Sie rollt serienmäßig auf Weißwandreifen und kann wahlweise mit einer schrillen Lackierung namens „Hard Candy Big Red Flake“ geordert werden. Rot mit Glitzereffekt hätte auch genügt. Aber was soll’s.

Doch Augenblick mal! Wenn diese Sportster wie das Kult-Fahrrad wirkt und sich auch fast so fährt, wieso heißt die Kiste dann Seventy-Two und nicht Little Joe oder Boss - frei nach den Helden der US-Serie „Bonanza“? „Die Seventy-Two ist eine Hommage an die Chopper der Siebziger und die legendäre Route 72, Los Angeles’ beliebten Cruising-Boulevard“, sagt Bernhard Gneithing, der deutsche Pressesprecher von Harley-Davidson. Wie auch immer, die Maschine kommt äußerst cool rüber. Und sie fährt merkwürdigerweise auch so. Der altbekannte, 1202 Kubik große V2 kokettiert immer noch mit Good Vibrations, leistet seine 67 PS bei 5950 Touren und stemmt mit 96 Nm bei 3500/min sein maximales Drehmoment. In Verbindung mit dem recht eng gestuften Fünfganggetriebe reicht das für alle Landstraßen dieser Erde und ist auch für Dauertempo 140 km/h auf der Autobahn völlig okay. Die Seventy-Two lenkt trotz des Ape-Hangers überraschend zielgenau, wirkt vergleichsweise handlich und lässt sich aufgrund der schmalen Bereifung auch lässig abwinkeln. Sogar ihre Schräglagenfreiheit überzeugt für ein Fahrzeug dieser Kategorie. Einzige Wermutstropfen: Die Federung ist spartanisch, die ABS-lose Bremse nur mittelprächtig, und spätestens alle 130 Kilometer muss man an eine Zapfsäule. Richtig coole Jungs hat das aber noch nie gestört.

Harley Davidson Seventy-Two

Harley Davidson Seventy-Two (XL 1200 V).  

Foto: Harley-Davidson  

 

Wer in puncto Reichweite, Kubik und Coolness noch einen drauflegen möchte, sollte sich die neue Softail Slim zulegen. Das lässt sich Harley allerdings auch richtig was kosten: Mit 18795 Euro Einstandspreis ist die Slim gleich 8000 Euro teurer als die Seventy-Two. Doch letztlich kann man diese beiden coolen Bikes nicht ansatzweise miteinander vergleichen. Die Sportster-Modelle gelten bei Harley als preislich attraktive Einsteiger-Bikes, die Softails spielen schon seit jeher in der Premiumklasse. Mit der Slim knüpft Harley an den Bobber-Style der 1940er- und 1950er-Jahre an. Tritt-bret-ter, die Form des Einzelsitzes und des Lenkers, schmale Kotflügel und ein riesiger Scheinwerfer, der zur Not auch als Waschbecken für unterwegs taugt, untermauern diese Reminiszenz. Und hat man sich erst mal in den nur 650 Millimeter tiefen Sattel fallen gelassen, ist sowieso alles egal. Dieses Bike ist klasse, denn es beherbergt den Geist zweier Generationen. Der bumerangförmig zum Körper gebogene Lenker mit Mittelstrebe liegt super in der Hand, Sitz-position und Aufmachung beamen den Fahrer 70 Jahre zurück. Doch spätestens, wenn man einkuppelt und der 1690 Kubik große V2 seine 132 Nm über den Zahnriemen ans Hinterrad schickt, wähnt man sich wieder in der Neuzeit. Denn es rockt. Zwar leistet der Motor nur 79 PS, aber er braucht praktisch nie Drehzahlen oberhalb von 3000/min. Stilvoll cruisen? Sechster Gang, 100 km/h, 2100/min. Mehr braucht es nicht. Die Slim ist ein mächtiges Bike. Wenn man neben ihr steht. Wenn man auf ihr sitzt. Nur nicht, wenn man hinterherfährt. Von hinten erinnert die Slim durch ihre schmalen Kotflügel und Reifen eher an eine 250er. Daher auch ihr Name. Überhaupt: Die Neue rollt vorn (130er) wie hinten (140er) auf beinahe identischen Reifendimensionen.

Trotz dieser Eigenheit fährt die Slim manierlich. Sie lenkt ungeachtet des fetten Vorderreifens einigermaßen zielsicher, wenn-gleich sie um Welten von der Handlichkeit einer Seventy-Two entfernt ist. Wer in ihrem Sattel sitzt - tief, satt, unantastbar -, bekommt schnell das Gefühl, mit diesem Motorrad alle auf dem Weg des Lebens liegenden Steine und Felsbrocken lässig durchstoßen zu können. Der Mix aus tiefer Sitzposition, mächtigem Drehmoment und vor allem dem Oldschool-Design in Verbindung mit meist in Tiefschwarz gehaltenen Anbauteilen macht die Maschine aus. Sie kommt cooler, vor allem zeitloser rüber als ihre Schwester Fat Boy. Und sie hat eigentlich nur zwei Wermutstropfen: Ihre Tritt-bretter begrenzen die Schräglagenfreiheit arg. Und aus optischen Gründen hat man bei der Bremse vorn auf eine Doppelscheibe verzichtet. Die ABS-unterstützten Stopper sind dem Kampfgewicht von über 300 Kilogramm nicht in allen Fällen optimal ge-wach-sen. In Deutschland werden in diesem Jahr 480 Seventy-Twos und 240 Exemplare der Softail Slim in den Schaufenstern zum Verkauf stehen. Auf beiden neuen Harleys fühlt man sich als Easy Rider. Und der Nachbar wird easy zum Neider.

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