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Indian-Showfahrzeug Spirit of Munro Hochgeschwindigkeits-Motorrad von Indian

Nach dem legendären Vorbild von Burt Munros Rekordfahrzeug baute Indian eine Hochgeschwindigkeitszigarre. Als fahrendes Showstück, als Paukenschlag zur Präsentation eines neuen Motors und als Denkmal für den zähen und schnellen Neuseeländer.

Spirit of Munro

Man muss nur einige Episoden aus dem Leben von Burt Munro kennen, um zu wissen: Wenn dieser Mann je ein Denkmal für sich wollte, dann so eines. Schmal, niedrig, kräftig motorisiert und vor allem fahrfertig. Vielleicht hätte es ihn ein wenig irritiert, dass in der Spirit of Munro viele Teile aus industrieller Fertigung stecken. Schließlich war er gewohnt, alles selbst zu machen - mit viel Zeit und Geduld als seinen wichtigsten Werkzeugen. So brauchte er zum Beispiel volle fünf Monate, um aus dem Stahl einer Lastwagenachse ein Paar Pleuel zu schmieden. Die besaßen dann aber auch eine solche Materialgüte, dass sie 20 Jahre lang hielten…

Vielleicht hätte Burt Munro die geballte Unterstützung eines Industriekonzerns wie Polaris/Victory/Indian mitsamt seiner Schweizer Konstruktions- und Kreativabteilung Swissauto ja auch einfach genossen. Hätte gerne einen Motor eingebaut, der schon als Vorbote einer Großserie so viel Leistung entwickelt wie wahrscheinlich keine Ausbaustufe seines über Jahrzehnte weiterentwickelten Scout-V2. Vielleicht hätte er sich dankbar Rädern und Reifen anvertraut, für die es eine Selbstverständlichkeit ist, Tempo 300 auszuhalten. Wer weiß?

In der Spirit of Munro steckt jedenfalls ein Vorserienexemplar des neu konstruierten Indian-Motors Thunder Stroke 111. Da der Rahmen auf den Fotos fast gänzlich verborgen bleibt und im Pressetext erst gar nicht erwähnt wird, ist es sehr wahrscheinlich, dass auch er bereits weitgehend der Serie entspricht. Es scheint sich demnach um einen echten Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr zu handeln. Echt deshalb, weil die Rohrschleifen auch in zwei Zügen über den Motor geführt werden. Und wo bei der Spirit die seitlichen Stützen und die Fahrerfußrasten ansetzen, könnten beim späteren Cruiser die Soziusrasten montiert sein.

Garantiert keiner Serie entstammt die windschlüpfrige Alu-Karosserie, die bei Jeb’s Metal and Speed im kalifornischen Long Beach von Hand gedengelt wurde - was dem Geist von Burt Munro unzweifelhaft entspricht. Jeb Scolman, der Firmeninhaber, hat nicht nur einige sogenannte Land Speed, Racer, also Hochgeschwindigkeitsfahrzeuge für die Rekordjagd auf den Salzseen gebaut, sondern auch für zahlreiche kostbare alte Autos Karosserieteile aufbereitet oder nachgefertigt – mit wunderbarer Präzision und makellosen Oberflächen, wie sie auch die Spirit of Munro auszeichnen.

Schade, dass die Spirit in der kommenden Saison nur als Ausstellungsstück fungiert und wenn überhaupt, dann nur langsam gefahren wird. Es müsste ein erhebendes Gefühl sein, sich unter die knapp geschnittene Aluhaut zu fädeln, im Sitz ganz nach hinten zu rutschen und sich hinter den Windschild zu ducken. Und dann mit der rechten Hand den Geist von Burt Munro zu wecken.

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Foto: Indian

Interview mit Gary Gray

"Rekordfahrten waren nicht unser Ziel“
Gary Gray hatte bereits etliche Victory-Modelle wie die Vision mitentwickelt, bevor er sich als Leiter der Produktplanung an die Entwicklung der neuen Indian machte.

? Gary, die Spirit of Munro ist eine motorisierte Skulptur, ein schöner Vorgeschmack auf künftige Indian-Modelle. Was haben Sie sonst noch mit ihr vor?

! Sie wurde als Blickfang für die Vorstellung des neuen Thunder Stroke 111 gebaut und um unsere innovative Marke Indian mit den Rennlegenden der Vergangenheit zu verbinden. In der kommenden Saison wird sie als reines Ausstellungsstück dienen, für später haben wir noch keine Pläne.

? Hat sie schon jemand gefahren?

! Nur bei Show-Events. Sie wurde ja erst wenige Stunden vor der Präsentation unseres neuen Motors fertig.

? Wie wäre es mit einem „Run“ auf den Bonneville-Salzseen?

! Eines schönen Tages würde ich das furchtbar gerne erleben, aber das war nie unser wichtigstes Ziel. Ebenso wenig, wie irgendwelche Rekorde aufzustellen. Aber es wäre schön herauszufinden, wie schnell der Thunder Stroke 111 das Motorrad auf den Salzseen vorantreibt.

? Man sagt, der neue Indian-Motor mit Stoßstangen und nur zwei Ventilen pro Zylinder sei ebenso stark wie der vierventilige Victory-Motor. Stimmt das?

! Zumindest wird der Thunder Stroke 111 gut 160 Nm an maximalem Drehmoment produzieren.

? Wie haben Sie es geschafft, den luftgekühlten Motor kühl genug zu halten, vor allem an den kritischen Stellen, etwa im Auslassbereich des hinteren Zylinders?

! Die Kühlung war von Anfang an ein ganz wichtiger Teil des Projekts. Wir haben umfassende Vergleichsdaten gesammelt, Messungen gemacht, Windkanalarbeit und Strömungssimulationen betrieben, um ein extrem zuverlässiges Produkt zu erhalten. Die Ventildeckel bestehen aus zwei Lagen mit einem Luftspalt dazwischen, um die Hitze vom Fahrer fernzuhalten; und die Auspuffkrümmer haben eine spezielle Verrippung und Abdeckungen, um den Fahrer vor der Hitze zu schützen. Auch sind die Zylinderköpfe großflächig mit Kühlrippen versehen. Ölspritzdüsen kühlen die Kolben von der Unterseite her, bevor die Zylinderwände zu heiß werden. Das Öl selbst wird in einem Ölkühler gekühlt.

? In Europa reicht die Preisspanne für Motorräder aus Amerika von etwa 8500 bis 25 000 Euro, speziell gefertigte CVO-Modelle von Harley-Davidson sind noch teurer. Wo in diesem Bereich wird der Preis der neuen Indian zu liegen kommen?

! Die Kunden können eine andere Preisgestaltung erwarten als für die bisherigen Indian-Modelle - derzeit kostet die günstigste Chief Classic 26 499 US-Dollar (ca. 20 500 Euro, Red.). Wir haben schon verstanden, dass es nur wenige Kunden gibt, die sich so teure Indians leisten können.

? Wann wird die neue Indian präsentiert?

! Die 2014er werden spät in diesem Jahr präsentiert.

? Würden Sie uns auf der Spirit fahren lassen?

! Erst wenn ich selbst gefahren bin.
 

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